Aug 2015 hastuUNI Heft Nr. 61 Rubrik 0

»Saalefront« in der Kritik

Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Rassismus im Profifußball kommt es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans.

Foto: Tobias Hoffmann (Archiv)

Foto: Tobias Hoffmann (Archiv)

Da fand sich die »Saalefront« einmal nicht im Stadion zusammen, sondern in der Uni. Unter den 100 Menschen im Audimax der Martin-Luther-Universität waren etwa 25 Fans des Fußballvereins Hallescher FC, darunter auch Mitglieder der Ultra-Gruppierung. Es war ein ungewohntes Bild, das sich im größten Hörsaal der MLU bot.

Anlass für den unerwarteten Besuch war die vom Studierendenrat der Martin-Luther-Universität veranstaltete Podiumsdiskussion »Diskriminierung, Rassismus und Gewalt im Profifußball«. Ausgerechnet, standen die Ultras doch selbst schon in der Kritik, rassistisches Gedankengut verbreitet zu haben. Nun lauschten sie gespannt, was HFC-Veranstaltungsleiter Bernd Paul zu diesem Thema zu sagen hatte.

Organisator der Podiumsdiskussion war Jura-Student und Hobby-Fußballschiedsrichter Julian Rosenberger. Neben Bernd Paul traten Björn Hegemann, der Fanbeauftragte von Borussia Dortmund, und Iris Hugo-Bouvier vom europäischen Fußballverband UEFA als RednerInnen auf.

Es waren nur wenige Frauen anwesend, was man als typisches Fußball-Klischee deuten könnte.

Zur Einführung stellte Bernd Paul das Sicherheitskonzept des HFC vor. Dabei spielten Regeln zum Alkoholausschank, Maßnahmen zur Fan-Trennung im Stadion sowie das Verhalten im Fall einer Bombendrohung eine Rolle. Nicht wenige Zuschauer wähnten sich in der falschen Veranstaltung. »Was hat das mit dem Thema zu tun?« fragten sie sich. Wobei man fairerweise sagen muss, dass eigentlich HFC-Präsident Michael Schädlich den Redebeitrag übernehmen wollte und Paul erst kurzfristig für ihn einsprang. In der Tat kam der HFC-Vertreter aber nur am Ende seines Vortrages auf Rassismus zu sprechen.

»In den letzten Jahren gab es bei uns keinerlei rechte Erscheinungen. Wir distanzieren uns von rechtem Gedankengut«, sagte er. Und nutzte gleich mal die Gelegenheit, um zu den Heimspielen des HFC einzuladen.

Als Nächstes sprach Björn Hegemann vom BVB. Das Antirassismus-Konzept der Dortmunder traf im Publikum auf rege Zustimmung. Zunächst stellte der Fanbeauftragte die Probleme dar: Neonazis im Stadion werden akzeptiert. Fans, die sich dagegen engagieren wollen, haben Angst. Dann präsentierte er die Gegenmaßnahmen des BVB, etwa einen eigens entworfenen Schal »Gegen Rassismus« sowie regelmäßige Gedenkstättenfahrten.

Zuletzt war Iris Hugo-Bouvier an der Reihe. Sie stellte eine Kampagne mit TV-Spots, Bandenwerbung und Wimpeln als das neue Konzept der UEFA vor. Hugo-Bouvier zeigte zwei Videos, in dem erst verschiedene Fußballer und Schiedsrichter und dann UEFA-Präsident Michel Platini sich gegen Rassismus äußern. Ob dieses Konzept neben der Präsentation schöner Bilder tatsächlich etwas bewegen kann, bleibt fraglich.

Bei der anschließenden Diskussion ging es heiß her. Einige Zuschauer kritisierten Bernd Paul und meinten, beim HFC habe es sehr wohl rassistische Vorfälle gegeben. Sie erinnerten an die »Kirsten, du Zigeuner«-Rufe beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden im vergangenen Herbst. Rufe, die sich gegen den Dresdner Torwart Benjamin Kirsten gerichtet hatten. Paul entgegnete: »Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass es bei uns solche Vorfälle nicht gibt. Wir haben unsere Fans unter Kontrolle.« Worauf ein Fan dem Studenten, der Paul kritisiert hatte, zurief: »Du knallst hier alles in einen Topf.«

Eine andere Meinung hatte da Steffen Kluge: »Wir haben erkannt, dass wir etwas tun müssen. Tatsächlich gibt es bei uns Vorfälle wie den gegen Dresden.« Der Leiter des HFC-Fanprojekts verschwieg die Probleme also nicht. Und er versprach, etwas dagegen zu unternehmen: »Wir sind nah dran an der Szene.«

Über Max Zeising

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Erstellt: 07.08. 2015 | Bearbeitet: 03.08. 2015 12:47