Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Rock Your Life!

Ein Verein setzt sich für Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und Integration ein.

Klara Stock, Mentorin und Organisatorin bei "Rock your life! Halle e.V." Foto: Jule Szymanowski

Klara Stock, Mentorin und Organisatorin bei „Rock your life! Halle e.V.»
Foto: Jule Szymanowski

Kinder aus bildungsfernen Schichten haben in Deutschland deutlich schlechtere Aufstiegschancen. Deshalb gibt es den Verein »Rock your life!«, der sich für eben diese Kinder einsetzt, seit März 2015 auch in Halle – einem von über 40 Standorten. In diesem Verein wollen Studenten Schülern aus benachteiligten Schichten helfen, ihre Zukunftschancen zu verbessern. Sie möchten die Schüler zwei Jahre lang bei ihrem Abschluss und dem Einstieg in die Berufswelt begleiten und unterstützen.

Einem Mentee helfen

In den Sekundarschulen – bisher der Heinrich-Heine-Schule, ab diesem Semester auch in der August-Hermann-Francke-Schule – möchte der Verein Schüler aus »sozial, wirtschaftlich oder familiär benachteiligten Verhältnissen«, die sogenannten Mentees, unterstützen.

Der Verein stellt sich in den Schulen zunächst vor und klärt offene Fragen. Danach haben die Schüler einige Tage Zeit, sich zu überlegen, ob sie das Angebot des Vereins nutzen möchten. Die Schüler entscheiden sich also freiwillig, am Programm teilzunehmen. Jedem der Schüler wird ein Student als Mentor zur Seite gestellt, der in den nächsten zwei Jahren den Schüler auf dessen Weg begleiten wird.

Der Mentee soll durch »Rock your life!« nicht nur seine schulischen Leistungen verbessern, sondern auch Sozialkompetenzen erweitern, selbstbewusst, eigeninitiativ handeln lernen und die eigenen Chancen im späteren Berufsleben verbessern. Durch den Verein bekommen die Jugendlichen Möglichkeiten, Praktika zu absolvieren und Ausbildungsplätze vermittelt zu bekommen – dafür arbeitet der Verein mit diversen Unternehmen zusammen.

Was ein Student als Mentor tut

Wie die Schüler entscheiden sich natürlich auch die Studenten freiwillig dafür, bei dem Verein mitzumachen. Als Mentor treffen sie alle ein bis zwei Wochen ihren oder ihre Mentee – je nachdem, wie es beiden am besten passt.

Was man bei diesen Treffen unternimmt, ist ganz unterschiedlich. »Man kann das sehr individuell gestalten«, erklärt Klara Stock, 22. Sie studiert Medizin an der MLU und ist außerdem alsMentorin und im Orga-Team tätig. »Wir waren zum Beispiel einmal mit dem Hund spazieren, haben uns mal unterhalten und überlegt, demnächst zusammen Vokabeln zu lernen, da Englisch nicht so die Stärke meines Mentees ist. Man kann auch ins Schwimmbad gehen, Computer spielen oder sich einfach hinsetzen und reden oder lernen.« Auch Treffen mit einem oder mehreren anderen Mentoring-Paar(en) sind möglich, beispielsweise wenn man gemeinsam schwimmen gehen möchte. Beim Sommerfest oder einigen Seminaren (wie zum Beispiel dem Einführungsseminar, bei welchem die Mentoren vorbereitet werden) kommen auch alle zusammen.

Freiwilliges Engagement im Verein

Auch wenn man kein Mentor werden möchte oder vielleicht keine zwei Jahre mehr in Halle ist, kann man den Verein unterstützen. So gibt es neben den Aufgaben des Mentors noch das Orga-Team, welches sich in mehrere kleinere Gruppen wie Presse-Team, Mentoring-Team oder Netzwerk-Team unterteilt. Bei den wöchentlichen Treffen werden hier Seminare geplant, Finanzen, Neuigkeiten und Aktionen besprochen und Ideen ausgetauscht.

Auch hier sind Interessierte stets willkommen. »Man muss nichts Soziales studieren, um mitzumachen.« Studenten, die sich beispielsweise für Finanzen interessieren, könnten auch in dem Finanzbereich des Vereins mitwirken. »Es macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, sondern ist auch eine gute Übung für später«, ist sich Klara sicher. »Was Studiengänge angeht, sind wir auch bunt zusammengewürfelt. Wir sind offen für alle und freuen uns über jeden, der mitmacht. Jede Hand hilft.«

Warum sollen Studierende Schülern helfen?

»Die meisten Studierenden haben geradlinig auf dem Gymnasium Abi gemacht und dann ein Studium angefangen. Diese Schüler kommen dagegen aus einer völlig anderen Umgebung«, erklärt Klara. Dennoch sollte natürlich jedem Schüler die Chance gegeben werden, seine beruflichen Wünsche zu verwirklichen. Dabei kann jeder helfen.

Für Klara sei es ein gutes Gefühl, jemanden zu unterstützen und zu versuchen, das Leben von jemandem zu verbessern und Verantwortung zu übernehmen. Ob »Rock your life!« ihrem Schüler tatsächlich hilft, kann man nach so kurzer Zeit noch nicht sagen, doch Klara meint: »Er ist zu Hause der Älteste von seinen Geschwistern, und ich glaube, es tut ihm gut, dass er meine ungeteilte Aufmerksamkeit hat. Das ist auch ein Punkt, weshalb wir sagen: ›Gestaltet es so individuell wie möglich.‹ Einige brauchen keine Hilfe in der Schule, sondern einfach ein offenes Ohr. Einige sind froh, dass sie jetzt jemanden haben, der sich nur auf sie fokussiert.«

Eine neue Allgemeine Schlüsselqualifikation

Generell kann jeder bei »Rock your life!« teilnehmen, unabhängig vom Studienfach. Besondere Qualifikationen werden nicht vorausgesetzt, man sollte lediglich darauf achten, dass man die beiden Jahre als Mentor noch in Halle wohnt. Klara weiß, was außerdem noch wichtig ist: »Man muss Spaß daran haben und sollte es nicht nur machen, weil es sich gut im Lebenslauf macht. Man braucht auch Geduld und Durchhaltevermögen und ein gewisses Talent, sich in die Jugendlichen einzufühlen. Außerdem sollte man auch aufgeschlossen gegenüber Neuem sein.«

Ab diesem Semester können sich Mentoren und Mitwirkende im Orga-Team ihr Engagement auch als ASQ anrechnen lassen. »Aber nur für das ASQ mitzumachen lohnt sich nicht«, betont Klara. Denn als Mentor ist man zwei Jahre dabei – und auch wenn man im Orga-Team keine Mindestzeit dabei sein muss, kann man sich bei beidem erst nach einem Semester für ein ASQ anmelden. So wird gewährleistet, dass man dem Verein nicht nur für Leistungspunkte beitritt, sondern wirklich Motivation mitbringt.

Infoabend des Vereins »Rock your life!« am 28. Oktober im Melanchthonianum

https://rockyourlife.de/standort/halle

halle@rockyourlife.de

Über Jule Szymanowski

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Erstellt: 15.10. 2015 | Bearbeitet: 10.10. 2015 23:24