Aug 2015 hastuUNI Heft Nr. 61 Rubrik 0

Politik, Prävention und Teddy-OP

Im Juni trafen sich in Magdeburg 150 junge Studierende der Medizin zur Medizinstudierendenversammlung der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. – kurz BVMD. Auch aus Halle nahmen fünf Studierende teil.

Von Freitag bis Sonntag wurden in Plena viel diskutiert, gemeinsame politische Positionspapiere verabschiedet und schließlich nationale Vorstandsposten gewählt. Diese vertreten die Interessen der BVMD in der Öffentlichkeit und gegenüber Gremien der Hochschul- und Gesundheitspolitik. Außerdem wurde in verschiedensten Workshops inhaltlich gearbeitet.

Aber was ist die BVMD eigentlich? In Deutschland gibt es über 84 000 Medizinstudierende – und jeder hat andere Interessen und Ansprüche. Um all diese Interessen zu bündeln und den Studierenden eine starke Stimme zu geben, gibt es die Bundesvertretung. Sie vertritt die deutschen Medizinstudierenden als demokratischer Dachverband auf nationaler und internationaler Ebene.

Ihre Arbeit basiert auf drei Säulen: Der genannten politischen Vertretung vor Gremien der Hochschul- und Gesundheitspolitik, dem geförderten internationalen Austausch von Medizinstudierenden zu Praktika und Forschungsaufenthalten und der Projektarbeit in verschiedensten Bereichen. Dafür gibt es acht verschiedene ständige Arbeitsgruppen, zum Beispiel »Medizinische Ausbildung«, »Medizin und Menschenrechte« oder »Forschungsaustausch«. Zusätzlich gibt es noch eine Projekt- und eine Trainingssparte.
Auf drei Medizinstudierendenversamm­lungen im Jahr wird Plenumsarbeit geleistet, sich vernetzt und inhaltlich gearbeitet. Zusätzlich gibt es einen Bundeskongress im Winter, ein Wochenende voller Vorträge, Workshops und Trainings. Diese behandeln nicht nur Themen der Medizin, sondern lassen die Teilnehmenden über den Tellerrand hinaus auf andere spannende Themen der Gesellschaft blicken. So gab es auf dem letzten Bundeskongress im Dezember 2014 hier in Halle für die knapp 350 Teilnehmenden neben medizinischen Vorträgen unter anderem auch Workshops zu Massagen, veganer Ernährung oder Poledance.

Auf lokaler Ebene sind die Studierenden in teils national koordinierten Projekten und Initiativen aktiv. Hier ist eines der bekanntesten Projekte wohl das »Teddybärkrankenhaus«, bei dem
Medizinstudierende auf spielerische Weise versuchen, Vorschulkindern die Angst vor dem Arztbesuch zu nehmen. Es gibt dort Teddyärzte und -zahnärzte sowie eine Teddy-OP und eine kleine Apotheke. Es findet jedes Jahr im Juni statt.

Mit dabei in Magdeburg war auch Julia Hupfeld, Medizinstudentin in Halle im 6. Semester, die sich immer noch begeistert von dem großen Interesse der Studierenden in allen Bereichen der Gesellschaft und Gesundheitspolitik zeigt. Lokal engagiert sie sich in der Arbeitsgruppe »Sexualität und Prävention«. Diese arbeitet an Themen der Sexualität in der Medizin und Gesellschaft und möchte die Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten verbessern. Mit dem deutschlandweiten Projekt »Mit Sicherheit verliebt« leisten Medizinstudierende an Schulen ehrenamtlich Aufklärungsarbeit zu Pubertät, Sexualität und sexuell übertragbaren Krankheiten. Dieses Projekt ist auch in Halle sehr aktiv und wurde bereits in der letzten Ausgabe der hastuzeit vorgestellt. In Magdeburg gab es auch einen Workshop zum Thema Medieneinfluss in der Sexualethik. »Hier habe ich sehr viel Neues gehört und in ganz andere Bereiche gedacht, über die ich mir vorher gar keine Gedanken gemacht habe«, sagt Julia.

Das Plenum sei laut Julia diskussionsreich und interessant gewesen. Es wurde unter anderem Position zum geplanten Präventionsgesetz der Bundesregierung bezogen. Dieses Gesetz soll die Prävention nicht übertragbarer Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus verbessern. Der BVMD sei das Gesetz noch nicht weitreichend genug, und sie meint, die Bundesregierung bleibe damit hinter ihren Möglichkeiten zurück. »Wir fordern deshalb auch eine bessere Vermittlung entsprechender Fertigkeiten und Kenntnisse in unserer Ausbildung und effektivere primärpräventive Maßnahmen«, erklärt Julia. Hier sei laut BVMD etwa ein generelles Werbeverbot für Tabakprodukte und eine Förderung gesunder Verpflegung in Schul- und Hochschulkantinen zu nennen.

Für Julia sei das Wochenende schließlich sehr erfolgreich gewesen. »Samstag ging das Plenum sogar bis nach Mitternacht«, sagt sie. Belohnt wurden die Studierenden dafür aber mit einer großen Party in der Magdeburger Fachschaft. »Ich fand es toll, mich mit Medizinstudierenden aus ganz Deutschland zu beraten und zu vernetzen. Ich bringe viel von der Motivation und unseren Ergebnissen mit zurück in meine lokale Arbeit in Halle!« resümiert Julia.

Mehr Informationen zur Arbeit und den Positionen der BVMD findet Ihr unter www.bvmd.de

Das Projekt »Mit Sicherheit verliebt« in Halle, bei dem auch Studierende aller anderen Fachrichtungen teilnehmen können, erreicht Ihr unter sicher-verliebt.de

Nils studiert Medizin und ist Bundeskoordinator für Sexualität und Prävention in der BVMD.

Foto: BMVD

Foto: BMVD

Über Nils Kathmann

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Erstellt: 07.08. 2015 | Bearbeitet: 05.08. 2015 10:05