Mai 2015 hastuPAUSE 0

Mit den Gedanken in Nepal

Eine nepalesische Studentin aus Halle sammelt Spenden für die Menschen in ihrem Heimatland, die unter den Folgen des Erdbebens leiden.

Foto: Max Zeising

Foto: Max Zeising

Auf den ersten Blick macht Rashmi Sharma einen glücklichen Eindruck. Sie lächelt. Doch die Momentaufnahme trügt. »Mir geht es nicht gut«, sagt sie und hält ihre Hände vor das Gesicht. Verständlich. Rashmi ist Nepalesin. Sie lebt und studiert in Halle, doch mit ihren Gedanken ist sie gerade in der Heimat. Bei ihrer Familie, ihren Freunden und Verwandten, die unter den Folgen des Erdbebens leiden, bei dem mehr als 5000 Menschen getötet wurden.

Erfahren hat sie von der Katastrophe am Samstagvormittag, nach einem ebenso grausamen Traum. »Ich habe geträumt, dass ich im Flugzeug sitze und wir abstürzen«, erzählt sie. Dann klingelte das Telefon. Ein Freund war dran und berichtete. Rashmi konnte es nicht fassen. Am Nachmittag hat sie dann mit ihren Eltern gesprochen: »Wir haben kurz miteinander geredet. Sie haben gesagt, dass es ihnen gut geht.«

In den Tagen danach konnte sie sich kaum auf ihren Alltag konzentrieren. »Auf Arbeit war ich ganz abwesend. Mein Chef hat mir schon gesagt, dass ich auch zu Hause bleiben kann«, berichtet sie. Immer wieder versuchte sie zudem, mit ihrer Familie zu telefonieren. Vergebens: »Es gab keine Verbindung mehr.« Fünf Tage nach der Katastrophe konnte sie dann endlich ein längeres Gespräch führen. Auch ihre Freunden hat sie mittlerweile erreicht: »Sie sind wohlauf. Aber sie berichten von den schrecklichen Umständen.«

Konkret heißt das: »Wer nicht viel Geld und kein erdbebensicheres Haus hat, der ist schlecht dran. Die Leute müssen im Freien übernachten.« Jeden Tag liest sie außerdem die Medienberichte über schlecht anlaufende Hilfsaktionen, unzugängliche Regionen und Kämpfe um Nahrungsmittel. Da ist Rashmi, die seit mehr als zehn Jahren in Deutschland lebt und kurz vor ihrem Master-Abschluss im Studienfach »Erneuerbare Energien« steht, natürlich in großer Sorge um die Menschen in ihrem Heimatland.

Deshalb möchte sie nun helfen. Mit der »Initiative Nepal e.V.«, einem seit zehn Jahren bestehenden Förderverein, der von einer ehemaligen Freiwilligenhelferin gegründet wurde, planen sie und ihre Freunde einen nepalesischen Abend. Es soll Essen, ein paar kurze Vorträge und Ansprachen sowie abschließend ein Kultur- und Musikprogramm geben. Die erhaltenen Spenden sollen dann zu einem Teil für die schnelle Notversorgung an „Ärzte ohne Grenzen» weitergeleitet und zum anderen Teil an einen Projektpartner geschickt werden.

Aber Rashmi sammelt auch privat Spenden. »Meine Freunde haben mir gesagt, dass die Läden wieder geöffnet haben und sie sich etwas zu essen kaufen können. Sie brauchen jetzt Geld«, sagt sie, »ich möchte die Spenden deshalb direkt an sie überweisen.« Sie fragt in ihrem Freundeskreis in Deutschland. Einige Freunde haben auch schon zugesagt, dass sie etwas geben möchten. Darüber ist sie sehr froh.

Trotzdem bleibt die Ungewissheit, was in den nächsten Tagen noch passieren wird und wie es in Nepal weitergeht. Noch weiß niemand, wie hoch die Zahl der Opfer wirklich ist. Auch für Rashmi ist es eine Zeit des Mitleidens, was manchmal in ganz alltäglichen Situationen zum Ausdruck kommt: »Normalerweise koche ich gern. Aber momentan kann ich es einfach nicht.« Denn schließlich hätten die Leute vor Ort auch nichts zu essen.

Über Max Zeising

Erstellt: 01.05. 2015 | Bearbeitet: 11.10. 2015 14:28