Jun 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 60 0

Live Fast Rock Hard Come Naked

Der Rockpool e. V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung junger Musikgruppen. Dieses Jahr feiert er sein zehnjähriges Jubiläum. Wie die Organisation hinter den Kulissen abläuft, welchen aktuellen Herausforderungen man sich stellen muss und warum ein Bier mehr am Abend lebensrettend sein kann.

Der Rockpool bei Nacht, Foto: Katja Elena Karras

Der Rockpool bei Nacht, Foto: Katja Elena Karras

»Ich bin seit Ende 2010 dabei. Der Rockpool als solches existiert schon länger, damals allerdings nur als Proberaum in Kröllwitz. 2005 hat sich das damalige Team dann entschlossen, daraus einen Verein mit so einer Konzeption zu gründen. Man ist aus dem alten Proberaum ausgezogen und hat als neuen Standort die Räumlichkeiten hier in der Grenzstraße 19 gefunden. Die ganze Technik hat der Pool über Spenden erhalten, zum Teil aus der Oper Halle. Damit haben sie eine Basis geschaffen, auf der wir heute einfach noch weiter arbeiten können.« erklärt Peter Krische.


Er bildet mit zwei weiteren Personen den Vorstand des Vereins und ist eines der aktuell 35 Mitglieder, die den Rockpool zu dem machen, was er ist. In den frühen Anfängen bestand das Team aus gerade mal sechs bis zehn Leuten, was vieles erschwerte. Der Planungsaufwand allein für ein Konzert, zu dem viele Dinge gehören wie die Öffentlichkeitsarbeit, die generelle Organisation des Abends (wer macht was), das Einkaufen für die Bar, die Wartung der Technik und reichlich anderes, war irgendwann nicht mehr zu bewältigen und so schlief das ganze Projekt ein wenig ein.

rockpool-logo

Motto und Logo des Rockpools; Fotos: Katja Elena Karras

»Ende 2010 fing es dann wieder an. Es kamen neue Leute ins Team, langsam aber stetig wurden es mehr. Seit ungefähr zwei Jahren, also seit dem letzten großen Only Rock Open Air, als ›Pothead‹ Headliner waren, haben wir einen unheimlich großen Zulauf an Mitgliedern. Es ist ein ganz schöner Unterschied von ehemals 10 zu 35 Leuten und eine große Entlastung. Die Aufgabenverteilung funktioniert jetzt optimal, was einen sicheren Ablauf gewährleistet.«

The band was great, but the crew was awesome

Zu Beginn hat man einzelne Bands noch angeschrieben, ob sie im Rockpool spielen wollen. Über die Jahre hat man sich dann, auch international, einen sehr guten Ruf erarbeitet. Das resultiert darin, dass der Verein heute 50 bis 60 Auftrittsanfragen pro Tag im E-Mail-Postfach zu verzeichnen hat.

»Wir sind dazu übergangen, im Team zu planen, als sogenannte Taskforce. Wir machen das Ganze quartalsweise, da es so einfacher für uns ist. Diese ganze Planung kann in zwei Tagen fertig sein, manchmal muss man sich nochmal ransetzen, sollte eine Band aus irgendwelchen Gründen absagen. Das kommt allerdings sehr selten vor. Durch die vielen Anfragen haben wir natürlich ein großes Konglomerat, aus dem wir wählen und entscheiden können. Wir sind dabei darauf bedacht, vor allem lokale Bands anzubieten. Nun ist das aber relativ schwierig, du kannst nicht alle Vierteljahre dieselben Bands spielen lassen, dann kommt keine Sau mehr.«

Trotzdem ist die Fülle an lokalen Bands sehr groß. Da man genremäßig unabhängig ist, ist die Gefahr von Dopplungen sehr gering. Seit eineinhalb Jahren schaut man auch mehr nach Leipzig.
»Von Leipzig bis hierher ist es jetzt nicht so weit. Was dann auch immer noch ganz gut kommt, ist natürlich, wenn wir externe Leute rein holen. Also solche Veranstaltungen wie das Full Metal Assault aus Merseburg.«

Damien Quintard, Leadsänger und Bassist von Dot Legacy, Foto: Katja Elena Karras

Damien Quintard, Leadsänger und Bassist von Dot Legacy, Foto: Katja Elena Karras

Dazu kommen lokale Reihen, wie die Groov’N’Dead Night, die von Yellin‘ Boots It organisiert wird oder auch verschiedene Projekte von den Cheesecake-Leuten.

Einmal im Quartal werden auch größere Bands gebucht, auch aus dem Ausland. Zuletzt waren das Dot Legacy aus Frankreich (April 2015) und Dead City Ruins aus Australien (Mai 2015). Es sind meistens Bands, die gerade auf einer längeren Tour sind und einen Tag »off« haben, aber trotzdem spielen wollen.

Dabei wird immer der unmittelbare Kontakt gesucht, also vom lokalen Konzertveranstalter (Rockpool) direkt zu den Musikern. Anfragen von großen und kleinen Bookingagenturen sind zwar gut gemeint, allerdings gehe dabei die Gemeinnützigkeit verloren, da zwischen Band und Veranstalter immer noch jemand dazwischen hängt, der auch bezahlt werden will. Natürlich machen solche Agenturen auch Sinn; man müsste sich als Konzertveranstalter um nichts kümmern, nur die Location stellen – aber einfach nur »anwesend« zu sein, darum geht es dem Rockpool nicht.

Am Konzertabend selbst werden die Bands, egal ob lokal oder international, immer bestmöglich betreut. Man möchte Qualität und eine professionelle Show bieten. So wird im großen Backstage-Bereich hinter der Bühne immer Essen und Getränke für die Musiker bereitgestellt. Vor dem Auftritt gibt es einen umfassenden Soundcheck. Das Gleiche gilt für die Lichteinstellungen, welche man mit dem technischen Team des Pools absprechen kann. Es herrschen also optimale Bedingungen für ein gutes Konzert. Zudem ist man für Projekte aller Art offen. Im März 2014 drehten Moon to Ocean hier ihre ersten Musikvideos.

»Genau dafür wollen wir da sein, um so etwas möglich zu machen. Das ist unsere Arbeit.«

Bauverordnung 155

Das Jahr 2015 begann unerwartet holprig. Geplante Veranstaltungen, unter anderem der hauseigene Bandcontest, wurden plötzlich abgesagt. Gerüchte machten die Runde: Der Rockpool müsse schließen oder in den Volkspark umziehen. So dramatisch das im ersten Moment klang, so typisch deutsch sieht die Realität aus:
»Am Anfang war es für uns auch ein wenig undurchsichtig, weil wir ja nicht wussten, was jetzt eigentlich Phase ist. Wir haben nur einen Brief bekommen, in dem drinstand, dass laut Bauverordnung 155 das Gelände nicht für öffentliche Kulturveranstaltungen ausgelegt ist. Wir mussten dann erst mal mit den entsprechenden Ämtern reden, vorrangig mit dem hallischen Bauamt.«

Rockpool-innen-katjaelenakarras

Oben: Die Bühne mit Musikern beim Soundcheck; Unten: Die Bar; Fotos: Katja Elena Karras

Fest steht, dass man nicht umzieht und schon gar nicht schließen wird. Alles läuft in geordneten Bahnen. Man habe vom Bauamt entsprechende Anträge bekommen, sogenannte Bauvorlagen. Diese wurden an einen Bauingenieur weitergeleitet, der sie bearbeitet hat und die nun wieder dem Amt vorliegen. Die Kooperation von beiden Seiten ist da.

»Heißblütig irgendwo dagegen zu schießen, wäre absolut kontraproduktiv. Trotzdem, wir haben uns über die große Anteilnahme gefreut. Dass sich so viele Leute einen Kopf über uns machen, zeigt ja nur, dass das, was wir tun, auch ankommt und angenommen wird.«

Ein Bier mehr am Abend

Vorläufig konnte man sich darauf einigen, eine Veranstaltung pro Monat auszurichten. Allerdings ist so im Moment kein wöchentliches Angebot mehr möglich, welches man aber braucht, um den Verein langfristig betreiben zu können. Das stellt vor allem eine finanzielle Herausforderung dar.

»Wir müssen schauen, dass zu den Veranstaltungen, die wir machen, die Hütte voll ist. Das heißt, dass wir mindestens 80 Leute pro Abend brauchen, bei fünf Euro Eintritt.«

Trotz derzeitiger Lage wolle man den Preis nicht erhöhen, nicht einmal um einen Euro. Einen Fünfer habe jeder in der Tasche, selbst der Student mit wenig BAföG. Alles, was an der Eintrittskasse eingenommen wird, geht direkt an die Bands. Die Spenden, das Geld, das an den Rockpool geht, wird ausschließlich in Form von Getränken eingenommen. Davon wird alles finanziert: die Instandhaltung der Technik, der Einkauf für die Bar, anfallende Reparaturen, Druckkosten für Flyer und Plakate und alles Weitere.

Auch hier sieht man für eine Erhöhung keinen Grund.

»Wir haben uns an den üblichen Preisen orientiert. Klar, es wird überall teurer, aber wir haben auch keine Lust, ständig die Tafel zu ändern. Zumal wir sowieso keine Kreide haben. Also lieber mal ein Bier mehr am Abend trinken und die Hoffnung haben, dass es hier weitergeht.«

Summer of Rock

Die Zukunft aber sieht gut aus. Auch wenn es schwer abzuschätzen sei, hoffe man im Sommer, spätestens im Herbst, wieder den normalen Spielbetrieb aufnehmen zu können. Da durch die Renovierung des Peißnitzhauses auch das Only Rock erst einmal wegfällt, wird es auch keine Sommerpause geben.

Dead City Ruins, Foto: Katja Elena Karras

Dead City Ruins, Foto: Katja Elena Karras

Zumal man aktuell einen ausreichend großen Abstand zwischen den einzelnen Veranstaltungen hat. Bereits letztes Jahr hat man mit einem Konzert mitten im August gute Erfahrungen gemacht. Jetzt wolle man versuchen, dieses Event größer aufzuziehen, auch mit Blick aufs Jubiläum. »Was genau passieren wird, verraten wir aber noch nicht.«

Generell aber merkt man vor allem eines im Rockpool: der große Zusammenhalt der Mitglieder und die Nähe zum Publikum, was sich in der ausgelassenen Stimmung bei jeder Veranstaltung niederschlägt. Ein Großteil der Besucher begrüßt die Mitglieder per Handschlag vor jedem Konzert. Man kennt sich gut und feiert zusammen, was man gemeinsam geschaffen hat.

»Wir haben alle viel Mühe und Arbeit investiert. Da hängt Herzblut an der ganzen Sache, und dann versuchen wir natürlich alles, dass es auch weitergeht. In der jetzigen Situation musst du natürlich auch entsprechende Dinge weitergeben. Umso mehr wir unsere Vereinsmitglieder miteinbeziehen in dieser Situation und zeigen, dass wir alle gemeinsam einen langen Atem haben müssen, schweißt uns das als Team auch noch mal ein Stück weit mehr zusammen.«

Offizielle Seite des Rockpools: www.rockpool-ev.de/

Facebookseite des Rockpools: Rocko Pool

Über Katja Karras

Redakteurin, Layouterin, Illustratorin, Photographin bei der hastuzeit.

Erstellt: 08.06. 2015 | Bearbeitet: 08.06. 2015 21:00