Aug 2015 hastuUNI Heft Nr. 61 Rubrik 0

Laut, lauter, Verschwörungstheorie

Warum die Sanierungen am Audimax und der Schulstraße mir den Pulitzer-Preis einbringen werden.

Aufimax_Katja Elena Karras

Foto: Katja Karras

Wer Vorlesungen am Hauptcampus hat, dem werden die Baumaßnahmen am Audimax wohl nicht entgangen sein. Schlappe 120 000 Euro werden dazu benötigt, um meinen Kommilitonen, meinem Prof und mir die Nerven zu rauben. Ich will mich nicht beschweren. Es ist schön, dass das Geld (zumindest teilweise) an den richtigen Stellen ausgegeben wird und man darauf achtet, dass den Studenten nicht die Decke des Audimax auf den Kopf fällt – denn das schafft das Studium oft schon von allein. Jedoch stellt sich mir die Frage, wieso gerade zu den Hauptzeiten der Vorlesungen Bauarbeiter tausende Löcher in die Betonwand bohren, sodass man weder den Prof hören, geschweige denn einen klaren Gedanken fassen kann. Da kommt mir nur eine logische Erklärung in den Sinn: Sparmaßnahmen!

Jetzt fragt Ihr Euch sicher: »Sparmaßnahmen? Was soll das denn? Es wird doch endlich mal Geld zur Verfügung gestellt!« Dies ist aber weit gefehlt, denn ich bin der Ansicht, dass die kommenden Baumaßnahmen verdeckte Sparmaßnahmen der Stadt Halle (Saale) an der Uni sind. Der ewig währende Krach, Bauarbeiter, die sich im schönsten Ostdeutsch quer über das Gerüst zubrüllen (»Maaaariiiiooooooh, gug ma«, die studiorn hior!«), und das alles während der Vorlesung. Das kann übersetzt nur eines bedeuten: Ihr kostet Geld, und wir wollen euch hier nicht! Je lauter, ablenkender und durchtriebener dieser verdeckte Plan ist, desto besser. Denn wer würde schon darauf kommen, dass das alles kein Zufall ist? Ich!

Illustration: Katja Karras

Illustration: Katja Karras

Wenn es laut ist, kann keiner etwas lernen, die Profs werden wütend und schmeißen ihren Job hin. Wenn nicht, dann stellen sie zumindest wutentbrannt schwierige Klausurfragen, und was heißt das für uns Studenten? Wir verstehen weder den Prof noch die Klausurfragen und fallen eiskalt durch die Prüfungen. Das mag alles nicht so wild sein, wenn wir im ersten Versuch sind, aber es reicht doch, um uns wütend zu machen und eventuell daran zu denken, alles hinzuwerfen und doch lieber arbeiten zu gehen. Sollte dies aber unser dritter Versuch sein, so werden wir kurzum exmatrikuliert, und Phase 1 der Sparmaßnahmen wurde erfolgreich abgeschlossen. Die Stadt Halle ist jedoch äußerst gewieft und hat sich bei diesem korrupten Plan selbst übertroffen.

Denn nach den Sanierungsmaßnahmen am Audimax ist natürlich nicht Schluss, denn das wird nur einige wenige Studenten treffen, welche zu dieser Zeit in den besagten Räumen Vorlesungen hatten. Das reicht allerdings bei weitem nicht, um genug Geld zu sparen. Nein, man muss perfider denken, und somit kommen wir zur Sanierung der Schulstraße. (Für alle unter Euch, die es nicht wissen, die Schulstraße verbindet die Große Ulrichstraße mit unserer Kulturinsel an der Oper.)

Vor einigen Tage folgte ich einem Link von »Halle-Spektrum« und las Folgendes: »Es bestehe erheblicher Sanierungsbedarf, sagte Angelika Förster, Leiterin Fachbereich Bauen der Stadtverwaltung, bei einem Bürgerforum. Schon lange habe es Überlegungen zur Sanierung gegeben, jedoch hätten bislang die Mittel nicht ausgereicht. Eine Million Euro wird investiert.« Phase 2 der Sparmaßnahmen setzt dem Ganzen die Krone auf und ist noch weitaus gemeiner als Phase 1, jedoch etwas offensichtlicher. Nun gut, die Straße ist wirklich alt, die Abflüsse sind sicher nicht mehr die schönsten, das Kopfsteinpflaster nervt auch, aber verwundert es Euch nicht, dass die Baumaßnahmen im Juli beginnen? Richtig gelesen, Juli: Die Hochkonjunktur vor und während der Prüfungen lockt Scharen von Studenten ins Auditorium Maximum, um die mit Wissen gefüllten Köpfe über den Blättern der Professoren zu entleeren.

Wer bisher noch nicht gemerkt hat, welche Auswirkungen die Bauarbeiten auf uns Studenten haben, dem möchte ich ein kleines Szenario schildern: Stell Dir vor, Du sitzt in der Prüfung und *BUMM BUMM BUMM*; du willst einfach *RUMS*; einfach einen klaren *MAAAARIOOOOH, MAAARIOOO, GUG« EH MAA«, DIE SCHREIM PRÜFUUNG*, einfach nur einen klaren Gedanken fassen. Versteht Ihr nun, wo das Problem liegt?

Illustration: Katja Karras

Illustration: Katja Karras

All das gipfelt doch nur darin, uns unsere Nerven zu rauben und uns für die Prüfungen zu schwächen. Sodass wir uns, wenn alles gut läuft, nach fünf Minuten wie die Zombies aus »The Walking Dead« fühlen. Oder besser noch, unsere Klausuren so schnell abgeben, wie Charaktere in »Game of Thrones« sterben. Und solltest du kein Amazon Prime Instant Video, Netflix oder andere Streaming-Portale besuchen: Wir flüchten so schnell wie die Motten zum Licht!

Hier sitze ich nun und decke einen der größten Skandale in der Geschichte von Halle (Saale) auf: Sparmaßnahmen gedeckt als Baumaßnahmen. Wenn mir das nicht mindestens den Pulitzer-Preis einbringt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Zum Schluss bleibt natürlich nur eines zu sagen: Ich ziehe den Hut, Herr Ministerpräsident Reiner Haseloff, Sie haben mit Ihrem ausgeklügelten Plan fast einen Weg gefunden, den demonstrierenden Studierenden der MLU einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aber nicht mit mir, *MEINER*, gahrontiort nich mit mior!

Über Anna Teigky

Erstellt: 06.08. 2015 | Bearbeitet: 05.08. 2015 10:13