Jan 2015 hastuUNI Nr. 58 0

Kein Student. Studentin …

… so heißt es auf der frisch gedruckten magentafarbenen Infokarte des Studentinnennetzwerks der MLU. Von den Zielen und der Notwendigkeit eines solchen Netzwerks für Frauen und warum das Ganze mit Feminismus nur am Rande zu tun hat.

Grafik: Studentinnennetzwerk

Grafik: Studentinnennetzwerk

Frauenquote, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau, sexuelle Belästigung an der Uni: alles mediale Dauerbrenner der letzten Monate. Diese und weitere Themen sind Bestandteil der lebhaften Unterhaltungen am großen Tisch im vierten Stock des Musikinstituts. Auch wenn augenzwinkernd bemerkt wird, dass die Mitglieder des Studentinnennetzwerks an diesem Freitag knapp zwei Wochen vor Weihnachten in erster Linie zusammengekommen sind, um den Abend in gemütlicher Runde bei Glühwein und Lebkuchen zu begehen. Früher am Tag hat das Netzwerk einen Workshop zum Thema »Gezielt Netzwerken und Karriereplanung« durchgeführt, natürlich werden auch einige Inhalte und Ideen der vergangenen Stunden besprochen.

Maike Lechler ist Masterstudentin der Musikwissenschaften und hat im Februar 2014 die Frauenstammtische ins Leben gerufen. Aus diesen ist im Juni 2014 das Studentinnennetzwerk entstanden. »Wir als Frauen müssen aktiv sein, uns Kontakte suchen und diese klug nutzen«, so Maike. Ganz neu ist die Idee an der MLU nicht. So gab es an unserer Uni zu Beginn des letzten Jahrhunderts bereits einen Studentinnenverein. 1909 gegründet, engagierten sich dort nach wenigen Jahren mehr als 100 weibliche Studierende, die regelmäßige Stammtische und Vorträge organisierten.

Rechtzeitig Fragen stellen

Wie plane ich meine Karriere? An wen wende ich mich, wenn ich konkrete Fragen zur Berufstätigkeit von Frauen habe? Welche Punkte muss ich als Frau besonders beachten? Vielen jungen Frauen sei nicht bewusst, wie wichtig es sei, sich rechtzeitig mit Fragen wie diesen auseinanderzusetzen. Oft bietet auch der eigene Freundeskreis allein nicht die Gelegenheit dazu, so Maike.

Grafik: Studentinnennetzwerk

Grafik: Studentinnennetzwerk

Hier setzt das Studentinnennetzwerk an. Doch was tut es genau? Im Grunde ganz einfach: Wie der Name bereits sagt, unterstützt es Studentinnen, sich zu vernetzen. Sich also auszutauschen, über die vielen Fragen, die speziell für Frauen bei der Karriereplanung entstehen. Dabei sind die Mitglieder keineswegs verbissene Karrieristinnen, sondern intelligente Frauen, die sich schon jetzt Gedanken über ihre universitäre Gegenwart und beruf liche Zukunft machen. Sie beraten einander, tauschen Erfahrungen sowie Erlebnisse aus und vermitteln nützliche Kontakte.

Die Frage, inwiefern die Mitglieder sich als feministisch bezeichnen würden, wird ganz sachlich beantwortet: Jede hat dazu ihre eigene Position. Viel mehr aber geht es um Lösungen für ganz praktische Probleme, mit denen nahezu jede Frau während ihres Studiums sowie danach konfrontiert werden wird. Für die Netzwerkerinnen ist es beispielsweise selbstverständlich, dass eine Frau für dieselbe Arbeit auch denselben Lohn verdient wie ihr männlicher Kollege. Dies ist aber deutschlandweit noch lange nicht der Fall. Laut Maike hätten die meisten Frauen keine wirkliche Vorstellung von Gehalt, weil es sie nicht so sehr interessiere. Daher sei es sehr wichtig, sich vor dem Start ins Berufsleben ausreichend zu informieren. Ebenso sollten Frauen Netzwerken als eine Chance sehen, die eigenen Karrieremöglichkeiten zu erweitern, so wie sich dies in der Männerwelt bereits fest etabliert hat.

Innerhalb des Netzwerks besteht keine wirkliche Hierarchie, stattdessen gibt es ein Orga-Team bestehend aus fünf Mitgliedern, die sich unter anderem um die Planung von Veranstaltungen, den E-Mail-Verteiler und die Betreuung des Facebook-Accounts kümmern. Bei den verschiedenen Veranstaltungen werden aber alle Mitglieder tätig und übernehmen anstehende Aufgaben.

Nicht nur Karriere

Juliane studiert Physik, schreibt gerade an ihrer Masterarbeit und ist seit Kurzem dabei. Sie schätzt am Netzwerk die Möglichkeit, sich mit weiteren reflektierten jungen Frauen in ungezwungener Runde austauschen zu können. Dabei geht es auch nicht immer und ausschließlich um Fragen, die die spätere Karriere betreffen.

Ein neues Projekt des Netzwerkes sind die sogenannten Erfolgsteams, die von Mitglied Sophie koordiniert werden. Hier treffen sich eine Handvoll Studentinnen mit einem gemeinsamen Anliegen in regelmäßigen Abständen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Erfolgsteam soll demnächst aus Studentinnen gebildet werden, die gerade ihre Masterarbeit schreiben, um offen Fragen zu klären, den Zwischenstand der Arbeit zu besprechen und sich gegenseitig zu motivieren. Interessierte können sich gern jederzeit beim Netzwerk informieren.

Weitere Veranstaltungen sind der Frauenstammtisch, welcher mindestens einmal im Monat stattfindet, in der Regel alle drei Wochen. Etwas neuer ist der Stammtisch mit Gast, also berufstätigen Frauen, die ihre eigenen Erfahrungen teilen und so auch selbst einen Einblick in die jüngere Generation erhalten. Zudem organisiert das Netzwerk Workshops, gemeinsame Ausflüge wie im Januar der Besuch der Leipziger Ausstellung »Schamlos? Sexualmoral im Wandel« sowie eine historische Stadttour, die bereits zu Beginn dieses Semesters großen Anklang bei den Erstsemesterinnen fand und die Spuren von Studentinnen in der Stadt aufdeckt. Dazu sind Besuche anderer ähnlicher Netzwerke auch über die Grenzen von Halle hinaus geplant. Die Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen, und das Studentinnennetzwerk freut sich stets über neue Gesichter.

Terminkalender des Studentinnennetzwerks 2015

  • Di, 3.2.2015, Studentinnen-Stammtisch mit Gast, Kaffeeschuppen (Kleine Ulrichstraße 11); vermutlich 19.30 Uhr
  • Sa, 25.4.2015, Historische Stadttour, 14.00 Uhr Touri-Info auf Marktplatz

Kontaktdaten

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

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Erstellt: 31.01. 2015 | Bearbeitet: 31.01. 2015 00:09