Jun 2015 hastuUNI 0

Jusos verlieren

Die SozialdemokratInnen büßen bei der Hochschulwahl ihren Senatsplatz und wichtige Sitze im Studierenden- und Fachschaftsrat ein.

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

Es ist nicht einfach, klare Tendenzen bei Hochschulwahl-Ergebnissen auszumachen. Zu viele unterschiedliche Wahlzettel gibt es, zu viele verschiedene Posten werden besetzt, als dass SiegerInnen und VerliererInnen eindeutig festzustellen wären. Eines aber ist nach der diesjährigen Hochschulwahl an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sicher: Die Juso-Hochschulgruppe wird sich mitnichten als Gewinnerin fühlen.

Die SozialdemokratInnen mussten eine herbe Schlappe hinnehmen. Sie büßten ihren Senatsplatz und alle drei Sitze im Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I ein. Bei der Wahl des Studierendenrates erlangten sie vier Sitze, zwei weniger als im vergangenen Jahr. »Wir haben einen sehr linken Wahlkampf geführt. Das hat vermutlich einige WählerInnen abgeschreckt«, vermutete Lukas Wanke.

Als Wahlsiegerin ging hingegen die Offene Linke Liste hervor. Sie schnappte sich einen Senatsplatz, gewann im Studierendenrat insgesamt acht Sitze und baute ihre absolute Mehrheit im Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I – ihrem Hoheitsgebiet – noch aus. Statt wie bisher acht hat sie nun elf Sitze in diesem FSR. »Unser Wahlkampf, der Inhalte statt Personen in den Vordergrund stellte, hat sich ausgezahlt«, freute sich Mirjam Sorge.

Mit Abstand stärkste Kraft blieb bei der Senatswahl die Grüne Hochschulgruppe. Allerdings verloren die Grünen einen von zwei Sitzen. Im Studierendenrat gewannen sie hingegen einen Platz hinzu und erreichten insgesamt drei Plätze. Johannes Gallon, der die GHG erneut im Senat vertreten wird, war sehr zufrieden mit dem Ergebnis: »Bei der Senatswahl haben fast alle Hochschulgruppen zugelegt, auch wir haben an absoluten Stimmen gewonnen. Leider hat es prozentual nicht für den zweiten Sitz gereicht.«

Gespannt durfte man auf die Ergebnisse der neu gegründeten Hochschulgruppe »D.C. Universe – Diversity changes University« warten. Diese setzt sich aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen zusammen und fokussiert sich – ohne konkrete parteipolitische Ausrichtung – auf die Verbesserung der Studienbedingungen. Ihr Ziel war die Eroberung eines Senatssitzes – dieses Vorhaben wurde erreicht.

»Wir sind ein wenig stolz darauf, mit so wenig Mitteln offenbar viele Studierende erreicht zu haben und den aktuell etablierten Hochschulgruppen ein wenig entgegensetzen konnten«, freute sich Raik Fischer. Seiner Meinung nach habe auch die fehlende parteipolitische Ausrichtung der Hochschulgruppe zum Erfolg beigetragen: »Das so gute Ergebnis hat durchaus gezeigt, dass viele Wähler genug von den parteipolitisch geprägten Hochschulgruppen haben, die vor allem Wahlkampf zum Teil mit persönlichen Beleidigungen gegenüber den jeweils anderen aufgetreten sind.«

Der letzte Senatssitz ging erneut an den RCDS. Deren Vorsitzende Laura Lütt konnte sich mit dem Ergebnis der ChristdemokratInnen gut abfinden: »Wir haben in den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften und Jura zugelegt. In der Philosophischen Fakultät I haben wir verloren, doch da haben wir es immer schwer. Insbesondere über die Tatsache, dass wir wieder einen Senatssitz errungen haben, sind wir sehr glücklich.«

Auch bei der Wahlbeteiligung gab es nur unwesentliche Veränderungen. Nach 19,83 Prozent im vergangenen Jahr gab es einen leichten Rückgang zu verzeichnen – 19,09 Prozent der wahlberechtigten Studierenden schleppten sich zu den Urnen. Ganz besonders erfreulich war die Entwicklung der Wahlbeteiligung hingegen im Studienkolleg. Gaben letztes Jahr nur 0,45 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme bei der Wahl des Studierendenrates ab, waren es diesmal satte 50,82 Prozent.

Über Max Zeising

Erstellt: 03.06. 2015 | Bearbeitet: 25.11. 2015 10:49