Okt 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 62 Rubrik 0

I«m working on sunshine

Wenn das BAföG-Amt streikt, die Eltern einen nicht finanziell unterstützen können oder man sich einfach nur etwas dazuverdienen möchte, dann muss schnellstmöglich ein Nebenjob her. Dabei kann man neben Geld auch noch Erfahrungen sammeln, nicht nur für sein Studium, sondern auch fürs Leben.

Laut der »20. Sozialerhebung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2012« gehen 47 % aller Studierenden in Halle an der Saale einer Erwerbstätigkeit im Erststudium nach. Damit landen sie im Gesamtvergleich zwar auf den hinteren Plätzen (Rang 1. belegt Augsburg mit 78 %), jedoch zeigt diese Zahl, dass der Bedarf an Nebenjobs in der heimlichen Hauptstadt Sachsen-Anhalts groß ist. Genauso groß ist die Vielfalt der Jobs, denen man hier nachgehen kann. Sie reicht vom klassischen Pizzafahrer bis hin zum Assistenten einer Statistikfirma, der in der Nacht Fledermäuse umsiedelt.

Die Grundlagen

Die wichtigste aller Regeln ist: Das Studium steht an erster Stelle. Somit ist Euer Hauptberuf »Student«, und der Job ist nebenberuflich auszuführen. Das kommt nicht nur Eurem Studium zugute, sondern ist rechtlich wichtig: Solange es sich um eine Nebentätigkeit handelt, seid Ihr von der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit und habt einen reinen Nettoverdienst. Für die genaue Regelung der Rentenversicherungsabgaben fragt bei Eurem Arbeitgeber nach, da diese von Job zu Job variieren kann. Wenn Ihr eine Tätigkeit ausführen wollt, könnt Ihr das auf unterschiedliche Weise tun:

Illustration: Katja Karras

Illustration: Katja Karras

Die geläufigste Form ist die der geringfügigen Beschäftigung, die auf 400- oder 450-Euro-Basis angelegt ist. Das Arbeitsverhältnis entspricht dem einer Dauerbeschäftigung. Hier kommt es darauf an, wie viel Ihr arbeitet. In vielen Nebenjobs könnt Ihr bis zu 450 Euro verdienen, müsst aber nicht. Gerade bei Tätigkeiten mit Schichtplänen und vielen Mitarbeitern wie zum Beispiel in einem Café als Kellner, Pizzafahrer oder Barkeeper ist das der Fall.

Bei einem Verdienst über 450 und unter 850 Euro werden auf jeden Fall (reduzierte) Beiträge zur Rentenversicherung fällig. Egal wie viel Ihr verdient, in der Vorlesungszeit gilt, dass Ihr nicht mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten dürft, sonst geltet Ihr versicherungsrechtlich nicht mehr als Student, sondern als Arbeitnehmer – dann zahlt Ihr ganz normale Sozialabgaben; auch die Krankenversicherung über die Eltern bis zum 25. Lebensjahr (Familienversicherung) greift in diesem Fall nicht mehr.

Die 20-Stunden-Regel gilt nicht für Ferienjobs in der vorlesungsfreien Zeit oder Tätigkeiten, die nicht mehr als 3 Monate bzw. 70 Tage im Jahr dauern. Ausnahmen gibt es auch für Nacht- und Wochenendarbeiten. In diesen Fällen dürft Ihr deutlich mehr als 450 Euro verdienen und müsst weiterhin keine der oben genannten Versicherungsbeiträge bezahlen.

Die zuvor schon mehrmals angesprochene Verdienstgrenze ist vor allem für die Steuerfreiheit und für das BAföG-Amt relevant. Für Studenten, die kein BAföG beziehen, ist der Grundfreibetrag auf das zu versteuernde Einkommen relevant. Dieser liegt für jeden bei 8472 Euro im Jahr 2015. Solltet Ihr BAföG bekommen, liegt der Freibetrag bei 400 Euro im Monat. Ein nicht ganz ausgereizter 450-Euro-Job wäre hier die beste Lösung für Euch, sonst können Kürzungen folgen.

Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Wem es passieren sollte, einmal über die 400-Euro-Grenze zu verdienen, muss nicht mit dem Finanzamt oder guten Stern-Journalisten rechnen. Das könnt Ihr einfach dadurch ausgleichen, dass Ihr im Folgemonat etwas weniger arbeitet und somit weniger verdient. Wichtig ist, dass Euer Einkommen über den gesamten Zeitraum der BAföG-Bewilligung unter dem Freibetrag liegt. Für 12 Monate liegt die Grenze also bei 4800 Euro. .

So gering die Beschäftigung auch sein mag, Ihr schließt immer einen Arbeitsvertrag ab. In diesem ist unter anderem der Arbeitsschutz, Kündigungsschutz und -regelungen sowie der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 €/h festgehalten. Besonders wichtig: Mag der Arbeitgeber noch so freundlich sein, lasst Euch alles schriftlich geben, was das Arbeitsverhältnis betrifft. Auf etwas anderes solltet Ihr Euch nie einlassen. Wenn es zu Komplikationen kommen sollte, kann man sich immer darauf berufen, was beide Parteien unterschrieben haben.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Unterlagen: Da Ihr Student und Geringverdiener seid, braucht Ihr für Euer Arbeitsverhältnis in der Regel zwei Sachen: Eure Rentenversicherungsnummer und die Steueridentifikationsnummer. Erstere könnt Ihr Euren Versicherungsunterlagen entnehmen. Die Steuernummer bekommt Ihr entweder unter http://www.bzst.de/ (wobei die Wartezeit dort 3 bis 4 Wochen beträgt), oder Ihr geht dafür einfach ins Rathaus auf dem Marktplatz zum Bürgerservice.

Ja, wo und wie finde ich jetzt einen Job?

Jobs auf 450-Euro-Basis sind in Halle zahlreich und gut zu finden. Wichtig ist: Ihr müsst selbst aktiv suchen. Genauso wie das Studium müsst Ihr Euch auch selbst organisieren.

Ort: Universität

In der Uni gibt es in jedem Institut schwarze Bretter mit allen möglichen Stellenanzeigen. Besonders beliebt an der MLU ist der Aushang im Löwengebäude und im Mel.

Ort: Schaufenster

Viele Läden, gerade im Gastronomiebereich, hängen gut sichtbar an ihre Fensterscheiben Ausschreibungen. Deshalb reicht es manchmal

Illustration: Katja Karras

Illustration: Katja Karras

schon, durch die Stadt zu laufen und die Augen offen zu halten. Solltet Ihr bei Eurem Rundgang etwas finden, geht am besten gleich in den Laden und fragt nach Details.

Ort: Internet

Sowohl extern als auch innerhalb der MLU gibt es Seiten, die Euch bei der Jobsuche weiterhelfen.

Das Stud.IP hat dafür das weiße Brett, wo regelmäßig neue Ausschreibungen zu finden sind.

Der Stura bietet eine Studentenjobvermittlung. Er unterstützt den Mindestlohn von 8,50€/h und bietet Euch daher nur Jobs auf dieser Verdienstbasis an. Weitere Infos unter: http://www.stura.uni-halle.de/service/jobvermittlung/

Im Career-Center der Uni findet Ihr ebenfalls regelmäßig neue Ausschreibungen, die auch weiter außerhalb Halles liegen können. Es gibt dort auch Anzeigen für uni-interne Jobs als studentische Hilfskraft: http://www.top4job.career-uni-halle.de/

Unabhängig von den oben genannten Möglichkeiten ist die Mundpropaganda immer noch die beste Quelle für einen Job. Mit Jobs ist es das gleiche wie mit Beziehungen: Die besten bekommt man nur über Vitamin B, sprich: über Freunde und Kommilitonen. Eine japanische Weisheit unter Studenten besagt sogar: Du bist nur so stark wie deine Kontakte.

Was gibt es für Jobs?

Die Auswahl ist (fast) grenzenlos. Oft müsst Ihr aber schnell sein oder Euch einfach als erstes trauen. Bei vielen Ausschreibungen, wo mehr als nur ein Handschlag und freundliches Auftreten verlangt wird, schrecken viele Studenten zurück. Deshalb gilt: Auch wenn Ihr nicht alle Anforderungen erfüllt, fragt nach und bewerbt Euch trotzdem. Mehr als nein sagen können die Menschen nicht, weder auf privater noch auf beruflicher Ebene.

Gastronomiebereich

Zum Beispiel: Kellner (Café oder Restaurant), Lieferant, Küchenaushilfe, Barkeeper, Servicekraft allgemein

Diese Jobs sind meist geringfügige Beschäftigungen auf 450-Euro-Basis mit flexiblen Arbeitszeiten. Für einige diese Tätigkeiten braucht Ihr ein Gesundheitszeugnis. Dieses könnt Ihr nach Terminabsprache im Rathaus erwerben.

Johannes, Geographiestudent, arbeitet als Küchenaushilfe in einem Sushirestaurant. »Ich arbeite an drei Tagen in der Woche oder je nachdem, wie ich gebraucht werde. Es gibt sowohl Früh- als auch Spätschichten, die dann bis Ladenschluss gehen. Jede Schicht dauert circa 4 bis 6 Stunden, je nachdem, wie viel los ist. Der Job lässt sich gut in mein Studium integrieren, da unsere Chefin den Plan für die kommende Woche abspricht. Man muss sich aber auch darauf gefasst machen, dass die Arbeit sehr anstrengend ist und man auch am Wochenende eingesetzt wird.«

Dienstleistungsbereich

Zum Beispiel: Aushilfe im Maklerbüro, Telefonist im Call-Center, Verkäufer und/oder Kassierer (Drogerie, Buchhandlung und weitere)

Hier handelt es sich meistens um Beschäftigungen mit festen Arbeitszeiten. Diese sind etwas weniger flexibel, aber Ihr kommt im Monat definitiv auf Eure 450 Euro.

Luisa, Masterstudentin, arbeitet seit längerem in einem Call-Center: »Man darf keine Angst vor Kunden haben und muss gut kommunizieren können. Die Schichten sind mit 6 bis 7 Stunden relativ lang, dafür muss ich in der Woche aber nur zwei Mal arbeiten gehen, was sich gut mit dem Studium verträgt. Zu beachten ist, dass man auch nachts arbeiten muss, zumindest ist das bei mir so.«

Studentische Hilfskraft

Zum Beispiel: Laborassistent, Rechercheassistent, Datenbankenverwalter, interne Projekte einzelner Professoren (wissenschaftliche Hilfskraft)

Als studentische Hilfskraft werdet Ihr nach Unitarif bezahlt, der sogar über dem Mindestlohn liegt. Für Studenten im Bachelorstudium ohne Abschluss liegt dieser aktuell bei 9,05 Euro pro Stunde. Auch ist die Beschäftigung nicht durchgängig, sondern über einen bestimmten Zeitraum limitiert. Der entscheidende Vorteil aber ist: Ihr habt die Möglichkeit, den Unibetrieb  kennenzulernen, bekommt einen besseren Kontakt zu Euren Professoren, Vertiefung Eurer erworbenen Kenntnisse im Studium und könnt mit etwas Glück wissenschaftlicher Mitarbeiter werden, wenn Ihr eine universitäre Karriere anstrebt.

»Ich helfe zur Zeit einer Professorin in meinem Fach Geschichte dabei, alte Quellen für ihr Forschungsthema auszuwerten. Die Transkription habe ich bereits in einem Bachelor-Seminar gelernt und kann diese nun vertiefen, da nicht jede alte Quelle dieselbe Typographie besitzt. Die Arbeit hat mir unter anderem auch schon für Themenfindung bei einer Hausarbeit geholfen.« erzählt Hagen, der seinen Master in Geschichte und Germanistik macht.

Die eigenen Talente

Zum Beispiel: Musik, Illustration, Sprachen, Webdesign, Motivationstrainer

Ein Sprichwort besagt: Wenn du etwas kannst, vor allem wenn du etwas gut kannst, dann mach es nicht umsonst. Der Stundenlohn richtet sich hier nach Absprache mit dem Kunden und nach eigenem Ermessen. Informiert Euch daher im jeweiligen Bereich, wie viel man üblicherweise für Eure jeweiligen Dienste verlangen kann. Da die Auftragslage als »Freiberufler« sehr stark variieren kann, müsst Ihr Euch über Verdienstgrenzen weniger Sorgen machen.

Illustration: Katja Karras

Illustration: Katja Karras

Katharina, Anglistik- und Romanistikstudentin (Lehramt): »Ich gebe seit mehr als zwei Jahren privaten Französischunterricht. Meine erwachsenen Schüler habe ich durch eine glückliche Begebenheit kennen gelernt, und sie sind nicht nur interessante Menschen, sondern auch sehr motiviert. Es ist schon ein echtes Privileg. Es fühlt sich auch gar nicht wie Arbeit an, sondern macht unheimlich Spaß und bereichert mich als werdende Lehrerin. Und meine Schüler hoffentlich auch.«

 

Hilfreiche Links:
http://www.minijob-zentrale.de
http://jugend.dgb.de/studium/beratung/students-at-work
http://www.stura.uni-halle.de/
service/nebenjob-und-praktikaberatung/
https://aok-on.de/studierende/
studium-zukunft/jobben-und-sozialversicherung/

 

Über Katja Karras

Redakteurin, Layouterin, Illustratorin, Photographin bei der hastuzeit.

Erstellt: 15.10. 2015 | Bearbeitet: 10.10. 2015 23:24