Jan 2015 hastuUNI Pinnwand 0

Hochschulstrukturplanung beschlossen

Das Kabinett der Landesregierung hat heute die Hochschulstrukturplanung für die kommenden zehn Jahre bestätigt. In einer Pressemitteilung der Staatskanzlei teilte Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) mit, dass „Anregungen von Hochschulen, Kommunen, Forschungseinrichtungen und anderen Akteuren aus dem Wissenschaftsbereich» in die Planung eingeflossen seien und dass das heute beschlossene Papier den Hochschulen „Planungssicherheit» gebe.

Als Grundlagen der Hochschulstrukturplanung werden das Gutachten des Wissenschaftsrates vom Juli 2013, die „Bernburger Erklärung» des Ministerpräsidenten und der Hochschulrektoren vom November 2013 und die Haushaltsbeschlüsse des Landtags vom vergangenen Monat benannt. Das Papier verhehlt nicht, dass die vorgestellten Strukturmaßnahmen vor allem Kosten senken sollen. Die finanzielle Entlastung des Landes durch die BAföG-Reform bleibt ebenso unerwähnt wie die neugeschaffene Möglichkeit des Bundes, Studium und Lehre mitzufinanzieren.

Streichungen an der MLU

Die Medien- und Kommunikationswissenschaften bleiben vorerst erhalten. Hier scheint sich die Position der Staatskanzlei durchgesetzt zu haben. Laut einem Gutachten im Auftrag des Landes bestehe „aus medienfachlicher und landespolitischer Sicht kein Anlass» zur Schließung des Departments. Es soll aber eine Arbeitsgruppe „ohne budgetäre Vorgaben» eingerichtet werden, in der die Hochschulen, das Wissenschaftsministerium und die Staatskanzlei für die nächsten Zielvereinbarungen ab 2020 über die landesweiten Studienangebote und Forschungsschwerpunkte im Medienbereich beraten.

Sport, Psychologie, Geowissenschaften und Informatik stehen hingegen weiter auf der Kippe, soweit nicht die Lehrerbildung oder Forschungsschwerpunkte betroffen sind. Auch die künstlerische Musikausbildung am Institut für Musik wird benannt. Nach Vorstellung des Landes sollen Institute außerhalb der Schwerpunkte geschlossen werden. Einzelne Professuren bleiben erhalten und werden anderen Instituten zugeordnet. Insbesondere in den Bereichen Lehrerbildung und Kleine Fächer seien „stärkere Kooperationen der MLU … mit den Universitäten Jena und Leipzig … erforderlich». Außerdem soll der Standort Halle des Studienkollegs geschlossen werden, internationale Studieninteressierte sollen dann landesweit nur noch in Köthen auf ein Studium vorbereitet werden.

Internationalisierung

Laut Strukturplanung will die Landesregierung die Hochschulen bei ihren Maßnahmen zur Internationalisierung unterstützen. Der Erhalt des Studienkollegs in Halle gehört anscheinend nicht zu diesen Maßnahmen; das Papier nennt als Mindestanforderungen unter anderem: Auslandsaufenthalte sollen sich leichter mit der Studienplanung vereinbaren lassen, die Hochschulen sollen ausländische Professor(inn)en anwerben, verstärkt englischsprachige Studiengänge anbieten und ihre Kooperation mit internationalen Hochschulpartnern ausbauen. Internationale Studierende, Promovierende und Forschende sollen durch „Integrationsangebote», „Willkommenskultur» und „Alumniarbeit» betreut und gebunden werden.

Wirtschaftsförderung

Das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft will verstärkt „wissenschaftsnahe Wirtschaftsförderung» leisten. Es lobt besonders die Fachhochschulen für ihre angewandte Forschung „in Kooperation mit vornehmlich regionalen Partnern». Die MLU soll mit dem Kunststoffkompetenzzentrum Halle-Merseburg sowie „SiLi-nano» (Siliziumphotonik) und „HALOmem» (Membranproteine) die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft erfüllen. Für den IT-Bereich sieht das Papier hingegen die Hochschule Harz vor („Informations- und Kommunikationstechnologien und unternehmensnahe Dienstleistungen»).

Mehr befristete Stellen

Das Land möchte nach Empfehlung des Wissenschaftsrats „den Anteil der unbefristet beschäftigten wiss. Mitarbeiter/-innen auf die in Deutschland üblichen Anteile in den jeweiligen Hochschultypen» angleichen. Wissenschaftsrat und Land erhoffen sich davon mehr „Flexibilität der Hochschulen bei den notwendigen strategischen Umsteuerungsprozessen» und „positive Impulse für die Forschung».

Studienplatzabbau „gering halten»

Den „Einsparnotwendigkeiten» entsprechend werde „die Zahl der sog. finanzierten Studienplätze als rechnerische Größe sinken. Die Zahl der aktiv abzubauenden Studienplätze soll dabei so gering wie möglich gehalten werden, wird aber aufgrund der Reduzierung der Zuweisung um 7,5 Millionen Euro nicht gänzlich zu vermeiden sein.» Mit dieser Aussage geht das Wissenschaftsministerium wohl auf ein Votum des Landtags vom Juli 2013 ein, ohne es ausdrücklich zu erwähnen. Damals hatte der Landtag beschlossen: „Eine aktive Absenkung der Studierendenzahlen und der Zahl der Studienplätze wird nicht verfolgt.» In demselben Landtagsbeschluss ist auch zu lesen: „Das von der Landesregierung zu erarbeitende Hochschulentwicklungskonzept ist Grundlage für künftige Haushaltsentscheidungen.» Das Papier aus dem Wissenschaftsministerium geht hingegen den umgekehrten Weg und orientiert sich an den Haushaltsplanentwürfen 2015/16 und der mittelfristigen Finanzplanung 2017 bis 2019.

Sondersitzung des Senats

Auf Grundlage der Hochschulstrukturplanung verhandelt das Wissenschaftsministerium mit den Hochschulen um Zielvereinbarungen für die Zeit von 2015 bis 2019. Die Hochschulen haben ihrerseits Hochschulentwicklungspläne vorgelegt. Am Mittwoch, den 21. Januar 2015 trifft sich der Senat um 16.30 Uhr zu einer Sondersitzung am Von-Seckendorff-Platz 1, Raum 5.09. Dort wird Rektor Sträter die Verhandlungen zur Zielvereinbarung mit den Senatoren erörtern. Auch die gesonderte Zielvereinbarung mit der Medizinischen Fakultät steht auf der Tagesordnung. Die Sitzung ist hochschulöffentlich.

Über Konrad Dieterich

Redakteur.

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Erstellt: 20.01. 2015 | Bearbeitet: 20.01. 2015 21:25