Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Gleiche Rechte und Chancen

Was machen Gleichstellungsbeauftragte an unserer Universität? Was sind ihre Aufgaben und Ziele? Der folgende Gastbeitrag bietet einen Einblick in die Arbeit und Erfahrungen einer studentischen Gleichstellungsbeauftragten.

Gleichstellungsbeauftragte und Frauenbeauftragte gibt es an jeder deutschen Universität, ebenso wie in Stadt- und Landesverwaltungen. Sie haben die Aufgabe, die Verwirklichung der Gleichstellung von Männern und Frauen in diesen Institutionen zu unterstützen. Dazu gehört es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu thematisieren und auf die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Stellenbesetzungsverfahren zu achten.

Dr. Kathrin Hirschinger ist im Mai 2014 für zwei Jahre als hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Universität Halle gewählt worden. Jedes interessierte Mitglied der Universität kann alle zwei Jahre für dieses Amt in der eigenen Fakultät kandidieren und sich wählen lassen. Nach der Wahl sind sie die Interessenvertretung, die als Ansprechpersonen Studierenden und Beschäftigten zur Verfügung stehen. Sie sollen die Mitglieder der Hochschulen in Konfliktsituationen unter­stützen. Außerdem bringen sie gleich­stellungspolitische und -rechtliche Aspekte in den Gremiensitzungen ein und können beratend tätig werden. Bisher erreichte diese Möglichkeit nur eine Handvoll Studierender. Nächste Wahl: Mai 2016!

Igualtat_de_sexes.svg_webWarum ist es so wichtig, auch als Studentin oder Student in der universitären Gleichstellungsarbeit aktiv zu sein? Ist die Gleichstellung von Männern und Frauen für Studierende überhaupt wichtig? Ein Blick auf die Zusammensetzung der Studierenden lässt da Zweifel aufkommen, immerhin ist in den meisten Studiengängen die Mehrzahl der Studierenden weiblich. Jedoch zeigt die Perspektive in der akademischen Berufswelt deutlich, dass Professorinnen in fast allen Fächern in der Unterzahl sind. Wie kommt es dazu? Die Hürden fangen bereits bei den Besetzungsverfahren für die freien Stellen an.

Die Gleichstellungsbeauftragten sind in das Stellenbesetzungsverfahren eingebunden, sichten die Bewerbungsunterlagen und nehmen an den Auswahlgesprächen teil. So können sie Stellung dazu nehmen, ob Verfahrensvorschriften, Transparenz und Chancengleichheit gegeben ist. Es ist dabei gesetzlich vorgesehen, dass Frauen, soweit sie über die geforderte Qualifikation und Berufserfahrung verfügen, zu diesen Gesprächen einzuladen sind. Falls dies nicht der Fall ist, was des öfteren vorkommt, kann die Abteilung Personal korrigierend eingreifen, gegebenenfalls der Personalrat einer Einstellung nicht zustimmen oder die Gleichstellungsbeauftragte der Universität ein Veto gegen die Entscheidung einlegen.

Die Landesregierung hat sich dieses Jahr durch das Landesprogramm »Geschlechtergerechtes Sachsen-Anhalt« zu gleichstellungspolitischen Maßnahmen und Zielen bekannt. Die dort aufgelisteten Maßnahmen für die Universität zielen darauf, Männern und Frauen die gleichen Chancen für eine Karriere in der Wissenschaft zu ermöglichen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern sowie Frauen- und Geschlechterforschung zu fördern. Dennoch bleibt es Aufgabe der Universität, selbst Ziele zu entwickeln. So arbeitet die Universität intern an einem Gleichstellungskonzept für die MLU. Studentischen Gleichstellungsbeauftragten ist es möglich, sich bei der Entstehung und der Überarbeitung hochschuleigener Standards einzubringen.

Aufgrund dieser Konzepte werden Fördermittel für Frauen, die Interesse an einer akademischen Laufbahn haben, oder auch für Gender- und Frauenforschung zur Verfügung gestellt. Im Moment läuft eine fakultätsbezogene Projektausschreibung, mit deren Hilfe Du bis 2017 Deine Ideen mit Deiner Fakultät umsetzen kannst.

Damit diese und andere Förderungsmöglichkeiten sowie Veranstaltungen von allen Uni-Mitgliedern wahrgenommen werden, bedarf es öffentlicher Werbung. Zudem kann damit für Gleichstellungsarbeit sensibilisiert werden. So kann sich jedeR ab November 2015 in der Broschüre »Rückblickend nach vorn. Frauenstudium in Halle – damals und heute« über die Geschichte und Entwicklung der Thematik »Frau und Wissenschaft« informieren.

Ein weiteres wichtiges Thema ist, dass Studierende von geschlechtsbezogener Diskriminierung oder Belästigung betroffen sein können. Das kann beispielsweise eine unangemessene Bemerkung während einer Lehrveranstaltung, sexuelle Anspielungen oder das Verschicken pornografischer Bilder sein. Studentische Gleichstellungsbeauftragte können betroffenen Studierenden in diesen Fällen als Kontaktpersonen dienen und sie unterstützen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) trat 2006 in Kraft, um Menschen im Arbeitsleben vor Diskriminierung zu schützen beziehungsweise ihnen nach einer erlebten Diskriminierung rechtliche Mittel gegen den Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen. Das Diskriminierungsverbot wegen des Geschlechts bestand schon seit vielen Jahren. Das AGG dehnt nun das Diskriminierungsverbot auf die Kriterien Behinderung, sexuelle Identität, Alter, ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung aus. Für die Gleichstellung von Mann und Frau ist das Gesetz wichtig, da die Verfolgung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz erfasst und das anschließende Verfahren erleichtert wird.

Auch wenn es schon vorher Fälle von Diskriminierung gab, wurde seit dem neuen Gesetz erst das Ausmaß von Diskriminierung am Arbeitsplatz bekannt. Jedes Jahr gibt es auch an der Universität Halle Fälle von Diskriminierung.

An der Martin-Luther-Universität gab es bereits seit 1998 eine Richtlinie, die gegen geschlechtsbezogene Diskriminierung und sexuelle Belästigung schützen soll. Die Umsetzung und Durchsetzung dieses Schutzes ist jedoch defizitär. Auch existiert bis heute keine Statistik, die öffentlich zeigt und erfasst, wie viele Fälle von Diskriminierung und sexueller Belästigung es an der Martin-Luther-Universität gibt. Die Schulung der AnsprechpartnerInnen reichte bisher nicht aus, um die Verfahren korrekt abzuwickeln. Es ist ein steiniger Weg mit vielen Hürden. (hastuzeit berichtete in ihrer Ausgabe von Dezember 2014.)

Balanced_scale_of_Justice.svg_webStudentische Gleichstellungsbeauftragte können sich dafür engagieren, dass jede einzelne und jeder einzelne Studierende ernst genommen wird, der sich diskriminiert oder belästigt fühlt. Schließlich ist die Lehre vor allem dann erfolgreich, wenn sich alle Beteiligten miteinander wohlfühlen und alle die gleichen Rechte und Chancen auf einen wissenschaftlichen Werdegang haben.

Bei Fragen kannst Du Dich an das Gleichstellungsbüro der Universität Halle-Wittenberg oder an die Gleichstellungsbeauftragten Deiner Fakultäten wenden, wenn Du von persönlichen Erfahrungen bei Stellenbesetzungen und AGG-Beschwerden der Gleichstellungsbeauftragten erfahren willst oder Dich selbst zur nächsten Wahl aufstellen lassen willst. Über Dein Interesse freuen wir uns!

Text: Maike Lechler

Illustrationen: gemeinfrei

Maike ist Masterstudentin der Musikwissenschaften, eine der stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten an der Philosophischen Fakultät II und Gründungsmitglied des Studentinnen-Netzwerks Halle.

Kontakt Gleichstellungsbüro: Dr. Kathrin Hirschinger, gleichstellungsbuero@uni-halle.de

Rechtsgrundlagen: http://www.gleichstellung.uni-halle.de/grundlagen_unserer_arbeit/

Projektausschreibung: http://www.prorektoratfw.uni-halle.de/aktuelles/

Über Gastbeitrag

Erstellt: 16.10. 2015 | Bearbeitet: 10.10. 2015 23:22