Aug 2015 hastuINTERESSE Heft Nr. 61 Rubrik 0

Drei…zwei…eins…JUGGER

Seit einiger Zeit erregt ein relativ moderner Sport die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Von manchen als bloßer Trendsport abgetan, von anderen als wichtiger Bestandteil der Freizeit angesehen, tritt ein Exot auf den Plan, der gar nicht mehr so fremdartig ist, wie es vielleicht den Anschein hat.

Jugger 2_Til Norge

Steht man zum ersten Mal am Spielfeldrand und schaut den begeisterten Sportlern beim Ausüben der Sportart Jugger zu, gehen einem viele Gedanken durch den Kopf, die irgendwo zwischen der Fremdartigkeit und der Frage, ob überhaupt so etwas wie Spielregeln existieren, liegen. Man ist interessiert, verwirrt oder beides, doch seinen Blick abzuwenden fällt mit jeder Minute schwerer.

Dabei ist Jugger nicht erst eine Erfindung der vergangenen Jahre. Bereits 1993 zum ersten Mal gespielt, ist der Ursprung in dem australischen Film
»Jugger, Kampf der Besten« zu suchen, allerdings ohne postapokalyptischen Hintergrund und in einer wesentlich weicheren Spielweise. Seit dem Sommersemester 2015 hält Jugger auch Einzug in den Universitätssport der MLU durch das Team »Jugglers Jugg«.

Die augenscheinliche Unordnung auf dem Spielfeld ist eine Täuschung, denn allein die erlaubten Maße des Spielfeldes an sich liegen mit 40 m Länge, 20 m Breite und einer achteckigen Form bereits einer festgeschriebenen Norm zugrunde. Ein 34 Seiten starkes Heft legt auch alle weiteren Spielregeln fest, angefangen bei den Sportgeräten, über den Spielablauf, die Regeln auf dem Spielfeld, bis hin zu den Schiedsrichtern.

Während des Spiels stehen sich zwei Mannschaften aus je acht Spielern gegenüber, von denen jeweils drei Auswechselspieler sind. Innerhalb der Teams besteht eine Art Arbeitsteilung, da einer die Rolle des Läufers übernimmt, während seine Mitspieler als Pompfer bezeichnet werden. Ein solcher Pompfer ist frei, sein Gerät zu wählen. Zur Auswahl stehen ihm dabei vier normierte Arten von Pompfen. Dies sind entweder mit Schaumstoff gepolsterte Stäbe oder eine Kette mit einer daran befestigten Schaumstoffkugel. Pro Team ist nur eine Kette erlaubt. Wahlweise kann man sich auch durch ein Schild von 60 cm schützen.

Der bereits erwähnte Läufer hat keines dieser Geräte zur Hand. Seine einzige Aufgabe ist es, sich den Jugg zu greifen, einen Ball, welcher einem Hundeschädel nachempfunden ist, und ihn durch die gegnerische Linie hindurch zu tragen, um ihn am Ende im Mal, einem aus Schaumstoff bestehenden Kegelstumpf, zu platzieren. Ist das erfolgreich geschehen, erhält das Team des Läufers einen Punkt. Dann beginnt die nächste Runde. Gewonnen hat am Ende die Mannschaft mit den meisten Punkten.

Damit es aber überhaupt zu einem solchen Erfolg kommen kann, müssen die gegnerischen Pompfer zuerst einmal ausgeschaltet werden. Das geschieht durch Antippen mit der jeweiligen Pompfe oder der Schaumstoffkugel der Kette. Der Kopf ist dabei ein Tabubereich, bei den Pompfern auch die Hände. Trotz gegenteiliger Eindrücke Außenstehender ist brutales Zuschlagen verboten, was das Verletzungsrisiko senkt und den Spaß erhält. Ein regelkonform getroffener Spieler, das schließt alle Feldspieler mit ein, wird automatisch inaktiv, was heißt, er muss sich auf den Boden knien und eine Strafzeit abwarten, bevor er wieder aktiv teilnehmen darf.

Weitere Informationen zur Sportart:+

  • www.jugger.org
  • www.jugger.de
  • www.jugglersjugg.wordpress.com

„Fainess ist elementar»

Im Gespräch mit Aaron Wilde, Trainer des Vereins „Jugglers Jugg»

Was macht Jugger überhaupt aus?

Eine große Frage, deren Beantwortung mir auch nach fünf Jahren Auseinandersetzung mit diesem Sport nicht leicht fällt. Jugger ist ein schneller Sport, in dem Entschlossenheit, Überblick und Teamspiel unerlässlich sind, um zu punkten. Aber vermutlich kann man das auch über fast jeden anderen Teamsport sagen. Es ist vielleicht einfacher darüber zu reden, was den Sport besonders macht. Besonders sind die schnellen Spielzüge und die hohe Konzentration, die von den Spielern gefordert wird. Ein Juggerspieler muss in der Lage sein, in kürzester Zeit die richtige Entscheidung zu treffen und sich beim Fechten auf die verschiedenen Sportgeräte und Spielstile einzustellen. Auch der Stellenwert der Fairness ist besonders. Fairness ist so elementar für diesen Sport, dass er ohne sie nicht funktionieren würde. Und nicht zuletzt sind es auch die Menschen, die man auf den zahlreichen Turnieren des vergleichsweise jungen Sports antrifft, die den Sport besonders machen.

Warum die Hinwendung zum Unisport?

Vom Hochschulsport versprechen wir uns eine weitere Plattform, um unseren Sport weiter zu verbreiten und unter die Menschen zu bringen. Erfolgsgeschichten vom Hochschulsport aus Jena (Team »Zonenkinder«) und Greifswald (Team »Die Leere Menge«) zeigen, dass der Sport nicht nur sehr gut von den Studierenden angenommen wurde, sondern die lokalen Juggerszenen durch den Hochschulsport auch einen großen Sprung nach vorne gemacht haben. Diese Städte können auf den Turnieren oft zwei und mehr Teams stellen.

Gab es Probleme oder nennenswerte Hindernisse bei der Anerkennung dieser Sportart von bürokratischer Seite?

Seitens des Stadtsportbundes und des Landessportbundes gab es keinerlei Probleme mit der Anerkennung, wie es sie zum Beispiel in anderen Bundesländern gab. Wir wurden mit offenen Armen empfangen. Was den Hochschulsport anging, lief es nicht ganz so einfach. Seit 2010 gab es immer wieder Versuche von unserer Seite, in den Hochschulsport hineinzukommen. Anfragen wurden zum Teil ignoriert oder pauschal abgelehnt. Dieses Jahr hat es dann geklappt.

Wie viele Mitglieder hat der Verein aktuell?

Der Verein hat derzeit 20 Mitglieder, diese sind natürlich nie alle zugleich beim Training. Im Hochschulsportkurs sieht man im Durchschnitt 14 der 30 eingeschriebenen Studierenden. Wenn sich von diesen ein paar nach dem Semester dazu entschließen, in den Verein einzutreten, würde uns das natürlich sehr freuen. Außerdem wünschen wir uns natürlich, dass der Verein wächst und dass mit mehr Mitgliedern auch das Engagement wächst, mit dem wir dann den Sport gemeinsam weiter voranbringen können.

Jugger 1_Til Norge

Fotos: Til Norge

Über Gastbeitrag

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Erstellt: 05.08. 2015 | Bearbeitet: 05.08. 2015 16:56