Apr 2015 hastuUNI Nr. 59 0

Chance vertan

Der Senat der Universität verhindert, dass man sich in Sachsen-Anhalt einmal grundsätzlich über Kürzungen streitet.

Illustration:  Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es ist ruhig geworden um die Studierendenproteste und Universitätskürzungen. Zuletzt sind eher Lehrerstreiks und Polizeiprobleme Anlass für Sachsen-Anhalts Politiker, sich in den Medien zu Wort zu melden. Das ist nicht weiter erstaunlich, wurde doch mit dem Hochschulstrukturplan ein ziemlich dünnes Dokument aufgesetzt, das die Universitäten zum Sparen aufruft. Zwar sind noch immer die alten Pläne enthalten, vor allem bei Sport-, Geowissenschaften, MuK, Informatik und Psychologie zu kürzen beziehungsweise sogar zu streichen, doch in der Formulierung liest sich vieles seichter und teils äußerst unkonkret.

Dies hat dann auch den Senat der hallischen Universität bewogen, die Unterzeichnung der Zielvereinbarung nicht abzulehnen. Trotzdem war die Diskussion in einer Sondersenatssitzung, als der Rektor über dieses Papier informierte, zeitweise hitzig. Mitarbeiter und Studierende sprachen sich vehement gegen die Unterzeichnung aus. Mehrere Millionen Euro aus dem BAföG-Etat des Bundes werden für die Länder frei und machten jede Kürzung hinfällig, so der Grundtenor. Außerdem seien die Einsparforderungen, wenn auch nun viel harmloser, immer noch vorhanden. Man müsse auch einmal klar sagen, dass nach jahrelangen Kürzungen nun Schluss zu sein habe. Mitarbeitersprecher Marquardt verwies zudem eindringlich darauf, doch bitte nicht naiv zu sein. Wenn gespart werden solle, werde dies früher oder später auch geschehen. Ein solches Dokument jetzt zu unterschreiben sei da kontraproduktiv. Auch verwies Marquardt auf ein ähnliches Muster, das kurz nach der Jahrtausendwende in der Schließung der Ingenieurwissenschaften mündete.

Erstaunlich mutete auch die stellenweise allenfalls grobe Sachkenntnis innerhalb der Professorenschaft des Senats an. Da wurden Kürzungssummen mal eben um das vierfache reduziert, was sogar Rektor Sträter zur leisen Korrektur, es ginge schon um mehr, veranlasste. Ebenso verbreitet war die Einstellung, dass man nun abzuwarten habe.

Gut möglich, dass viele Senatoren hoffen, vor den Wahlen 2016 würde das Thema nicht mehr auf die Agenda rücken. Sicherlich ist daran auch etwas Wahres, dennoch muss konstatiert werden, dass jetzt Rektor und Professoren den von den zahlreichen Protesten der Studierenden und Mitarbeitern erzeugten Druck vom Kessel nehmen. Mit Verweigerung der Unterschrift hätte durchaus eine Chance bestanden, diesen Druck aufrechtzuerhalten. Auch um endlich einmal deutlich zu machen, dass weitere Kürzungen egal an welcher Stelle nicht mehr durchführbar sind. Schon jetzt ist jede Kürzung ein Eingriff in die Lehrqualität.
Ein solches Verweigern hätte Risiken gehabt. Es hätte einen Alleingang der hallischen Universität bedeutet und die Gefahr kurzfristiger Finanzierungsengpässe geborgen. Doch es wäre ehrlicher und auch realitätsnäher gewesen. Magdeburger Sanktionen hätten Studierende erneut auf die Straße getrieben. Finanzierungsverknappung hätte immensen bürokratischen Aufwand bedeutet. Kaum vorstellbar, dass die als nicht besonders mutig bekannte Landesregierung diesen Weg gegangen wäre.

So bleibt der Beigeschmack, dass hier ein Konflikt vermieden wurde, welcher der Universitätslandschaft Sachsen-Anhalts gut getan hätte. So werden wir uns über kurz oder lang wieder mit Kürzungsplänen beschäftigen, bei denen ein Fachbereich gegen den anderen aufgewogen wird, statt eine grundsätzliche Debatte zu führen.

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 30.04. 2015 | Bearbeitet: 10.05. 2015 02:02