Jun 2015 hastuUNI Heft Nr. 60 0

Behördenwahnsinn

Ich habe ein Problem mit meinem Studium und muss zwischen mindestens zwei verschiedenen Behörden hin und her telefonieren oder hin und her rennen.

Foto: Katja Elena Karras

Foto: Katja Elena Karras

Momentan habe ich es geschafft, mein kleines Nebenfach Musikwissenschaften mit 60 Leistungspunkten in 5 Semestern abzuschließen. Für mein Hauptfach benötige ich etwas mehr Zeit. Daher bin ich davon ausgegangen, dass ich mir irgendwann aus dem Löwenportal für meine Bewerbungen den Beleg ausdrucken kann, dass ich Musikwissenschaften in 5 Semestern über die Bühne gebracht habe.

Falsch gedacht!

Zuerst habe ich festgestellt, dass obwohl alle  Module bestanden waren, im Löwenportal von einem Abschluss nichts zu lesen war. Schlimmer noch, man hatte mich einfach ins 6. Semester eingetragen. Daraufhin fing der ganze Spaß erst richtig an.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Frau vom Prüfungsamt eine Engelsgeduld mit mir hatte, denn ich wollte  anfangs folgendes von ihr: Wieso kann ich meinen Abschluss nicht einsehen? Wieso stehe ich im 6.Semester, das ist doch falsch, kann das nicht behoben werden? Ein paar Tage später bekam ich dann Bescheid, dass  alles durchgerechnet wurde und der Abschluss meines zweiten Faches einzusehen ist. »Wunderbar«, dachte ich mir, druckte wieder eine Studienbescheinigung aus, mit meiner letzten TAN-Nummer und stellte fest, wie mich die Semesterzahl 6 frech angrinste. Wieder rief ich bei der netten Frau vom Prüfungsamt an, bekam aber nur zu hören, ich müsse mich an das Immatrikulationsamt wenden.

»Super«, dachte ich, ich brauche sowieso einen neuen TAN-Block vom »Immaamt«. Nach einer kurzen Wartezeit kam ich auch dran. Ich ging also voller Hoffnung hinein und bekam dann Folgendes zuhören: »Wir können Sie nicht aus einem Fach exmatrikulieren und in dem anderen Studienfach drin lassen. Somit wird die Semesterzahl weitersteigen.« Okay, das hatte ich verstanden, widersprach dennoch: »Ich bin doch aber fertig. Außerdem bin ich bestimmt kein Einzelfall. Kann man das nicht gesetzlich ändern lassen?« Das alles hat mir nichts gebracht, außer ein freundliches »Nein« von der Mitarbeiterin. Die Hoffnung auf ein glückliches Ende war zerstört. Da hätte ich auch mit einer Wand reden können, was keinen Unterschied ergeben hätte.

Folgende Fragen quälten mich: Gibt das Musikinstitut weiterhin für mich Geld aus, obwohl ich die Räumlichkeiten und Programme nicht mehr nutze? Ich hatte herausgefunden, dass die Uni, als ich mich immatrikulieren ließ, bereits Geld kassierte. Wie sollte ich später meinem Arbeitgeber erklären, dass ich mein zweites Fach in zweieinhalb Jahren durchgezogen habe, wenn es so nicht dasteht? Vertrösten konnte mich da die nette Frau vom Prüfungsamt. Als ich aus dem »Immaamt« rausging, rief ich sie mal wieder an, erzählte ihr, dass das »Immaamt« mir nicht weitergeholfen hat und sie erklärte mir noch, wie ich dennoch nachweisen kann, dass ich nur 5 Semester brauchte: »Durch den Ausdruck Ihres Notenspiegels können Sie mit dem letzten Datum Ihrer Prüfung klarstellen, dass Sie es in nur 5 Semester geschafft haben.«

In Zukunft werde ich feststellen, ob mein Arbeitgeber das erstens nachvollziehen kann oder zweitens, ob ihn das überhaupt interessiert.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

Erstellt: 07.06. 2015 | Bearbeitet: 09.06. 2015 10:56