Okt 2015 hastuUNI Heft Nr. 62 Rubrik 0

Abenteuer Studium ?

Warum das Leben an der Universität nicht nur aus Bier und Zuckerwatte besteht – und das auch gut so ist

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Illustration: Katja Karras

Aus dem dicken Briefumschlag, auf den man schon lange gewartet hat, fällt sie heraus: die Bestätigung für den Studienplatz. Die von den Eltern viel gepriesene »beste Zeit des Lebens« kann beginnen! Doch bevor man sich auf Studieninhalte, rauschende Partys, gute Musik und nächtliche Ausflüge in der neuen Freiheit »Studium« freuen kann, kommt einem ein weiterer Stapel Papiere entgegen.

Nach nur kurzem Überfliegen der universitären To-do-Liste, Einschreibebedingungen und Anmeldungsdaten schwirrt dem glücklichen Empfänger der Kopf. Wo manche den gesamten Sommer Zeit haben, sich ein Dach über dem Kopf zu suchen und alle Formalitäten zu erledigen, bleiben anderen nur bruchstückhafte Erinnerungen von einem Marathon durch Ämter, Zimmerbesichtigungen und fremden Straßen. An dieser Stelle heißt es Ruhe bewahren, niemand überblickt dieses Wirrwarr sofort. Endlich eingelebt, können Freizeitmöglichkeiten und die ersten Studentenpartys ausgekostet werden. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, und das darf gebührend gefeiert werden!

Mit dem Luxus der Zeit ist es spätestens in der Prüfungs- und Hausarbeitenphase vorbei. Geschehen ist es um lauschige Abende an der Saale, die Bibliothek wird zur zweiten Heimat erklärt. Doch auch hieran nicht verzagen, schließlich gehören auch Rückschläge und die Erfahrung eines möglichen Scheiterns dazu. Mit Biss und Durchhaltevermögen lassen sich auch die höchsten Lernberge bewältigen, an deren Gipfel der Lichtblick eines jeden Studentenlebens wartet: Feiern oder Faulenzen.

Besagte neue Freiheiten kommen allerdings nicht umsonst. Bis dato unbekannte Hürden müssen während des Semesters überwunden werden, von pünktlich bezahlten Stromrechnungen über den BAföG-Antrag und die Suche eines Nebenjobs bis hin zur Abspül-Frage mit den neuen Mitbewohnern, deren Hygieneverständnis sich ein wenig von dem eigenen unterscheidet.

Es ist in Ordnung, wenn einen in der noch unbekannten, leeren Wohnung ein mulmiges Gefühl beschleicht – jeder Abschied ist schwer, selbst wenn man sich schon lange darauf gefreut hat. Die Vertrautheit mit der neuen Umgebung, der Unmenge an neuen Bekanntschaften und dem womöglich veränderten Lebensstil wächst heimlich. Sobald man nach dem Sprint der ersten Wochen und Monate Zeit hat, innezuhalten und zurückzublicken, wird man sich fragen, warum man je gezweifelt hat.

 

 

 

Über Christine Unsicker

Erstellt: 14.10. 2015 | Bearbeitet: 10.10. 2015 23:29