Feb 2014 hastuUNI Nr. 52 0

Zwischenbericht von der Baustelle

2015 soll das neue Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum feierlich eröffnet werden. Die Arbeiten liegen aktuell im Zeitplan. Wir werfen einen Blick in die Zukunft.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Eigentlich ist den meisten Studenten das, was sich hinter dem Bauzaun zwischen Emil-Abderhalden-Straße und Ludwig-Wucherer-Straße verbirgt, ein großes Mysterium. Man nennt es das »GSZ« oder den Steintor-Campus. Das Kürzel GSZ – nicht zu verwechseln mit GEZ oder GZSZ – bedeutet Geistes- und Sozialwissenschaftliches Zentrum. So weit, so gut. Doch welche Studiengänge sollen dann künftig dort einziehen? Und wann? Und vor allem: Warum?
Professor Dr. Andreas Ranft vom Institut für Geschichte ist Baubeauftragter der Philosophischen Fakultät I. Diesen Job teilt er sich mit Prof. Dr. Olaf Peters vom Institut für Kunstgeschichte, da schließlich auch jemand ein Auge auf die Bauästhetik werfen sollte. Beide können selbst nichts entscheiden, in schwierigen Fragen aber ihre Stimme erheben, was sie in Sachen Bibliothek auch mehrfach taten. »Die Grundidee bestand darin, alle Geisteswissenschaften an einem Ort zu bündeln«, erklärt Ranft. Das brächte mehrere Vorteile. Zum einen würde den Studenten die Organisation ihres Studiums erleichtert – Pendeln zwischen Hohem Weg und Uni-Campus fiele beispielsweise weg. Zum anderen könnten Lehre und Forschung durch mehr spontane Kommunikation und Kooperation bereichert werden. Die Grundidee und auch die Wahl des Standortes sind vernünftig, aber die Qualität des Neubaus ist zu sehr an die bestehenden finanziellen Mittel gebunden«, gibt Ranft zu bedenken.

Die finanziellen Mittel sind knapp

Nach Angaben des Rektorats belaufen sich die Gesamtkosten auf ca. 52 Millionen Euro, bestehend aus 20 Millionen für den Bibliotheksneubau und ca. 32 Millionen für die Institutsflächen. Das Problem: Der Bau begann erst acht Jahre, nachdem diese Kostenvoranschläge getroffen wurden. Das Projekt wird zu 75 Prozent aus EU-Fördermitteln finanziert, den übrigen Anteil stellt das Land Sachsen-Anhalt. Der 52-Millionen-Euro-Deckel ist fest, und danach muss gebaut werden.
Dumm nur, wenn auf dem Gelände wertvolle Altbauten des ehemaligen landwirtschaftlichen Instituts stehen, deren Sanierung und Erhaltung den Kostenrahmen gesprengt hätte. Die günstigste Lösung war der Abriss. Doch ließ der amtierende Kanzler Horst-Dieter Foerster mitteilen: »Die städtebaulich prägenden Gebäude entlang der Ludwig-Wucherer-Straße und der Adam-Kuckhoff-Straße bleiben erhalten und werden saniert.« Auch dürfen das Museum für Haustierkunde »Julius Kühn« sowie zwei weitere Altgebäude auf dem Campus verbleiben.
Die Erhaltung einiger Baudenkmäler wird leider nicht über die sonst eher zweckmäßige Architektur des Neubaus hinwegtrösten. Wahrscheinlich werden sie wie einsame Mahnmale einer vergangenen Ära wirken. »Das neue GSZ wird eher den Charakter eines Verwaltungsgebäudes haben«, erläutert Ranft. »Die langen und sehr schmalen Innenflure werden lediglich künstliches Licht haben und während der Sprechstunden mit Sicherheit verstopft sein.«

»Wie Fische auf dem Trockenen«

Hauptsächlich von der knappen finanziellen Kalkulation betroffen ist der Bibliotheksneubau. Ursprüngliche Pläne sahen eine große Präsenzbibliothek ähnlich dem Juridicum vor. Bedingt durch knappe Kassen wird die Bibliothek um eine ganze Etage gekürzt. »Knotenpunkt ist die neue Bibliothek, ohne die die Geisteswissenschaftler wie Fische auf dem Trockenen liegen«, erklärt Ranft. »Insofern hat es schon absurde Züge, dass der Bibliothek handstreichartig nach vollendeter Planung schlicht ein ganzes Stockwerk gekappt wurde mit der Folge, dass noch weniger Arbeitsplätze ausgewiesen werden können«. Die Stellfläche ist beim Einzug zu klein, das heißt, es wird keine Räumlichkeiten geben, in denen die Studenten arbeiten können. Anstelle einer Präsenzbibliothek wird es nur eine Ausleihbibliothek geben.
In der Praxis sieht das dann so aus: Ein Historiker, der am Steintor-Campus studiert, geht in seine Bibliothek, leiht sich ein Buch aus und setzt sich zum Arbeiten aber ins Juridicum am Uni-Campus. Immer wieder erhob Ranft Einspruch. Immer wieder sendete die Bibliotheksleiterin der Sozialwissenschaften Mahnungen an das Rektorat, die dann aber einfach überhört wurden.

Nicht alle ziehen ein

Eine Frage bleibt: Welche Studiengänge zählen denn eigentlich zu den Geisteswissenschaften? Nach Angaben des Rektorats ziehen in das neue GSZ: Kunstgeschichte und Archäologie, Politikwissenschaft und Japanologie, Psychologie und Philosophie, Soziologie, Anglistik und Amerikanistik, Geschichte, Germanistik, Romanistik, Slavistik, Sprechwissenschaften und Phonetik. Ausnahmen sind Pädagogik und Theologie, die in den Franckeschen Stiftungen verbleiben. Da das hallesche Max-Planck-Institut sehr eng mit dem Institut für Ethnologie der MLU zusammenarbeitet und dieses wiederum mit dem Institut für Orientalistik, bleiben diese beiden universitären Einrichtungen weiterhin an ihrem Standort im Mühlwegviertel. Auch das Institut für Musik bleibt in der Dachritzstraße. Für die Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie die Sportwissenschaft ist ebenfalls kein Platz im GSZ vorgesehen.
Die Diskussion um eine Umbenennung der Emil-Abderhalden-Straße führt nicht zu Bauverzögerungen. Die ersten Sanierungsobjekte werden bereits Ende des Jahres baulich fertig gestellt werden können. Die ersten Bezüge durch die MLU sind laut Kanzler im Sommer 2014 möglich. Ein offizieller Eröffnungstermin ist aber noch nicht bekannt, er wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2015 stattfinden. Dann wird der Uni-Platz nicht leerer sein, aber das Juridicum voller.

Über Katharina Deparade

, , , ,

Erstellt: 21.02. 2014 | Bearbeitet: 26.03. 2015 01:22