Jun 2014 hastuPAUSE 0

„Zur Schönen Aussicht» im Theater Mandroschke

Am 6.6. fand die Premiere der studentischen Theatergruppe AbundZUspiel mit ihrem neuen Stück im Theater Mandroschke statt. Warum man sowohl von diesem Stück und ABundZUspiel als auch vom Theater Mandroschke gehört haben kann, wurde Janik Straub, derzeitiger Regisseur, gefragt.

Janik Straub ist Regisseur des Theaterstücks „Zur Schönen Aussicht».

Wie bist du zur Theatergruppe ABundZUspiel gestoßen?

Ich bin durch meinen Mitbewohner Ende 2012 dazugekommen. Er war bereits Mitglied bei ABundZUspiel und kam wohl auch über jemand Drittes dazu. Meistens läuft es so, dass wenn eine neue Produktion aufgelegt wird, man schaut ob neue Schauspieler gebraucht werden oder man fragt rum, ob jemand wen kennt, der darauf Lust hat. Und dann kommen ein paar Leute zusammen, die Interesse haben.

Wie ist das Spielen beim ABundZUspiel – zuerst warst du selbst Schauspieler und nun wechselst du zur Regie. Wird dem, der nach der Leitung fragt, die Chance gegeben?

Ja, das ist ganz wichtig. Das ist ja auch das was Studenten- oder Laientheater vom professionellem Schauspiel unterscheidet. Jeder der Lust hat und es sich zutraut kann Regie machen, aber nur so dass der Regisseur nicht der Alleinbestimmer ist. Du kannst ihnen z. B. nicht wie beim professionellen Theater sagen, was sie zu tun haben. Meistens hast du als Regisseur auch nicht den Plan, das heißt, du entwickelst die Szenen mit den Schauspielern und hast weniger eine konkrete Vorstellung, worauf es hinauslaufen soll. Oder zumindest war das bei mir so. Eine Hierarchie in dem Sinne ist da eher wenig ausgeprägt.

Die Initiation zur Aufführung dieses Stückes ging von dir aus, aber wie kamst du dazu das Theaterstück von Ödön von Horvath „Zur Schönen Ausicht» aufzuführen?

Ich studiere Germanistik und dort haben wir das Theaterstück im Seminar letztes Wintersemester behandelt. Ich fand „Zur Schönen Aussicht» als Stück spannend und habe mich damit noch weiter beschäftigt. Die Story und die Handlung sind gut, und das Stück ist irgendwie lustig, aber auch nicht der Schenkelklopfer und ich mochte, dass die Rollen einigermaßen ausgewogen sind. Das ist auch soetwas was beim Laientheater wichtig ist. Es ist blöd, wenn man nur zwei Szenen hat, dabei kurz auftritt und sagt „Hallo, ich bin der Bote von da und da. Hier hast du einen Brief», und man dann wieder abgeht.

Wie lange hat es gedauert, bis aus deiner Idee das umgesetzte Stück wurde?

Die Idee, das Stück von Ödon von Horvath umzusetzen, geisterte schon lange durch meinen Kopf bis ich es auch geäußert habe, dass ich mir das Stück als neue Produktion vorstellen kann. Darauf habe ich mir eine Co-Regie und Schaupieler gesucht und als es offiziell wurde, verlief es relativ zügig. Das war Anfang des Semesters, Anfang April. Zuvor in der Vorbereitung war Zeit um mit den Schauspielern über ihre Rollen ins Gespräch zu kommen, aber dann April bis Mai war intensive Probenphase. Wir machen auch immer noch ein Probenlager. Ein Wochenende, an dem wir uns irgendwo außerhalb Halles etwas mieten, damit es wirklich keine Ablenkungen gibt und dann wird freitags und samstags geprobt. Das Wochende war Anfang Mai und für das Gemeinschaftsgefühl sehr schön. Die letzte Phase, also die letzten Wochen vor der Aufführung, sind immer halt wahnsinnig stressig. Ich zumindest habe nichts anderes mehr gemacht. Montag bis Donnerstag und teils am Wochenende haben wir geprobt und als Regie muss man immer anwesend sein. Manche Phasen bei der Produktion sind sehr zeitintensiv und andere nicht, aber irgendwann steht dann das Stück und die Aufführungen können beginnen. Und meine Arbeit als Regie ist dann beendet, vielleicht helfe ich noch bei den Lichteinstellungen oder setze mich rein ins Publikum.

Merkst du einen prinzipiellen Unterschied Schaupieler zu sein, oder die Regie zu führen?

Ja, auf jeden Fall. Man denkt einfach an andere Sachen. Als Schaupieler hast du deine Rolle, in du dich einfinden musst und und entwickelst dich im besten Fall weiter. Zum Beispiel, dass du lernst wie kann ich dieses oder jenes darstellen, wie komme ich in eine Rolle rein und diese Dinge.
Als Regisseur musst du eine Dramaturgie machen, denn du brauchst deinen roten Faden, damit die ganzen Szenen eine Geschichte ergeben. Außerdem musst du dich um die ganze Organisation kümmern, sowas wie einen Spielort zu finden, Spieltermine und Probetermine festsetzen, die für alle gehen. Als Schaupieler kommst du zu den ausgemachten Terminen und dann arbeitet man da und danach lernst du Zuhause noch deinen Text. Sie denken eher in ihren Rollen, während du als Regisseur auf auf das ganze Stück bezogen denken musst. Damit hat man einen anderen Blick auf die Dinge. Und es ist auch wichtig, dass die Schaupieler nicht im Kopf anfangen Regie mitzuführen, weil sie sich nach ihrer Rolle definieren müssen. Es ist Aufgabe des Regisseus dramaturgische Fragen nicht von den Schauspielern beantworten zu lassen, sondern ihnen Vorschläge zu machen und sich zu überlegen, was sie gut umsetzen können, damit es in sich stimmig wird.

Was, denkst du, ist die Aussage des Stücks?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, dass es darum geht, dass Christine in das Hotel kommt und bereit ist, etwas zu geben. Sie verspricht sich auch schon etwas davon, aber sie kommt mit dem Geld, um es ins Hotel zu investieren und damit wäre eigentlich allen geholfen. Die Leute jedoch, die im Hotel sitzen, sind so zynisch, dass sie sich nicht vorstellen können, dass Christine ihnen ihr Geld gibt, ohne etwas direkt dafür zu verlangen. Sie können es sich nicht vorstellen, dass jemand nicht egoistisch handelt. Und weil sie denken, das Christine genau so ist wie sie, verbocken sie die Chance, dass sich etwas ändert. Eigentlich ist so, wie das Hotel ist, keiner zufrieden, aber es könnte noch ewig weiterbestehen, d. h. das man sich gegenseitig etwas vorspielt und dass die Leute im Hotel sich gegenseitig die Welt schön lügen.

Fotos: Carolin Schmidt

Das erinnert ein bisschen an christliche Ideen. Gibt es darauf Anspielungen?

Im Original von Ödön von Horvath steckt viel zur christlichen Symbolik drin. Die Figur des Müller ist z. B. Vertreter der Firma „Hergt und Sohn», fügt man einen Vokal ein, könnte man „Hergot» – also Herr Gott, lesen. Gleichzeitig ist er aber auch die Figur, die eine Weile wie der Teufel humpelt, nachdem er von einem Stuhl umgetreten wurde. Und natürlich gibt es auch bei Christine Anspielungen.

Wieso zieht es euch als Schauspielgruppe auf die Bühne des Theater Mandroschke?

Wir sind sehr froh, dass es das Theater Mandroschke gibt, weil es sehr schön ist in einem echten Theater zu spielen. In Halle gleicht es einem Geheimtipp, weil es hier noch nicht so bekannt ist, was sehr schade ist. Ich würde mir wünschen, dass das Theater Mandroschke bekannter wäre, weil die Produktionen, die dort auch von anderen Künstlergruppen dort laufen wirklich gut sind und weil in Halle die freie Theaterszene relativ gut ausgeprägt ist. Es gibt VAROMODI, Improgruppen wie Stabile Seitenlage und Kaltstart, es gibt Theater Apron und und viele mehr. Wenn man ihre Auftritte zusammennimmt, ist die Anzahl schon beachtlich und für solche Gruppen ist das Theater Mandroschke genau richtig. Zu diesem Zweck wurde das Theater ja auch gegründet, um der freien Theaterszene als Spielstätte den Raum zu geben.

An der KleinKunstNacht am 21. Juni ist das AbundZuspiel auch beteiligt. Auf was darf man gespannt sein?

Es wird eine szenische Lesung eines französischen Autoren names Bernhard-Marie Koltèsmit dem Stück „Die Nacht kurz vor den Wäldern» geben. Das ist praktisch ein Monolog, der von den beteiligten ABundZUspielern in drei Teile aufgeteilt wurde, die dann abwechselnd lesen werden.

    ABundZUspiel im Theater Mandroschke
    Es folgen noch zwei Aufführungen:

  • Am Samstag, den 21. Juni 2014 um 20 Uhr
  • sowie am Sonntag, den 22. Juni 2014 um 16 Uhr

Über Carolin Schmidt

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Erstellt: 17.06. 2014 | Bearbeitet: 17.06. 2014 17:12