Okt 2014 hastuUNI 0

Die Zerstörung des Bildungsstandorts Sachsen-Anhalt

Äußerungen zu Studiengebühren enttarnen die verkrustete Denkweise von Wissenschaftsminister Möllring. Die fatalen Folgen werden sich erst später zeigen. – Ein Kommentar

Foto: Markus Kowalski

Gleichsam fantasielos und fatal: Finanzminister Bullerjahn (SPD) und Wissenschaftsminister Möllring (CDU).
Foto: Markus Kowalski

Um die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten und die generelle Finanzierung von Hochschulen sicherzustellen, seien Studiengebühren auf Dauer unumgänglich, findet der Wissenschaftsminister von Sachsen-Anhalt. Für Hartmut Möllring ist das keine neue Äußerung.

Zu seiner Zeit als Finanzminister in Niedersachsen stiegen die Gebühren für Studierende an manchen Universitäten – bezieht man die normalen Beiträge mit ein – auf bis zu 750 Euro pro Semester. 500 Euro davon entfielen auf Studiengebühren. Manche Länder führten ähnliche Beträge ein, andere waren mit Recht stolz auf ihren Verzicht. Heute sind die Studiengebühren bundesweit Geschichte und gelten aus guten Gründen als gescheitert. Mitten in der Debatte über die Finanzierung der Hochschulen nun also trotzdem eine solche Äußerung. Um Hartmut Möllring nicht Unrecht zu tun: Natürlich sind Studiengebühren für Sachsen-Anhalt aktuell kein Thema, doch die Äußerung zeigt exemplarisch, warum unter diesem Minister niemand in Sachsen-Anhalt mit zukunftsträchtiger Bildungspolitik zu rechnen braucht.

Denn hier wird ein Konzept verfochten, das nachweislich gescheitert ist. Hartmut Möllring soll in der Kürzungsdebatte für die Hochschulen in Sachsen-Anhalt ein zukunftsfähiges Konzept vorlegen. In Möllrings Denken aber gibt es nur zwei Optionen: Gebühren und Sparen. Mit diesen Allheilmitteln glaubt er das völlig marode Bildungssystem sanieren zu können. Beides sind alte Ideen, beide bereits gescheitert. Die Gebühren sind erprobt und aus vielerlei Gründen zurückgenommen worden. Gespart wird an den Universitäten seit Jahren, an ihrer Unterfinanzierung hat das nichts geändert. Daher werden erneut Strukturanpassungen gefordert. »Profil-schärfen« ist die Losung. Nur ein Beispiel, was dies in der Realität bedeutet: Das Institut für Informatik wird zur Disposition gestellt. Wenige Wochen später gibt eine wissenschaftliche Beratungskommission der Bundesregierung einen flammenden Appell heraus, Deutschland sei auf die Aufgaben der Digitalisierung unzureichend vorbereitet. Man müsse Informatik und IT-Standorte bundesweit fördern und errichten, sonst drohe der Verlust der Konkurrenzfähigkeit.

Möllrings Politik soll ebenfalls Universitäten wettbewerbsfähiger machen. Um Geld zu sparen, möchte er Institute schließen, deren Errichtung die Experten nachdrücklich einfordern. Realsatire. Es wirkt an den sachsen-anhaltischen Universitäten ohnehin fast wie Hohn, dieser Tage von internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu hören. So bedroht der Sparzwang – obendrein nach der BAföG-Reform eigentlich nicht mehr nötig – doch sogar die nationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Folgen davon werden in fünf Jahren zu merken sein, wenn die Expertise der ersten Absolventen fehlt, die jetzt vom Gang an die sachsen-anhaltischen Hochschulen abgehalten werden. Minister Möllring ist dann möglicherweise nicht mehr im Amt. Seine engstirnige, fantasielose und bereits heute gescheiterte Denkweise wird aber erst dann ihre volle, fatale Wirkung zeigen.

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 25.10. 2014 | Bearbeitet: 30.01. 2015 03:06