Dez 2014 hastuUNI Nr. 57 1

Wissen auf neuen Wegen

Wie das Semesterticket dein Studium bereichern kann. Ein Aufruf zum Mitmischen in Leipzig und ganz Mitteldeutschland.

Illustration: Robert May

Illustration: Robert May

Das neue Semesterticket wurde unter den hallischen Studierenden bereits kontrovers diskutiert. Neben den begeisterten Pendlern gab es selbstverständlich auch Kritik: Nun kommt jedes Semester aufs Neue eine Horrorrechnung auf alle zu. Rund um die Weihnachtszeit, mit der die erste Erinnerung hereinflattert, macht sich so was gar nicht gut im studentischen Geldbeutel. Doch hier lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen und aufmerksam zu lesen: Es bilden sich allein schon im universitären Bereich große Chancen, ja sogar Möglichkeiten an Stellen zu sparen, die man sonst nie wahrgenommen hätte.

Der Weg zur Leipziger Buchkultur

Von der Bibliotheksnutzung über Sprachkurse bis hin zu öffentlichen Vortragsreihen kannst du hier viel Wertvolles für dein Studium mitnehmen!

Mit ein paar Klicks durch die Internetpräsenz der Universitätsbibliothek Leipzig ist bequem etwas zu deinen Referats- und Hausarbeitsthemen recherchiert. Jetzt nur noch vor Ort an der Rezeption eine Kopierkarte geben lassen, und schon kann es losgehen. Ein Bibliotheksausweis ist genauso einfach zu bekommen. Von kostenintensiven und vor allem zeitraubenden Fernleihen kannst du dich nun schnell verabschieden. In 25 bis 35 Minuten bist du mit den Bahn-Linien S5X oder S3 schon vor Ort. Leipzig Hauptbahnhof Tief ist erreicht. Die Straßenbahnnutzung ist, genau wie in Halle, im Semesterticket inbegriffen. Dann kann es ja losgehen! Und ganz nebenbei ist die Metropole von nebenan zu entdecken. Solltest du dich in den großen Bibliotheken, wie der Campus-Bibliothek und der Albertina, nicht zurechtfinden, helfen dir die elektronischen Wegweiser sowie das häusliche Personal. Erstere findest du keine fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, direkt am Augustusplatz. In etwa 10 bis 15 Minuten, inklusive kurzem Fußweg um die Ecke des Bundesverwaltungsgerichts, erreichst du die Albertina, unweit der Straßenbahnhaltestelle »Neues Rathaus«. Und falls du mal genug von der ganzen Sucherei haben solltest, kannst du natürlich auch von zu Hause die Forschungsbibliothek mit einer umfangreichen digitalen Sammlung von Papyri und Ostraka bis hin zu Zeitschriften nutzen.

Neben den 16 universitären Bibliotheksstandorten wird für deine Literaturrecherche die Deutsche Nationalbibliothek, erreichbar mit den Straßenbahnlinien 2 und 16, besonders wertvoll sein. Sämtliche deutsche Erscheinungen können hier vor Ort eingesehen werden. Eine umfangreiche Sammlung an Notenmaterial und Tonaufnahmen spricht vor allem Musiker auf studentischer und privater Ebene an.

Foto: Robert May

Foto: Robert May


Aktiv dabei

Neugierig geworden? Dann ist auch ein regelmäßiger Besuch der Nachbaruni drin: Informier dich online oder vor Ort an den Instituten über das aktuelle oder kommende Veranstaltungsangebot, stelle gegebenenfalls einen Gasthörerantrag ab 40 Euro im Semester und nutze das umfangreiche Angebot im Rahmen der Universitätspartnerschaft. Wieso solch ein Angebot nicht nutzen, wenn es doch so einfach möglich ist, tiefere Einblicke in neue Thematiken zu finden und neue Kontakte zu knüpfen? Die Anrechnung bei der MLU erfolgt problemlos mit einem Modulschein. Unter die Veranstaltungen fallen natürlich auch Sprachkurse, die du ebenfalls bei den zuständigen Instituten sowie im Spracheninstitut einsehen kannst. Du brauchst ein internationales Zertifikat? Kein Problem: Alle Kontinente werden hier sprachlich bedient. Selbst Gebärdensprache kann erlernt werden. Besondere Angebote sind im Bereich der alten Sprachen mit Mittel­ägyptisch und Akkadisch zu finden.

Zuhören und Mitmischen angesagt!

Doch das Angebot ist noch viel breiter: Das Ägyptologische Institut bietet regelmäßig öffentliche Vortragsreihen. Aktuell locken »Vorzeichen und Nachwirkungen« mit Rednern aus unterschiedlichsten Fachbereichen eine rege Hörerschaft. Hinter diesem Titel steckt das Thema kultureller Austausch. Für Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen dagegen ist die Vorlesungsreihe »Medizin für Jedermann« ein Muss. Daneben bieten zahlreiche andere Bereiche ähnliche Veranstaltungen an. Die Informationen dazu gibt es auf der Hauptseite der Uni Leipzig sowie an den zuständigen Instituten.

Foto: Robert May

Foto: Robert May

Sollte dir zu deinem Glück noch ein Praktikum fehlen, so ist auch das mit dem Semesterticket gut zu lösen. Schier unendliche Wege und neue Kontaktmöglichkeiten zu Arbeitgebern außerhalb von Halle tun sich auf. Eine Orientierungshilfe für Studenten bietet dabei nicht nur die Uni Leipzig selbst sondern auch das Kultusministerium von Sachsen via Internet. Da heißt es informieren und mitmischen. Mitspielen kannst du beim Leipziger Unisport.

Einmal 10 Euro zahlen, und schon kannst du eines von insgesamt 158 Angeboten der Jahnallee 59, unweit der Arena, nutzen. Der Weg bis dahin nimmt mit der Straßenbahn vom Hauptbahnhof Leipzig nur etwa zehn Minuten ein. Auffällig ist, dass hier insbesondere mehr spezialisierte Lehrrichtungen einzelner Sportarten angeboten werden als in Halle. Yoga-Vin­yasa mit vier verschiedenen Kursen und konkreter Zielgruppenausrichtung, zum Beispiel für Musiker, sticht als eines von vielen Beispielen hervor, die es so im hallischen Hochschulsport nicht gibt. Aber auch im nassen Element kannst du einige Sportarten wie Wasserspringen, Wasserball oder auch andere Ausrichtungen des Schwimmtrainings entdecken. Zu Lande dagegen kann es für dich mit Renaissance- und Barocktanz rund gehen. Schau einfach online oder persönlich rein. Mitmischen ist erwünscht, denn auch der Denksport kommt beim Kurs nicht zu kurz, so wird auch ein Bridge-Kurs angeboten.

Rund(um) Kunst und Archäologie

Ein weiterer Vorteil des Semestertickets liegt auf der Hand: Exkursionen innerhalb des MDV-Tarifgebiets sind nun praktisch kostenlos. Neben Leipzig bieten sich dafür auch Orte wie Merseburg, mit Schloss und Romanik-Zentrum, oder Naumburg, mit seinem weltberühmten gotischen Dom, an. Du hältst damit deine Fahrkarte zum Nietzschehaus, zu kunsthistorischen Stätten, entlang der Straße der Romanik, einer Kulturfülle mit Tradition, in den Händen. Und wo die aufhört, geht es archäologisch weiter zum Fundort der Himmelsscheibe: Kleinwangen bei Nebra. Ein Besuch des dortigen Museums, das in der malerischen Landschaft, dank modernster Architektur, eher wie ein Ufo wirkt, ist inhaltlich sehr lohnenswert. Aber auch mit einer rekonstruierten Kreisgrabenanlage, deren Zentrum einen beeindruckenden Megafoneffekt erzeugt, kann in Goseck gedient werden. Selbst hier ist eine Anfahrt ohne irgendwelche Zusatzkosten mit Bahn und Bus über Weißenfels möglich. Für alle zukünftigen Teilnehmer der dortigen mittelalterlichen und prähistorischen Lehrgrabungen und natürlich auch alle Interessenten anderer Studiengänge ist das zweifellos eine Ersparnis.

Fazit

Das Prinzip sollte klar sein. Die Möglichkeiten, dein Wissen zu erweitern, sprengen den Rahmen, der mit dem alten Modell auf Halle begrenzt war. Deshalb muss für dich das neue Semesterticket keineswegs eine sinnlose Mehrbelastung sein. Es ist Zeit, den Horizont zu erweitern. Und der endet nicht am Hufeisensee. Für engagierte Studenten ist das sicherlich ein Muss. Es lohnt sich dabei, gerade vor Beginn des nächsten Semesters, über Alternativen in Leipzig und dem restlichen MDV nachzudenken oder einfach spontan das Kultur- und Bibliotheksangebot der Uni Leipzig zu nutzen. Nutze das Ticket, nicht nur am Tag.

Über Robert May

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Erstellt: 31.12. 2014 | Bearbeitet: 20.12. 2014 23:10