Mai 2014 hastuUNI 0

Wir demonstrieren weiter

Zum Jahrmarkt der Wissenschaften am 7. April zeigten die Studierenden der betroffenen Fächer, wie es um sie steht. Nebenbei gab es auch eine Diskussionsrunde mit den Stadträten von Halle.

Studierende der Psychologie

Felix und Anneke studieren zusammen  im 4. Semester Psychologie.

Felix und Anneke studieren zusammen im 4. Semester Psychologie.

Die Schließung unseres Studienganges ist nicht nachvollziehbar und absoluter Unfug. Des Weiteren werden ab Wintersemester 2014 für die Psychologie als Nebenfach die Studienplätze von bisherigen 100 auf 20 reduziert, und in einem Tutorium für das Hauptfach Psychologie sind jetzt schon 60 Leute. Es ist einfach zu voll! Das Gleiche betrifft auch viele andere Seminare und Übungen. Wir verstehen nicht wirklich, was in den Köpfen von Haseloff und Bullerjahn vorgeht.

Wir haben große Angst, bald komplett weg vom Fenster zu sein.

Studierende der Informatik

Felix und Iris, zusammen mit ihrem Robohund.

Felix und Iris, zusammen mit ihrem Robohund.

Felix: Wir haben schon jetzt eine nicht besetzte Professorenstelle, da Herr Professor Staiger in Rente gegangen ist.

Iris:  Da sein Fach aber die theoretische Informatik war, die sehr wichtig ist, wird dies von Professoren aus anderen Arbeitsgruppen unterrichtet.

Iris erzählt, wie die Schüler einen Robohund entwickeln und zum Schnarchen bringen

Iris erzählt, wie die Schüler einen Robohund entwickeln und zum Schnarchen bringen.

 

Felix:Davon abgesehen ist Halle ein wichtiger IT-Standort in ganz Mitteldeutschland. Innerhalb von 8 Jahren gab es einen Zuwachs von 34 Prozent an Firmen, die mit der Informatik zusammenarbeiten. Langjährige Kooperationspartner sind unter anderem Dell und GISA GmbH. Außerdem ist die Informatik ein Studiengang, der mit vielen anderen zusammen hängt, wie Bioinformatik, Psychologie oder Mathe.

Iris: Informatik interessiert ja bereits die Schüler. Wir bieten im Sommer für eine Woche das »SummerBYTE« an, wo Schüler von 14 bis 18 Jahren bei uns kleine Roboter basteln und diese auch programmieren lernen. Viele von den Schülern fangen dann auch bei uns an zu studieren.

Studierende der Agrarwissenschaft

Wolfgang und Vroni erläutern die Melkmaschine.

Wolfgang und Vroni erläutern die Melkmaschine.

Unser Studiengang ist noch nicht von den Kürzungen betroffen, aber da wir ja auch in der Naturwissenschaftlichen Fakultät III ansässig sind, sind wir bald die nächsten. Wir sind heute hier, weil wir die anderen Studiengänge bei ihrer Protestaktion unterstützen. Falls wir bald an der Reihe sind, würde sich Julius Kühn bestimmt im Grabe umdrehen. Unsere Absolventen sind in der Wirtschaft sehr gefragt und finden schnell ihre Jobs.

Studierender der Angewandeten Geowissenschaften

Johannes studiert im vierten Semester angewandte Geowissenschaften auf Bachelor.

Johannes studiert im vierten Semester angewandte Geowissenschaften auf Bachelor.

Seit 2003 werden bei uns schon nach und nach die Gelder entzogen. Wir hatten mal 7 Professorenstellen, jetzt sind es nur noch 5. Auch diese fünf Professoren gehen bald in Rente und 2020 ist der Letzte an der Reihe. Von daher ist es mir völlig unklar, dass unsere Bildung so verkrüppelt wird, wir schlachten dadurch unser bestes Pferd. Gerade die Studenten sind ein wertvolles Gut. Wir bringen 20 Millionen an Steuergelder für Sachsen-Anhalt ein, und an sich erwirtschaften wir ein Bruttoinlandsprodukt von 5  Millionen Euro.

Studierende der Interessenvertretung Lehramt

Judith studiert Mathe,Deutsch und Musik auf Grundschullehramt.

Judith studiert Mathe, Deutsch und Musik auf Grundschullehramt.

Es werden jetzt schon Schulen geschlossen und auch noch die Psychologie sowie die Geographie. Als Lehrer benötigen wir diese Fächer ja. Vor allem die allgemeine Psychologie ist ein wichtiger Grundbaustein in unserer Lehramtsausbildung. Diese Kürzungen sind doch einfach total bescheuert. Es wird an der falschen Stelle gespart, wieso eigentlich nicht bei den zu hohen Geldern der Regierung? Sollen der Bullerjahn und der Haseloff ihr Gehalt kürzen. Generell läuft kein Beruf ohne Lehrer ab. Die Kinder bekommen später nur einen gut bezahlten Job, wenn sie eine Bildung erhalten haben. Wir brauchen bei den Lehrern Nachwuchs.

Internationale Studierende des Studienkollegs

Btissam und Rose.

Btissam(links) und Rose (rechts) haben dem Studienkolleg viel zu verdanken.

Btissam: Mein Heimatland ist Marokko. Mir hat das Studienkolleg sehr gefallen, mein Deutsch ist ja auch sehr gut. Ich besuche hier den Technikkurs und fühle mich für mein Bachelorstudium in Elektrotechnik in Saarbrücken sehr gut vorbereitet. Die Lehrer bei uns sind super gut.

Rose: Ich komme aus Madagaskar und war mit den Lehrern hier sehr zufrieden. Nur durch dieses Kolleg hatte ich die Möglichkeit, hier überhaupt studieren zu können. Ich konnte vorher gar kein Deutsch, und wenn ich den Studiengang  Betriebswirtschaft einfach so  angefangen hätte, ohne die ganzen Fachwörter vorher beigebracht zu bekommen, wäre ich sehr schlecht gewesen. Das hab ich dann alles im Wirtschaftskurs gelernt. Ich will, dass das Studienkolleg erhalten bleibt.

Studierender der Sportwissenschaften

Christian studiert im zweiten Semester auf Bachelor.

Christian studiert im zweiten Semester auf Bachelor.

Wenn man sich das Beispiel Magdeburg anschaut, da werden Millionen Gelder für einen Tunnel verschleudert, und was bleibt für die Bildung übrig? Ich versteh die Sinnhaftigkeit daran nicht. Außerdem muss ich mal anmerken, dass Profitstudiengänge erhalten werden und andere aber gestrichen werden. Das ist doch Blödsinn, da wird einfach kein Wert auf Bildung gelegt, sondern auf den ökonomischen Profit. Alle Studiengänge sollten erhalten bleiben.

Christian und die anderen Sportstudenten tanzten aus Protest zu dem Song "Happy".

Christian und die anderen Sportstudenten tanzten aus Protest zu dem Song „Happy».

Ich denke zwar, dass es uns momentan noch ganz gut geht, aber wir müssen an die Zukunft des Studiengangs denken. Wir haben ebenfalls Professoren und Professorinnen, die bald in Rente gehen. Und ich bin trotzdem jetzt schon total gegen die Kürzungen.

Studierender der Medien-und Kommunikationswissenschaften

Tom ist im vierten Semester seines Bachelorstudienganges

Tom ist im vierten Semester seines Bachelorstudienganges.

Momentan sind bei uns 2 von 4 Professorenstellen besetzt, und die zwei anderen fallen nächstes Jahr weg. Davon abgesehen sind ganz viele Mitarbeiterstellen ebenfalls nicht ausgefüllt. Wir werden in vielen Tutorien und sogar Seminaren von höheren Studenten unterrichtet oder Studierenden die gerade erst abgeschlossen haben. Die bereiten sich zwar vor und machen es auch sehr gut, aber wenn es jetzt um Hausarbeiten geht, müssen die Mitarbeiter ran, da ja nur diese sie kontrollieren dürfen. Ich zum Beispiel warte seit einem Jahr auf das Ergebnis meiner Arbeit. Das soll keine Kritik an den Mitarbeitern sein, die sind wirklich klasse, aber das ist eben ein weiteres Beispiel für Bullerjahn, was hier sonst noch so schief läuft, und jetzt soll der sich mal vorstellen, auf die Schnelle 200 Arbeiten zu kontrollieren. Wieso wird denn überhaupt gekürzt, woher nimmt sich denn Haseloff das Recht? Da stehen bis zu 6000 Menschen auf der Demo, und dann nimmt der das nicht ernst. Oder es werden Mitarbeiter aus der Politik geschmissen, nur weil sie sich gegen die Kürzung aussprechen. Ich glaube auch, dass uns Studenten kein Ohr geschenkt wird, das finde ich traurig.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.