Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Wilmaaaaa!

Gedanken über die ideale Mitbewohnerin

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Als ich letztens nach Hause kam und mich darüber freute, wie mich meine Mitbewohnerin quasi an der Tür begrüßte, begann ich zu überlegen, wieso wir uns eigentlich so gut verstehen und ich mich ausgerechnet für Wilma entschieden hatte. Ich dachte, diese Frage ließe sich am besten mit ihr zusammen klären.

Um sie für unser Gespräch positiv zu stimmen, gab ich ihr etwas von meinem Abendessen ab, woraufhin sie sich die Backen mit Salat und Gurke vollstopfte. Zum Nachtisch bot ich ihr noch ein Stück Apfel an. Dass sie eher ein genügsamer Typ ist, war wohl schon der erste Punkt auf der Pro-Liste. Außerdem sieht sie einfach zu niedlich aus, wenn sie isst. Nach dem Essen sah ich ihr bei ihren Fitness-Übungen zu und fand einen weiteren ihrer Vorteile: Sie ist in vielerlei Hinsicht ein Einzelgänger und versucht nie mich zu überreden, mit ihr joggen zu gehen, oder etwas in der Art. Da ihr Zimmer gewissermaßen auch eine Toi­lette hat, kommt es auch nie zu Streit bezüglich der Badezimmernutzung. Negativ müsste ich jetzt natürlich anmerken, dass sie nie aufräumt, aber ihr Zimmer ist klein – verglichen mit dem Rest der Wohnung – und so stört die Mehrarbeit eigentlich kaum.

Nach den ersten Positiven und dem einen negativen Punkt fiel mir zunächst erst mal nichts weiter ein. Hilfe und Antwort suchend sah ich Wilma an. Sie schaute aufmerksam zurück. Mir wurde klar, sie konnte mir gerade nicht weiterhelfen, aber sie kann gut zuhören und unterbricht mich nie, auch wenn sie mich gelegentlich anfaucht.

Aufgrund dieser – jedoch sehr seltenen – Meinungsverschiedenheiten ist es wohl auch nicht ganz schlecht, so dachte ich mir, dass sie zumindest selbstständig genug ist, auch mal ein Wochenende alleine zu verbringen, obwohl sie mich, wenn ich zurückkomme, verwirrt anguckt, als hätte sie das Gefühl mich die ganzen Tage verschlafen zu haben. Das tut sie allerdings öfter, wenn ich den Tag über zu Hause bin, sie ist eher nachtaktiv. Da sie allerdings mit einer Studentin zusammenwohnt, ist auch das ein Pluspunkt für sie. Nie beschwert sie sich, wenn ich abends spät nach Hause komme oder länger Besuch habe.

Wobei mir bei spätabendlichem Besuch eine Begebenheit einfällt, bei der sie sich mit einer meiner Freundinnen in die Haare gekriegt hat, oder besser gesagt: in den Finger besagter Freundin. Trotz ihrer Befürchtungen trug sie jedoch keine Blutvergiftung davon, und mir brachte es die Gewissheit, dass Wilma mich auch gegen Einbrecher verteidigen könnte. Also, wenn jemand auf die Idee käme, in eine Studentenwohnung einzubrechen und sie gerade mal ihr Zimmer verließe. Das tut sie allerdings nicht so häufig, aber wenn, muss ich zumindest nicht um die Kabel meiner elektrischen Apparate fürchten, da sie die Begegnung mit ihnen klugerweise meidet, was andere Mitmieter nicht immer tun. Eine meist unvorteilhafte Erfahrung für beide Seiten.

Schließlich gab ich Wilma einen Keks und streichelte sie. Gut, sie ist nur ein Hamster. Aber sie ist pflegeleicht, kostengünstig und so flauschig. Welcher Mitbewohner hat schon so viele positive Seiten?

Über Daniela Marx

Erstellt: 26.12. 2014 | Bearbeitet: 10.05. 2015 02:00