Dez 2014 hastuUNI Nr. 57 0

Wenn das Studium krank macht

Der Leistungsdruck an Universitäten setzt immer mehr Studenten zu.

Illustration: Katja Karras

Illustration: Katja Karras

Ein voller Stundenplan, Prüfungsstress, Nebenjob und Praktika: Das Leben als Student kann ganz schön stressig sein. Seit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge und der damit verkürzten Studienzeit wächst der Druck auf die Studierenden. Auch dass nicht jeder Bachelor-Student später einen Platz im Masterstudiengang bekommt, belastet so manchen. »Ich weiß, dass ich meinen Master nur machen kann, wenn ich meinen Bachelor mit 2,0 abschließe. Und da fast jeder seinen Master machen möchte, ist der Leistungsdruck schon recht hoch«, erklärt eine Studentin.

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft haben viele Studierende große Zukunftsängste, denn spätere Arbeitgeber erwarten oftmals nicht mehr nur den Abschluss in der Regelstudienzeit, sondern auch gute Noten und Praktika. Zeit für Pausen gibt es kaum, da in der vorlesungsfreien Zeit Hausarbeiten geschrieben werden müssen und die eben genannten Praktika zu absolvieren sind.

Gerade für Erstsemester kann das Studium sehr viel Stress bedeuten. Man ist plötzlich auf sich allein gestellt und muss die vielen neuen Eindrücke verarbeiten. Doch Eingewöhnungsphasen gibt es in den meisten Studiengängen nicht mehr. Die Leistung wird ab dem ersten Tag bewertet und fließt in die Endnote mit ein. Somit wird der Student von Anfang unter Druck gesetzt.

Der Konkurrenzkampf unter den Studierenden ist hoch. Bei den ständigen Vergleichen und der permanenten Gewissheit, dass der Kommilitone neben einem den späteren Arbeitsplatz wegschnappen könnte, kommt es immer wieder vor, dass sich einige Studenten nicht anders zu helfen wissen, als andere bewusst zu behindern, um die eigenen Chancen zu verbessern. So hört man beispielsweise häufig von Fällen, in denen Bücher im Juridicum versteckt werden, um Kommilitonen am Lernen zu hindern. Dieser Konkurrenzkampf entsteht, weil uns die Gesellschaft ständig daran erinnert, dass nur die Leistung zählt, nur die Besten im Leben weiterkommen und ihre Ziele erreichen.

Das kann einen schnell überfordern, und immer mehr Studenten leiden unter dem steigenden Leistungsdruck und dem damit verbundenen Stress. Aussagen wie »Das wird mir alles zu viel« sind da quasi vorprogrammiert.

Auswirkungen des Leistungsdrucks

Aufregung und Nervosität vor Prüfungen kennt wohl jeder. Doch Leistungsdruck und der damit verbundene Stress können gesundheitliche Beschwerden mit sich bringen. Ab wann ist der Druck nicht mehr normal? Zumeist beginnt es oft augenscheinlich harmlos mit Schlafstörungen oder Bauchschmerzen vor Prüfungen. Jedoch kann eine andauernde Belastung sich schnell verschlimmern. Antriebslosigkeit, Schwindel, Schweißausbrüche, Schreibblockaden, Depressionen, Panikattacken oder Burnout sind mögliche Folgen.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, kann schon bei den ersten Anzeichen von Stress und Überforderung versucht werden, diesen entgegenzuwirken. Anfangs reicht es zum Beispiel oft schon, sich eine kurze Auszeit zu gönnen. Anstatt sich an einen Schreibtisch zurückzuziehen und ganze Nächte durchzuarbeiten, um keine Zeit zu verlieren, sollte man lieber eine Runde spazieren gehen und Sport treiben. Eine Option wäre es auch, sich mit Freunden zu treffen, um sich zu entspannen und einen Ausgleich zum permanenten Stress zu schaffen. Ein solcher Gegenpol kann bei ersten Anzeichen von Stress helfen. Ebenfalls muss sich gefragt werden, ob sich nicht wirklich zu viel zugemutet wird und deswegen ein Kurs auf das nächste Semester verschoben werden könnte. Wenn das Gefühl der Dauerbelastung jedoch nicht abebbt, ist es ratsam, das Gespräch zu suchen und sich professionelle Hilfe zu holen.

Wie Stress minimiert werden kann

Zeitmanagement kann eine Lösung sein, um die Belastung und die Überforderung zu reduzieren. Hierbei wird gelernt, wie Zeit optimal genutzt werden kann. Denn manchmal setzt man sich auch selber unnötig unter Druck. »Ich schiebe immer alles vor mir her, bis am Ende des Semesters alles auf einmal auf mich einstürzt«, gibt eine andere Studentin zu. Und viele andere kennen dieses Phänomen sicherlich ebenfalls.

Durch gute Organisation können solche stressigen Situationen minimiert werden. Zunächst sollte in einem Tagebuch festhalten werden, wie ein Tag tatsächlich verbracht wird und wie die zur Verfügung stehende Zeit genutzt wird. Anschließend kann ein Plan erstellt werden, bis wann welche Aufgaben zu erledigen sind, und diese werden dann nach ihrer Dringlichkeit geordnet. Danach wird sich die Arbeit so eingeteilt, dass jeden Tag etwas geschafft wird, ohne sich zu viel zuzumuten. Anstatt also zu denken: »Ich muss in diesem Semester noch so viele Referate halten und Hausarbeiten schreiben«, werden sich kleine Ziele gesteckt. So wird sich nicht vorgenommen, die komplette Arbeit bis zu einem gewissen Zeitpunkt fertig zu haben, sondern es werden sich nur kleinere Abschnitte nacheinander vorgenommen. Durch das Erreichen dieser kleinen Ziele werden immer wieder Erfolgsmomente erlebt, welche helfen, nicht die Motivation zu verlieren.

Wichtig ist jedoch, realistisch zu planen und genügend Pufferzeiten einzuräumen, falls einem doch einmal etwas dazwischen kommt. So werden Stresssituationen reduziert und es kann motivierter und effektiver gearbeitet werden.

Tabuthemen durchbrechen

Was ist, wenn man sich einen Ausgleich verschafft, seine Zeit optimal nutzt und sich dennoch überfordert fühlt? Wie bereits erwähnt, muss sich nicht dafür geschämt werden, dieses Thema anzusprechen. Bevor man krank wird, sollte lieber das Gespräch gesucht werden. Zunächst kann sich an Freunde oder Familienmitglieder gewandt werden, aber auch die psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerks kann aufgesucht werden. Hier wird im Dialog nach Lösungen gesucht und geschaut, ob eine Weiterverweisung an Experten sinnvoll ist oder wie das Problem selber in den Griff bekommen wird.

Über Jule Szymanowski

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Erstellt: 30.12. 2014 | Bearbeitet: 20.12. 2014 23:19