Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Weihnachten am anderen Ende der Welt

Jeder liebt Weihnachten. Es ist zwar eine Zeit, in der die Temperaturen unter null Grad sinken und man nicht ohne warmen Mantel das Haus verlassen kann.

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Es ist auch die Zeit mit einem ganz besonderen Zauber. Man wartet auf den Schnee, man dekoriert den Weihnachtsbaum mit großer Begeisterung und man übt die traditionellen Weihnachtslieder, weil man will, dass am 24. Dezember alles sitzt. Aber natürlich feiern Menschen auf der ganzen Welt in ganz unterschiedlicher Weise das Fest der Liebe.

In meinem Heimatland Frankreich gibt es nicht viele Unterschiede zum deutschen Weihnachten. Wir beginnen ziemlich früh, unsere Häuser zu dekorieren, und Ende November strahlen auch schon die Straßen. Ab dem 1. Dezember können wir ein Glas Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt genießen und ganz viele handgearbeitete Produkte kaufen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, je weiter man in Richtung Osten geht, desto schöner sehen die Märkte aus. In diesem Bereich haben die Franzosen wirklich einen Grund, eifersüchtig zu sein.

Aber wenn es um das Essen geht, kann Frankreich gut mithalten. Wir haben immer am Heiligabend – und auch in den Tagen danach – ein sehr gutes und großes Essen mit Räucherlachs, Austern und dem unvermeidbaren »Foie Gras« (Gänsestopfleberpastete) als Vorspeise. Dann kommt der Masthahn oder die gefüllte Pute mit Bohnen, Kastanien und Kartoffelpüree. Für die, die noch Hunger haben, aber auch diejenigen, die keinen mehr haben, wird noch eine reiche Käseauswahl angeboten und zum Schluss die berühmte »bûche de Noël«, eine mit Schokoladencrème gefüllte Biskuitrolle. Wer anschließend noch laufen kann, kann noch mit der ganzen Familie spazieren gehen.

Diese Aufgabe wäre sicherlich angenehmer, wenn es ein bisschen wärmer draußen wäre. Dafür müssten wir nur an das andere Ende der Welt reisen, nach Australien zum Beispiel. Die Leute können nämlich am 25. Dezember nur in T-Shirt und Shorts vor die Tür gehen. Es ist für uns unvorstellbar, Weihnachten im Sommer zu feiern, aber die Straßen und die Häuser werden trotzdem schon Ende November mit Lichtern dekoriert. Ein Adventskranz wird, wie in Frankreich auch, an die Tür gehängt, und viele Familien haben einen Weihnachtsbaum, wobei dieser meist aus Plastik ist. Was für uns sehr ungewöhnlich ist, ist ihr traditionelles Essen. Es werden bei dieser Hitze Braten, Fisch oder Meeresfrüchte mit Salat gegessen. Viele gehen auch an den Strand, um ein Barbecue vor schöner Kulisse zu genießen. Als Dessert gibt es dort Sommerfrüchte wie Kirschen und Mangos, die dort sehr beliebt sind. Die Tradition, Weihnachtslieder auf der Straße zu singen, wurde von Nordamerika nach Australien exportiert. Die Leute versammeln sich an öffentlichen Orten, tragen Kerzen, und das ganze Ereignis wird dann im Fernsehen ausgestrahlt.

Eine andere wichtige Person an Weihnachten ist natürlich der Weihnachtsmann. Bei uns und in den meisten Ländern Europas ist er ganz in Rot gekleidet, mit schwarzen Stiefeln und einem Gürtel, und er hat einen langen weißen Bart. In Australien kann er das nicht machen, weil es einfach zu heiß ist. Also trägt er ein Hemd, Shorts und Flip-Flops, obwohl er vom Nordpol kommt. In den Niederlanden gibt es keinen. Die Holländer feiern nur mit dem Nikolaus, und der kommt aus Spanien. Er muss durch Frankreich und Belgien mit seinem Komplizen Zwarte Piet (Schwarzer Peter) reisen, um die kleinen Kinder zu erfreuen. Der Legende nach wird er »Schwarzer« genannt wegen des Rußes der zahlreichen Schornsteine, in die er hineinsteigt. Sie kommen nicht am 24. Dezember, sondern in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember. Der Nikolaus verteilt mit der Hilfe von Piet Geschenke und Süßigkeiten, aber nur wenn die Kinder sich das ganze Jahr gut verhalten haben. Diese zwei Personen sind zu richtigen Symbolen geworden. Schon Mitte November gibt es Paraden mit Leuten, die wie Nikolaus und Peter kostümiert sind.

Also sind unsere Traditionen zwar unterschiedlich, aber wir wünschen allen, dass ihr Weihnachten schön wird. Bis dahin habe ich nur einen Rat: Bleibt brav.

Über Anne-Lise Braesch

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Erstellt: 24.12. 2014 | Bearbeitet: 20.12. 2014 23:31