Jul 2014 hastuUNI 0

„Was können wir am leichtesten entbehren?»

Die Neuwahl des Rektors oder der Rektorin für die kommenden vier Jahre steht an: Der erweiterte Senat hat am 2. Juli die Wahl zwischen dem amtierenden Rektor Prof. Dr. Udo Sträter und Prof. Dr. Gesine Foljanty-Jost.

Links im Bild: Gesine Foljanty-Jost, bisher Prorektorin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, und Udo Sträter, amtierender Rektor. Hier am Rande der Stura/FSR-Jubiläumsfeier im Gespräch mit Birgit Dräger, bisher Prorektorin für Struktur und Finanzen, und Hartmut Möllring, Wirtschafts- und Wissenschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt. Foto: Ronny Grütze (Stura Uni Halle)

Links im Bild: Gesine Foljanty-Jost, bisher Prorektorin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, und Udo Sträter, amtierender Rektor.

Hier am Rande der Stura/FSR-Jubiläumsfeier vom 3. Juni im Gespräch mit Birgit Dräger, bisher Prorektorin für Struktur und Finanzen, und Hartmut Möllring, Wirtschafts- und Wissenschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt.

Foto: Ronny Grütze (Stura Uni Halle)

Am Abend des 30. Juni präsentierten die beiden Kandidaten im Audimax ihre Pläne und Ideen, moderiert von von Prof. Dr. Ingrid Mertig, Physik-Professorin und Mitglied im Wissenschaftsrat.

In seiner Rede stellte der amtierende Rektor Udo Sträter seine universitären Ziele für die nächste Legislaturperiode dar. Neben einer gezielten Berufungspolitik von wissenschaftlichem Personal sowie der Stärkung der Kooperation innerhalb der Universität und des Univerbundes mit Jena und Leipzig soll bis 2019 unter anderem ein Schwerpunkt auf der Optimierung der Lehramtsausbildung liegen. Um diese Vorhaben zu finanzieren, sei es wichtig, Landesgelder freizusetzen sowie das Aushandeln von Geldern aus dem Budgets des Hochschulpaktes 2020, aus dem 30 Millionen Euro für die Bildung des Landes zur Verfügung stehen. Hierzu möchte der Theologieprofessor die Debatte um den Hochschulstrukturplan vorantreiben und die Finanzmittel für die Universität diskutieren, um aus dem „Ausnahmezustand 2013« herauszukommen.

Gesine Foljanty-Jost hingegen, die mit Sträter seit vier Jahren im Rektorat zusammenarbeitet, stellte zu Beginn die positiven Ereignisse an der Universität der vergangenen vier Jahre heraus. So werde die MLU im Best-Practice-Katalog der Deutschen Forschungsgemeinschaft genannt und habe Erfolge bei der Internationalisierung und im Mentorenprogramm in Kooperation mit der Uni Jena und Leipzig feiern können. Besonders das Thema wissenschaftlicher Nachwuchs liegt der studierten Soziologin am Herzen. Als Kandidatin für den Rektorensitz sieht sie den ersten Schritt der bevorstehenden Kürzungsanweisung der Landesregierung darin, „einen wissenschaftsgeleiteten Prozess der Schließung» einzuleiten. Die Professorin befindet wie Sträter die Zuweisung der Bildungsgelder als einen weiteren wichtigen Schritt, um aus der „Ermüdung der Universität» herauszukommen. Nun ist es nun möglich, über finanzielle Unterstützung aus den Töpfen des Hochschulpaktes, durch das neue Budget der Länder nach der BAföG-Reform und nach der Aufhebung des Bund-Länder-Kooperationsverbots zu verhandeln. „Deshalb darf es sich bei der Festlegung der Einsparungen auf keinen Fall um einen Prozess von vier Jahren handeln», betont Foljanty-Jost. Ein weiteres Anliegen von Foljanty-Jost ist es, die Aushandlungsprozesse über die Einsparmaßnahmen und verfügbaren Hochschulgelder transparenter zu machen und auch Studierende einzubeziehen.

In der anschließenden Diskussion unter Beteiligung des Publikums wurde deutlich, dass sich beide Kandidaten nicht auf konkrete Einsparmaßnahmen festlegen wollen. „Im Grunde ist das eine unmögliche Diskussion zu fragen, was können wir am leichtesten entbehren», so Sträter. Außerdem besteht im Rahmen der Kürzungsdebatte die Gefahr, dass die Einsparungsmaßnahmen per Verordnung oder Gesetz durchgesetzt werden, wenn sich der Senat der jeweiligen Hochschule nicht zeitnah entschließt. „Die Politiker haben Angst, die Entscheidungen über die Kürzungen im Parlament zu treffen», sagte Sträter. Diskutiert wurde auch über die momentan unausgefüllte Position des Universitätskanzlers. Foljanty-Jost erklärte darauf hin, dass die Stelle zwar ausgeschrieben sei, allerdings solle überlegt werden, ob der Tätigkeitszuschnitt des zukünftigen Kanzlers verändert werden soll. Auf die Frage eines Vertreters des Informatikinstituts nach einer Durchführung eines Normenkontrollverfahrens seitens der Universität, sind sich Sträter und Foljanty-Jost einig, dass sich im Landtag dafür keine Mehrheit finden wird, die Einsparungen per Verordnung durchzusetzen und dass man um keine Einsparungen mehr herumkomme. Ein Mitglied des Senats kritisierte außerdem die vielen befristeten Arbeitsverträge des wissenschaftlichen Personals sowie das Problem der Übernahme von Auszubildenden an die Uni. „Eine gute Lehre kann natürlich nicht nur mit befristeten Mitarbeitern funktionieren, jedoch arbeiten manche Institute traditionell nur mit befristeten Stellen», erklärte Sträter. Foljanty-Jost sieht ein Problem in der mangelnden Personal- und Entwicklungsplanung der Universität. „Das ist bedauerlich, da die MLU dafür bekannt ist, eine hochqualifizierte Ausbildungsstätte zu sein», so die Professorin.

Uneinig sind sich die beiden Kandidaten außerdem darüber, wer über die Kürzungen entscheiden soll. Für Sträter steht klar fest, dass diese Entscheidung nur das Rektorat fällen kann, da weder der neue Senat noch der Landtag bestimmen wollen wird. Foljanty-Jost setzt sich dagegen für eine Senatsentscheidung ein, welche auf der Grundlage von Kriterien und Argumenten beruhen soll. „Dann ist der Senat in der Lage, rational begründete Entscheidungen zu treffen», meinte sie.

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Über Mirjam Hruby

Mirjam hat ihr ASQ bei der hastuzeit absolviert. Da ihr das Texten und Interviewen sehr viel Spaß macht, macht sie auch weiterhin bei der hastuzeit mit.

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Erstellt: 02.07. 2014 | Bearbeitet: 02.07. 2014 14:19