Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Von der Uni zu UNICEF

Zwei Interviews über die UNICEF-Arbeitsgruppe Halle und die Möglichkeit der UNICEF-Campusgruppe, Université Paris Ouest Nanterre la Défense, Frankreich

Foto: Antonio Zugaldia (CC BY 2.0)  Quelle unter dem Text

Foto: Antonio Zugaldia (CC BY 2.0)
Quelle unter dem Text

Donnerstag, 6. November 2014, 14 Uhr an der Händelstatue auf dem hallischen Marktplatz. Normalerweise der wohl beliebteste Treffpunkt der Stadt, doch heute erregt ein Lied plötzlich die Aufmerksamkeit der Wartenden und Vorbeiziehenden. Viele Leute, vor allem Kinder, versammeln sich vor dem Stand.

Eine UNICEF-Mitarbeiterin begrüßt Interessierte und erklärt dass diese Veranstaltung im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Kinderrechtsvertrags organisiert wurde. Es wurden Aktivitäten sowie ein Quiz angeboten, bei dem die Teilnehmenden zum Beispiel Hörspiele gewinnen konnten.

Welche Aktionen organisiert die UNICEF-Arbeitsgruppe Halle darüber hinaus? Wie kann ich mich als Student engagieren?

UNICEF-Arbeitsgruppe Halle

Die UNICEF-Arbeitsgruppe Halle gibt es seit 1993. Sie trifft sich einmal im Monat, um die verschiedenen Aktionen zu besprechen und weitere zu planen. Außerdem geht es um Fragen des Haushalts: Wofür wird das Geld ausgegeben und wie wird es verwaltet? Besprochen werden auch die Ergebnisse der vorherigen Veranstaltungen.

Das kleine Komitee ist eine richtige Gemeinschaft, fast wie eine kleine Familie. Jeder hat eine wichtige Rolle und trotz der Verantwortung sind alle immer gut gelaunt und freundlich. Es ist eine richtige Freude, sie zu treffen und sich über die Kinderrechte zu informieren.

Die hastuzeit hat die UNICEF-Arbeitsgruppe Halle besucht und die Mitglieder gefragt, welche konkreten Aktionen sie geplant oder bereits durchgeführt haben.

Gabriele Klatte: »Am 7. Dezember um 10 Uhr findet der Kunstbasar in der Oper Halle statt. Da werden Kunstwerke, die von Künstlern der Region abgegeben werden, verkauft. Und dieses Jahr wird das Geld gegen Ebola eingesetzt.«

Carolin Vogel: »Alle zwei Jahre gibt es auch die berühmte Spendenlauf-Aktion »Wir laufen für UNICEF«, bei der Schüler aus Halle für UNICEF laufen. Jedes Mal ist es ein Erfolg.«

In Bezug auf das Engagement Studierender vertraute uns Frau Klatte an: »Würde es mehr Studenten geben, könnte man überlegen eine UNICEF-Campusgruppe zu gründen.«

Foto: Thomas Ziegler

Foto: Thomas Ziegler

UNICEF-Campusgruppe, Université Paris Ouest la Défense, Frankreich

Anders als eine UNICEF-Arbeitsgruppe ist eine UNICEF-Campusgruppe nur an einer Universität vertreten und für Studierende gedacht. Das Ziel wäre, junge Leute an der Uni für Kinderrechte zu sensibilisieren. An der hallischen Partner­universität Université Paris Ouest la Défense (UPOND) existiert eine solche Gruppe bereits. Wir haben ein Interview mit der Vorsitzenden des UNICEF-Campus UPOND, Émilie Roland, geführt.

Émilie, warum engagierst du dich bei UNICEF?

Ich studiere im Master Strafrecht und Kriminalistik in der UPOND und das Thema Kindheit und besonders das der Kinderrechte hat mich immer interessiert. Es war also eine Selbstverständlichkeit, mich bei UNICEF zu engagieren. Jetzt arbeite ich ehrenamtlich seit 4 Jahren und hoffe, später für den Kinderschutz arbeiten zu können.

Kannst du etwas über das UNICEF-Campus-Projekt erzählen?

Das UNICEF-Campus-Projekt existiert schon seit vier oder fünf Jahren. Ich arbeitete eigentlich für den Pariser Ausschuss und hatte mich entschieden, eine UNICEF-Campusgruppe an der Université Nanterre zu gründen. Ich wollte andere Studenten auf die Problematik der Kinderrechte aufmerksam machen. Die Gruppe ist ganz neu, also beginnen wir gerade mit unseren Aktionen. Die Gründung hat acht Monate gedauert. Es war sehr lang und mühsam, dennoch sind wir motiviert geblieben. Jetzt gibt es zwölf Studierende, die sich engagieren.

Mit der französischen Verwaltung muss man eben häufig Geduld haben! Welche Projekte habt ihr gerade in Planung?

Für das 25-jährige Jubiläum der Kinderrechte haben wir eine Ausstellung geplant. Des Weiteren werden wir auch Dinge für den Schulbedarf sammeln und Kuchen verkaufen. Es gibt noch ein anderes Projekt, das »Olympiades« heißt. Die StudentInnen werden im olympischen Schwimmbad der Universität schwimmen und für jede geschwommene Bahn wird UNICEF Geld bekommen.

Sollte man spezielle Eigenschaften haben, um Freiwilliger zu werden?

Wie gesagt, man sollte geduldig sein, weil man manchmal viele Genehmigungen beantragen muss. Ich finde es auch gut, wenn die Freiwilligen organisiert und unabhängig sind. Denn sie können so ihre eigenen Projekte am UNICEF-Campus durchführen, zum Beispiel Konzerte oder Ähnliches. Es ist toll, wenn die Leute wirklich beteiligt sind. Ich muss auch sagen, es ist nicht immer einfach, eine Freiwillige zu sein, aber es lohnt sich! Ich bin sehr froh über meine Erfahrungen. Es war sehr bereichernd aus zwischenmenschlicher Sicht. Ich habe viele Menschen kennengelernt; und vor allem fühle ich mich nützlich.

Im Québec wurde eine Auszeichnung auf dem Abschlusszeugnis der freiwilligen StudentInnen eingeführt, um Freiwilligenarbeit zu fördern. Wie findest du das? Wäre es eine gute Idee, wenn man das in Frankreich auch tun würde?

Ich finde es sehr schade. Man sollte keine Benotung für Freiwilligenarbeit bekommen, weil man das von Herzen machen sollte. Wenn ich bei der UNICEF arbeite, ist es nur, weil ich es möchte, weil ich an die Sache glaube, nicht, weil ich eine gute Note haben möchte.
Ein Freund von mir studiert an einer Wirtschaftsschule in Paris. Er musste eine Freiwilligenarbeit machen, um eine gute Note zu bekommen, weil eine Freiwilligenarbeit zu machen »gern gesehen« ist, um einen Beruf zu bekommen: Kein Projekt bedeutete dort durchgefallen, mit der Anzahl der Projekte stieg die Note, bei drei Projekten gab es beinahe die Bestnote. Er hatte eine »gute Tat« vollbracht, also bestanden. Eigentlich hat er nur für eine halbe Stunde vor einem Stand gewartet. Das ist echt schade.
Aber das studentische Engagement wird in Frankreich immer stärker, vor allem an den Universitäten. Darauf können wir stolz sein.

Wenn du Studierende überzeugen möchtest, sich bei UNICEF zu engagieren, was würdest du sagen?

Gute Frage. Ich glaube, dass Wichtigste ist, an den Kinderrechten interessiert zu sein. Aber wenn ich Studierende überzeugen möchte, würde ich eher sagen: »Wir sind ein gutes Team von zwölf Mädels, die sehr motiviert und dynamisch sind, also worauf wartest du?«
Na ja, ernsthaft würde ich sagen: »Wenn du glaubst, dass Kinder die Zukunft sind, dann komm zu uns!«

Quelle des Fotos von Antonio Zugaldia

  • Wenn dieser Artikel dich inspiriert hat, kannst du unter folgenden Links mehr Informationen über UNICEF finden:
    http://www.unicef.de
    www.halle.unicef.de
  • Oder direkt im Büro von der UNICEF-Arbeitsgruppe Halle:
    Kuhgasse 5, 06108 Halle / Bürozeiten: Di 10–13 Uhr ; Mi, Fr 15–18 Uhr und Sa 11–13 Uhr / 0345/6825987

 

Über Elodie Sauër

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Erstellt: 21.12. 2014 | Bearbeitet: 21.12. 2014 01:04