Dez 2014 hastuUNI Nr. 57 0

Vom Sollen und Sein − Institutsgruppen

Über gute Ideen, Probleme und das gemeinsame Ziel studentischen Engagements

Foto: Carolin Schmidt

Foto: Carolin Schmidt

Wer sich an der Universität – neben seinem Studium – für Studenten einsetzen möchte, kann zwischen verschiedenen Formen und Ebenen wählen. Besonders deutlich zeigt sich dies für die Studenten an der Philosophischen Fakultät I, in der man zwischen drei Instanzen entscheiden kann.

Übergeordnet über allen Formen studentischen Engagements steht der Studierendenrat (StuRa). Die untergeordneten Fachschaftsräte (FSR) der verschiedenen Fakultäten der MLU decken in ihrer Funktion pro forma die einzelnen Zweigbereiche ab. Neben dem StuRa beziehungsweise seinen Fachschaften bestehen auch noch andere Formen, die das Arbeiten in diesen Gremien effektiv gestalten sollen. Zu nennen wären in diesem Falle beispielsweise die Arbeitskreise und ‑gemeinschaften sowie Interessenvertretungen und ‑gruppen. Abseits dessen existiert aber noch ein ganz anderes Format studentischen Engagements: die Institutsgruppen (IG).

Von der Theorie zur Praxis

In der Theorie sind Institutsgruppen ihrer zugehörigen Fachschaft unterstellt und können laut StuRa-Satzung von ihr gegründet und wieder aufgelöst werden. Im Wesentlichen bestehen sie, um drei Aufgaben zu erfüllen. Erstens sollen sie die fachspezifischen Belange wahrnehmen, zum Zweiten die studentischen Interessen ihres Bereiches gegenüber dem zugehörigen Fachschaftsrat repräsentieren und drittens fachspezifische Beziehungen zu Studierenden anderer Hochschulen pflegen. Überdies ist im speziellen Fall in der Geschäftsordnung des FSR der Philosophischen Fakultät I auch geregelt, welche Formen Institutsgruppen annehmen und wie sie sich finanzieren können. Auf dem Papier zeichnet sich eine solide Konstruktion ab, die durch zwei vorausgesetzte Pfeiler gestützt werden soll: Kontinuität und funktionierende vertikale Kommunikation. Doch was auf dem Papier funktioniert, muss sich erst in der Praxis bewähren.

Der Sonderfall der Philfak I

Seit der Zusammenlegung des Fachbereichs Geschichte, Philosophie und Sozial­wissenschaften mit dem Fachbereich der Kunst-, Orient- und Altertumswissenschaften zur Philosophischen Fakultät I im Wintersemester 2006/2007 ist der Wirkungsbereich dieses FSR deutlich größer geworden. Um die »Übersicht zu behalten« und eine »gute Betreuung« der Studierenden der acht Institute gewährleisten zu können, so heißt es auf der offiziellen Seite des FSR, setzt dieser Institutsgruppen ein und unterstützt sie. Institutsgruppen sind demnach notwendig – aber ein kleiner Gedankenexkurs sei gestattet. Gehen wir davon aus, dass dem FSR tatsächlich daran gelegen ist, eine gute Betreuung zu gewährleisten und die Übersicht zu behalten, um selbst gute Arbeit zu leisten. Was ist, wenn es niemanden gibt, der sich in einer Institutsgruppe engagieren möchte? Übernimmt dann der FSR ihren Aufgabenbereich im jeweiligen Institut?

Die Antwort lautet: Nein. Der FSR versteht sich als Instanz, der im Interesse der Fakultät handelt und daher versucht auf allgemeinerer Ebene einen Nenner zu finden, der die vielfältigen Interessen seiner Institute vereinen kann. Das heißt aber nicht, dass er für diese Institute eigene, fachspezifische Plattformen schafft, unter anderem in Form von Exkursionen, Filmabenden, Vortragsreihen oder Sommer- und Weihnachtsfeiern. Sollte es niemanden geben, der den studentischen Alltag in welcher Form auch immer freiwillig bereichern möchte, liegt das offiziell studentische Angebot innerhalb des betreffenden Studiengangs brach. Eine Vorstellung wie diese gruselt einer Handvoll engagierten Idealisten genug, um dem entgegenzuwirken.

Probleme der Institutsgruppen

Ideale hin oder her, viele Organisationsformen der MLU, die auf Freiwilligkeit beruhen, haben oft mit den gleichen Problemen zu tun. Eins davon ist der fehlende Mitgliederzulauf, der im Zusammenhang mit zwei anderen großen Problemen einhergeht: dem Zeit-Nutzen-Denken und dem Präsenzzwang.

In einer Generation, in der man sich dafür rechtfertigen muss, warum man wie viel Zeit für eine bestimmte Sache verbraucht, überzeugt eine Masse erst dann eine gute Idee, wenn sie auch praktische Argumente liefert. Die Möglichkeit, seine Tätigkeit in einer IG für sich nutzbar zu machen, zum Beispiel als ASQ, steigert die Attraktivität solcher Angebote. Diese Art von Belohnung ist deswegen notwendig, weil eben nicht alles so funktioniert, wie es auf dem Papier funktionieren soll.

Das fängt bei der Frage nach der Kontinuität an und zeigt sich in der mangelnden Kommunikation, den beiden Pfeilern, die das studentische Engagement eigentlich stützen sollten.

Kontinuität ist bei den offiziell gewählten Gremien kein Thema, jedes Jahr im Mai wird ihre Existenz neu bestätigt. Institutsgruppen jedoch bestehen oder bestehen eben nicht, je nachdem ob es in den verschiedenen Semestern Freiwillige gegeben hat. Gab es eine Institutsgruppe eine Zeit lang nicht, gleicht es einem Neuanfang für diejenigen, die die Idee wiederbeleben wollen. Verschütt gegangene Passwörter und Zugangsdaten müssen in Erfahrung gebracht werden, ebenso wie das Wissen, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln eine Institutsgruppe ihren Beitrag leisten kann.

Foto: Carolin Schmidt

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Deutliche Kommunikation innerhalb der Möglichkeiten sieht auch anders aus. Ein Blick auf die offiziellen Seiten der MLU zeigt, wie verstaubt einige Informationen über die Möglichkeiten des studentischen Engagements sind. Da kann es schon mal passieren, dass die »aktuellen« Termine und Daten den Stand um 2007 markieren oder dass über die Jahre Kontakte zu den Institutsgruppen abgebrochen sind. Im FSR ist es daher immer wieder eine Herausforderung, sich folgenden Fragen zu stellen: Welche Institutsgruppen gibt es überhaupt noch und inwiefern sind sie aktiv? Einige IGs haben sich über die Jahre wegen der wechselnden Rahmenbedingungen eine gewisse Selbstständigkeit erarbeiten müssen und organisieren beziehungsweise finanzieren sich im Großen und Ganzen selbst. Von dieser Leistung einmal abgesehen, besitzen sie in dieser Form eigentlich keine Legitimation, und eine Existenz wie diese ist auch nicht die vorteilhafteste. Eine Zusammenarbeit mit ihrem Fachschaftsrat würde nicht nur ihre Position in der universitären Hochschulstruktur festigen, sondern sie auch finanziell absichern. Funktionierende Kommunikation müsste an diesen Punkten ansetzen und den Unterschied zwischen dem, was auf dem Papier steht, und dem, zu was sich Institutsgruppen entwickelt haben, angleichen – wenn nicht gar komplett neu überdenken.

Ein weiteres Problem ist der Präsenzzwang. Um wahrgenommen zu werden, ist es kaum noch möglich, nicht von modernen Kanälen und Plattformen Gebrauch zu machen. Facebook mutiert zusehends zu eine personalisierten Litfaßsäule, und auch die gedruckten Medien erschlagen ihren Betrachter. Diesen Eindruck muss man gewinnen, wenn man durch die Institute läuft und Pinnwände überquellen, Flyer leere Korridore entlang wehen und hinter dem fast abgefallenen XXL-Plakat irgendeines Partymachers eine laufende universitäre Vortragsreihe zum Vorschein kommt. Es ist ein stetiger Kampf der IGs, nicht als »tot« oder »inaktiv« gelabelt zu werden, und er ist an mehreren Fronten gleichzeitig auszutragen. Das Feld des freiwilligen Engagements ist ein weites.

Das blühende Zeitalter der Institutsgruppen am GSZ

Im Spätsommer 2015 soll das Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum (GSZ) bezugsfertig sein, für das bislang viel Zeit und Geld in Anspruch genommen wurde. Bei all dem Unmut, der über die Veränderung aufgekommen ist, wird es jedoch Zeit, eine neue Perspektive einzunehmen, denn mit dem Umzug ins GSZ könnte das Zeitalter der Institutsgruppen gekommen sein. Die räumliche Zentralisierung ist ein Einschnitt, der die jetzigen Rahmenbedingungen grundlegend verändert.

Auf einem gemeinsamen Campus können IGs in Zukunft leichter aufeinander zugehen, deren Wege sich vorher nie gekreuzt haben. Tür an Tür können sie das Gespräch suchen und gemeinsam an ihrem Hauptziel arbeiten, den studentischen Alltag zu bereichern. Schließlich gibt es jenseits der gängigen Formate noch viele neue, gute Ideen, die darauf warten, umgesetzt zu werden. Zusammen kann es ihnen gelingen, das Angebot für die Studierenden facettenreicher zu gestalten, ohne dass sie als Einzelkämpfer-IGs an ihren Problemen verzweifeln. Eine vernetzte Studierendenschaft muss Gedanken an gemeinsame, große Projekte nicht aufs Irgendwann verschieben, sondern kann Interdisziplinarität direkt umsetzen. Kurzum, eine verbundene Studierendenschaft kann mehr bewegen, und das nicht nur in Kürzungszeiten.

Über Carolin Schmidt

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Erstellt: 08.12. 2014 | Bearbeitet: 08.12. 2014 01:17