Apr 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

»Vertraue nicht blind«

Ein Interview mit Melanie Grießer von der Initiative »Sendeschluss – Projekte und Gesichter eines bedrohten Studiengangs« der Medien- und Kommunikationswissenschaften

Foto: Melanie Grießer

Foto: Melanie Grießer

Was ist die Initiative »Sendeschluss«?

Wir sind eine Gruppe von Studierenden der Medien- und Kommunikationswissenschaften, die sich wegen der drohenden Schließung unseres Departments zusammengefunden hat. Die ersten Treffen begannen schon im Sommer 2013, als unser Fach auf dem umstrittenen, inoffiziell geklaut-geleakten Möllring-Papier als möglicher Streichkandidat auftauchte. Uns war auch schon länger bewusst, dass die altersbedingt frei werdenden Professuren am Department gefährlich sind und leicht als willkommener Anlass zum Geldsparen missbraucht werden können. Wir haben damals angefangen, uns zu organisieren und erste Aktionen zu planen. Hier entstand auch die Idee zu unserer Protest-Website. Richtig aktiv sind wir geworden – und konnten wir erst werden –, als das Rektorat Anfang Februar dann tatsächlich einen Immatrikulationsstopp ins Gespräch gebracht hat.

Was wollt ihr mit der Initiative erreichen?


Wir wollen erreichen, dass die gesellschaftlich wichtigen Medienstudiengänge auch in Zukunft weiter in Halle studiert werden können. Wir fordern weiterhin, Lehre und Forschung am Department für Medien-und Kommunikation langfristig durch unbefristete Professuren, eine angemessene Zahl an Mitarbeitern und ein zukunftsorientiertes Profil zu sichern.
Das hieß zunächst, den drohenden Einschreibestopp zu verhindern. Entgegen des vom Rektorat vorgeschobenen Arguments ist ein Immatrikulationsstopp überhaupt nicht nötig, auch wenn die fachlichen Schwerpunkte der Medienstudiengänge für ein zukünftiges Profil überarbeitet werden. Der Einschreibestopp war ganz klar der Versuch, bei der nächstbesten Gelegenheit etwas Geld zu sparen.
Unser Protest steht also klar in dem größeren Kontext der aktuellen Kürzungsdiskussionen in Halle und in ganz Mitteldeutschland. Wir wollen, dass transparent und zukunftsorientiert die lange geforderte Profildiskussion stattfindet und bei entsprechenden Ergebnissen auch Forderungen nach
besserer finanzieller Ausstattung der Hochschule vertreten werden, anstatt sich blind einem entwicklungsfeindlichen Spardiktat zu ergeben.

Was waren eure bisherigen Aktionen?

Wir haben zunächst unsere Protestseite sendeschluss-halle.de aufgesetzt, auf der wir zeigen, warum die Medienstudiengänge erhalten bleiben sollen. Wir haben in einer Online-Petition innerhalb von 30 Tagen über 5000 Unterschriften für »zukunftssichere Perspektiven für die Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Halle« gesammelt. Es gab Aktionen auf dem Marktplatz (Flash- oder vielmehr ›Infomobs‹), es entstand ein toller Videoclip zu den Medien- und Kommunikationswissenschaften (www.youtube.com/watch?v=us0MP2J-J_Q), es gab Audiobeiträge und im Hintergrund viel Vernetzung, etwa mit dem Aktionsbündnis.
Wir haben Leute über die Situation informiert und als letztes auf der
Senatssitzung, am 12. März, persönlich gezeigt, was wir von einem Immatrikulationsstopp halten.

Wie geht es weiter? Sind weitere Aktionen geplant?

Nach einer kurzen Verschnaufpause nach der letzten Senatssitzung werden wir für die kommende Sitzung im April wieder mobilisieren. Die Abstimmung ging zwar zu unseren Gunsten für neue Einschreibungen aus, aber die offene Frage der Einschreibezahlen soll keine Gelegenheit werden, noch mal an der Grundsatzentscheidung zu rütteln.
Ich vertraue nach allem, was ich bisher über die Abläufe an dieser Universität mitbekommen habe, nicht blind darauf, dass automatisch das Richtige geschieht, wenn man nicht daneben steht und es einfordert.
Und wenn die Zukunft der Medienwissenschaften an der MLU erst mal formal gesichert ist, müssen wir uns weiter dafür einsetzen, dass auch tatsächlich Professuren ausgeschrieben und genügend Mitarbeiter eingestellt werden, um gute Bedingungen am Department zu schaffen.
Darüber hinaus bleibt das dahinter liegende Problem der Kürzungsdiskussion bestehen. Das erfordert weiteren Einsatz und ein wachsames Auge auf die Entscheidungen, die in den universitären Gremien und dem Landtag getroffen werden.

Interview: Tobias Hoffmann

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 29.04. 2014 | Bearbeitet: 26.06. 2014 13:35