Nov 2014 hastuUNI 0

Verpiss dich, Sintflut

Warum Du am Dienstag um 14 Uhr demonstrieren gehst

Foto: Tobias Hoffmann

Uni bald unter Wasser verschwunden?
Foto: Tobias Hoffmann

»Nach mir die Sintflut.« Dieser Satz ist eine Phrase, ein pauschaler Satz. Kein echter Satz, denn dafür fehlt das Verb. Doch dieser Möchtegern-Satz rückt etwas ins Zentrum, was uns allen wichtig ist: Das »mir«. Und er äußert sich zu dem, was passieren wird, wenn man selbst nicht mehr da ist: Die Sintflut.

Eine Sintflut bedeckt alles. Ich sehe nichts mehr, was war. Und ich muss auch nicht sehen, was verloren gegangen ist. Worum es vielleicht schade ist. Mir wird dieser Anblick erspart. Und es ist mir angenehm, dass mir dieser Anblick erspart wird. Denn so muss ich kein schlechtes Gewissen haben, dass das, was zurückbleibt, mir egal ist.

Wenn ich mein Studium abgeschlossen habe, bin ich weg. Was interessiert mich noch Halles Kultur- und Bildungslandschaft? Ich möchte sowieso nicht hierbleiben.

Halle hat eine reiche Kulturszene und eine lebendige Universität. Das Neue Theater spielt regelmäßig außergewöhnliche Stücke, trotz schmaler Finanzierung. Die Uni hat Potenzial mit bald drei modernen Campus-Anlagen. Hier könnte Sachsen-Anhalts Zukunft ausgebildet werden. Neue Ideen aus ganz Deutschland für ein Bundesland voller Abwanderung mit Mangel an jungen Menschen und unternehmerischen Ideen. Man müsste nur investieren. Das Geld ist da. Vom Bund zur Verfügung gestellt. Für die Hochschulen, für die Jugend und ihre Ausbildung.

Nachdem ich Niedersachsen verbockt habe, möchte ich mich als Sparpolitiker und Macher profilieren. Was mit Sachsen-Anhalt zukünftig geschieht, ist mir egal.

Halles Studierende machen fast ein Zehntel der Bevölkerung dieser Stadt aus. Nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt sorgen sie für Umsatz in einer Stadt, die keine wirtschaftliche Schwächung mehr verträgt. Sie bringen Kulturinitiativen und Impulse für eine Stadt, von deren Schönheit viele außerhalb Halles nichts wissen. Jede Kürzung, egal welchen Fachbereich es trifft, ist am Ende ein Verlust für alle. Seit der Kehrtwende aus Berlin auch ein finanziell unnötiger Verlust. Es existieren Millionen aus Berlin, die nur für die Bildung an Universitäten bereit gestellt wurden. Sie müssen nur abgerufen werden.

Mein Job ist sicher bis zur Rente. Ich bin als Professor berufen und damit zufrieden. Ob die Universität auch in Zukunft attraktiv ist und Forschung betreibt? Naja, schön wär’s schon, aber dafür einen Konfrontationskurs riskieren? Bis ich in Rente gehe, wird’s schon irgendwie weitergehen.

Der Kommilitone will jetzt Halles Vorteile genießen, später ist er weg.
Sintflut.
Möllring hofft auf einen guten Posten nach dieser Legislaturperiode.
Sintflut.
Der Professor ruht sich auf seiner Stelle aus, für die Universität zu streiten behagt ihm nicht.
Sintflut.

Manchen ist Halles Zukunft egal.

Vielen Kommilitonen nicht.

Wenigen Professoren nicht.

Dir nicht.

Darum gehst Du Dienstag demonstrieren.

Verpiss dich, Sintflut!

  • Demo am Dienstag 2. Dezember um 14 Uhr am Friedemann-Bach-Platz und 16 Uhr vor der Oper!
  • Facebook-Veranstaltung
Foto: Tobias Hoffmann

Nichts sehen, nichts hören, erst recht nichts sagen: Erschreckend viele MLU-Profs
Foto: Olli Henze Flickr (CC BY-ND 2.0)

Fotonachweis:
Olli Henze, abrufbar: https://www.flickr.com/photos/gruenewiese/8482223296/in/photostream/

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 30.11. 2014 | Bearbeitet: 29.01. 2015 20:09