Okt 2014 hastuUNI Nr. 56 0

Überlebenskampf mit Exzellenz

Die Uni Heidelberg will sich als Elite profilieren. Doch auch ihr selbst tut der Wettlauf nicht gut.

Der Heidelberger Rektor Bernhard Eitel setzt auf  Konkurrenz und Wettbewerb statt Kooperation. Foto: Christian Watzke (CC BY-SA 3.0) http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dr._Bernhard_Eitel.jpg

Der Heidelberger Rektor Bernhard Eitel setzt auf
Konkurrenz und Wettbewerb statt Kooperation.

Foto: Christian Watzke (CC BY-SA 3.0)
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dr._Bernhard_Eitel.jpg

Deutschlands Hochschullandschaft glänzt international durch ihre Breite: Im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum kann man in Deutschland bisher annähernd gleichwertig das jeweilige Fach an den verschiedenen Hochschulen studieren. Als eine der international anerkanntesten deutschen Hochschulen möchte die Universität Heidelberg nicht mehr diese Stärke ausbauen, sondern sie zu eigenen Gunsten als lobbyistische Einzelkämpferin untergraben. Dabei ruft sie außer- und inneruniversitär einen harten Überlebenskampf aus.

2012 gründete sich unter der Führung der Universität Heidelberg die »German U15«. Diesem Verband gehören 15 forschungsstarke Universitäten Deutschlands an. Das Ziel der »German U15« ist nichts anderes als die deutsche Hochschullandschaft zu spalten: So ist von einer arbeitsteiligen Hochschullandschaft die Rede. Zu Gunsten von Spitzenforschung an einzelnen Standorten soll an anderen nur noch Lehre stattfinden. Das zielt auf nichts anderes als eine Zweiklassengesellschaft ab. Neben gut ausgestatteten forschungsstarken Universitäten gibt es reine Lehranstalten, die entsprechend weniger Mittel bekommen. Die akademischen Abschlüsse an jenen Hochschulen sind dann besonders in den sogenannten MINT-Fächern weniger wert: Aufwendige Abschlussarbeiten sind bei weniger Mitteln und einer schlechteren Ausstattung dann nicht mehr möglich. Die jeweiligen Hochschulen werben dann weniger Drittmittel ein. Infolgedessen erhalten sie vom Land bei den Budgetierungsverhandlungen wiederum mit Verweis auf die Leistungen keine bessere Grundfinanzierung, um mithalten zu können. Damit wird die entstehende Schieflage zementiert.

Dies spielt sich aktuell schon in der Exzellenzinitiative ab. Hochschulen wie die Universität Heidelberg, die drittmittelstark sind, haben bei der Exzellenzinitiative viel bessere Chancen auf noch mehr Gelder.

Auch inneruniversitär herrscht an der Ruprecht-Karls-Universität der Wettbewerbsgedanke vor: Was durch Drittmittel gefördert wird, wird überproportional gestärkt: Ein Fach wie Assyriologie hat mit 50 Studierenden zwei Lehrstühle und die Romanistik mit 2000 Studierenden nur vier.

Professuren durch die Exzellenzinitiative ändern daran nichts: Diese erhalten Fächer mit einem hohen Drittmittelaufkommen. Da die Förderdauer jedoch auf fünf Jahre begrenzt ist, muss die Universität den Fortbestand der Stelle langfristig aus dem eigenen Pool an Lehrstühlen aus der Grundfinanzierung gewährleisten. Nach Ablauf der Förderung wird also einem anderen Fach eine Professur entrissen. Dies geschah vor vier Jahren an der Universität Heidelberg mit einem Lehrstuhl für Übersetzen ins Englische, der der Volkswirtschaftslehre zugeschlagen wurde.

Das Ergebnis der Profilbildung: In vielen geisteswissenschaftlichen Fächern kann das grundlegende Lehrangebot nur noch durch Lehraufträge bestritten werden. Oft erhalten Dozenten zwei Lehraufträge, die dann für sie vier Stunden Lehre bedeuten. Dabei betreuen sie oft mehr als 100 Studenten über ein ganzes Semester. Die Entlohnung beträgt hierfür oft nicht mehr als 2000 Euro. Darunter leiden Forschung und Lehre gleichermaßen, wodurch eben das Fach innerhalb der Universität Heidelberg noch weiter geschwächt wird.

Text: Ziad-Emanuel Farag
Ziad-Emanuel ist Redakteur bei der Heidelberger Studentenzeitung Ruprecht.

Über Gastbeitrag

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Erstellt: 31.10. 2014 | Bearbeitet: 31.10. 2014 23:43