Jun 2014 hastuINTERESSE Nr. 55 0

Studiengeflüster

263 Studiengänge bietet die MLU an 10 Fakultäten an, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 4: »Was tun bei einer Schreibblockade?«

Foto: Luise Henze

Foto: Luise Henze

Wie soll ich diese leeren Seiten füllen? Wo soll ich anfangen, und woher weiß ich, was wichtig ist? Was erwartet der Prof von mir?

So in etwa denkt ein Student, wenn er sich mit dem Verfassen einer umfangreichen Textarbeit überfordert fühlt. Zu weit verbreitet sind aber die Vorurteile, ein solches Schriftstück solle mehr oder weniger aus dem Ärmel geschüttelt werden und Schreiben sei auch mit wenig Übung unkompliziert und einfach zu praktizieren. Natürlich steht man mit seiner Verunsicherung nicht alleine da, denn der großen Mehrheit der Studenten graut es vor dem leeren weißen Blatt auf dem Computer. Diese gedankenblockierende Vorstellung entsteht, weil die Betroffenen meist keine Kenntnisse darüber haben, wie man einen Text komponiert. Er sollte schrittweise entstehen und ist selten nach dem ersten Schreiben fertig oder perfekt.

Hindernisse können vielseitig sein

Aus dieser Blockade entsteht oft Energie, die von den meisten zur Ablenkung genutzt wird. Es wird ein wahrer Aufräum- und Putzmarathon begonnen, die Blumen umgetopft oder das Fahrrad repariert, denn das musste ja sowieso mal getan werden. Damit verschwendet man aber nicht nur Zeit, sondern auch wertvolle Energie, nur um nicht zu schreiben.
Ein weiteres Hindernis bildet die Angst, etwas Falsches zu schreiben. Besonders junge Semester sind von Fragestellungen und Diskussionen, die nicht mit der richtigen Antwort zu lösen sind, eingeschüchtert. Es entsteht großer Respekt vor wissenschaftlichen Publikationen, was sie ebenfalls wieder unter Druck setzt, der Text müsse es damit aufnehmen können und auf Anhieb stehen. Dass dies aber ein Trugschluss ist und mehrmaliges Umschreiben in der Regel der Weg zu einem guten Text ist, zeigen selbst routinierte Autoren.

Kleine Regeln

Es empfiehlt sich, den Text zuerst »runterzuschreiben«, ohne jeden Satz ausarbeiten zu wollen. Somit sind die Kerngedanken festgehalten, und an der Formulierung kann nach und nach gefeilt werden.

Bei der ersten Fassung sowie später bei der Bearbeitung sollte jedoch darauf geachtet werden, umständliche und schwer verständliche Schachtelsätze zu vermeiden. Entgegen der Annahme, sie würden Eindruck machen, verkomplizieren sie die Aussagen und lassen den Text unnötig geschwollen und überhöht formuliert wirken. Man sollte nicht versuchen, eine wissenschaftlich klingende Sprache zu kopieren, sondern mit der Zeit seine eigene persönliche Ausdrucksweise finden.

Was, wenn gar nichts geht?

Tipps zur individuellen Anwendung

  1. Versuche zuerst einmal zu analysieren, was dich im Schreibfluss stört. Vielleicht ist es einfach zu beheben?
  2. Beginne mit dem Teil, der dir am leichtesten fällt.
  3. Wechsle dein Schreibgerät: vom Kuli zum Bleistift, vom Computer zum Block, manchmal gibt dir das das nötige Umdenken.
  4. Richte den Text an eine bestimmte Person. Erkläre ihr den Inhalt. Streiche später die Anrede.
  5. Nimm dir jeden Tag ein bestimmtes Pensum vor. Vielleicht reicht schon ein einziger Satz?!
  6. Wechsle deinen Schreibort: Immer nur der Schreibtisch ist dir zu langweilig? Schreib doch mal neben der
    Wasch­maschine, im Café oder im Zimmer eines Freundes.
  7. Mach einfach mal eine Pause.
  8. Den Körper mit Sport abzulenken macht den Kopf frei. Setz dir ein Zeit­ultimatum, um nicht dein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren.
  9. Schreibe zu einer anderen Uhrzeit.
  10. Tausche dich mit anderen aus. Haben sie ähnliche Probleme und neue Tipps?

Was tust du, wenn du eine Schreibblockade hast?

Foto: Josefine Farkas

Foto: Josefine Farkas


Anna, 21 (Politikwissenschaft und Soziologie)

Bei einer totalen Schreibblockade lege ich die Unterlagen weg und mache erst mal ca. 20 Minuten etwas anderes. Dann lese ich mir durch, was ich bereits geschrieben habe. Wenn ich dann nicht weiter weiß, versuche ich erst mal, Stichpunkte zu machen oder eine Mindmap, um meine Gedanken zu strukturieren. Manchmal lese ich auch anderen vor, was ich schon geschrieben habe. Das hilft mir oft weiter.

 

Foto: Josefine Farkas

Foto: Josefine Farkas

Elisabeth, 20 (Sprechwissenschaft)

Mir hilft es bei Schreibblockaden, mich abzulenken in Form von Aktivitäten, die nichts mit der Sache zu tun haben: Fernsehen, mit Freunden was unternehmen oder rausgehen. Apropos mit Freunden weggehen, sich mit anderen über das Geschriebene zu unterhalten sorgt für einen anderen Blickwinkel oder für neue Ideen, die meist sehr hilfreich sind. Ganz gut ist es auch, beim Arbeiten mal nicht am Computer weiterzuschreiben, sondern sich handschriftlich einen Überblick zu verschaffen oder etwas zu skizzieren.

Foto: Josefine Farkas

Foto: Josefine Farkas


Marie, 20 (Erziehungswissenschaft)

Der Kopf ist leer, die Konzentration im Keller, und das Blatt bleibt weiß. Bei Schreibblockaden finde ich es hilfreich, wenn ich mir erst mal einen ruhigen Ort suche. Also auf Fernseher, Handy und andere Spaß- und Störfaktoren verzichte, auch wenn es schwer fällt. Mir hilft es, wenn leise Musik im Hintergrund läuft, ich würde allerdings auf Death Metal oder Hard Rock verzichten. Wenn absolut gar nichts mehr klappt, bringe ich mich dazu, nicht krampfhaft zu versuchen, etwas aufs Blatt zu bringen. Das verursacht meist nur schlechte Laune und Verzweiflung. Also weg vom Papier (heute eher dem Monitor), und dann suche ich mir andere Wege, mich zu inspirieren. Die besten Ideen kommen mir nämlich meistens nicht vor dem Laptop, sondern beim Spazierengehen, bei Gesprächen mit Freunden, beim Joggen oder Saubermachen.

Über Luise Henze

,

Erstellt: 28.06. 2014 | Bearbeitet: 28.06. 2014 18:06