Feb 2014 hastuUNI Nr. 52 0

Sträter: Protest hat Wirkung gezeigt

Im Interview mit der hastuzeit zum »Bernburger Frieden« erklärt Uni-Rektor Sträter, warum er den Studierenden dankbar ist und doch nicht glaubt, dass diese mit dem Kompromiss zufrieden sind.

Foto: Christian Schoen

Haseloff und Uni-Rektor Sträter: Sieht so Einigkeit aus? Foto: Christian Schoen

Guten Tag, Herr Prof. Dr. Sträter. Wissen Sie noch, was Sie nach dem »Bernburger Frieden« auf der Fahrt zurück nach Halle gedacht haben?

Da habe ich gedacht: Bernburger Frieden ist ein starkes Wort. Der Ministerpräsident hat lieber vom »Bernburger Durchbruch« gesprochen, und das ist es auch eigentlich: also die Eröffnung neuer Verhandlungen.

Die Wortschöpfung »Bernburger Frieden« ging durch die Medien. Die MZ vermutet eine Anspielung auf den »Westfälischen Frieden« nach dem Dreißigjährigen Krieg. Münster und Osnabrück, wo jener westfälische Friedensschluss einst verkündet worden ist, sind sehr stolz auf dieses Ereignis. Können die hallischen Studenten denn auch zufrieden oder sogar stolz auf das Ergebnis dieses »Friedens« sein?


Die hallischen Studierenden sind sicher nicht zufrieden. Weil wir in gewisser Weise einen für uns sehr günstigen Kompromiss erzielt, aber eben die Kürzungen nicht völlig abgewendet haben. Das schien uns Rektoren unrealistisch. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir erreichen konnten und was verabredet worden ist.

Herr Haseloff hat gegen Ende auch nicht den Eindruck erweckt, als wolle er mit aller Gewalt jeden Plan durchsetzen. Ein Vorwurf lautet, man habe sich zu früh mit den Kürzungen abgefunden. Hätte man mit dem Schließen des Kompromisses nicht noch etwas warten können?

Ich denke, dass nicht mehr zu erreichen gewesen wäre. Wir haben die Möglichkeiten ausgereizt. Es ist viel von den drohenden Kürzungsmaßnahmen abgewendet worden. Wir blicken auf eine gewisse Stabilität im Budget bis 2019. Wir leisten einen Konsolidierungsbeitrag von 1,5 %. Das sind 0,5 % mehr, als wir ohnehin geleistet haben. Also ich denke, sehr viel mehr wäre da nicht drin gewesen.

Wenn Sie an die letzten Wochen und Monate zurückdenken: Es war ja einiges los. Wie haben Sie die Zeit mit Protesten, internen Papieren, Hallenser und Magdeburger Animositäten erlebt?

Ich bin zunächst einmal sehr froh über diese Proteste. Man kann rundheraus sagen, ohne die Proteste, beginnend mit dem 30. April 2013 auf dem Markt in Halle, hätte sich sicherlich auf diese Weise nichts bewegt. Und diese Proteste haben auch in der Politik Überraschung und auch viel Bewegung ausgelöst. Also zunächst einmal: Sehr herzlichen Dank an alle, die sich beteiligt haben. Auf dem Markt, am Uniplatz oder auch in Magdeburg. Das hat gezeigt, dass es ein ganz großes Engagement für die Universität in Halle, auch speziell für die Hochschulmedizin, gibt. Und dass nicht nur die Studierenden bei den Demonstrationen waren, sondern auch viele Hallenserinnen und Hallenser aus ganz verschiedenen Bereichen.

Viele Studierende sollen sich gewundert haben, dass sie so selten auf den Demonstrationen als Redner aufgetreten sind. Warum war das so?

Ich glaube nicht, dass ich so selten aufgetreten bin. Ich bin bei der ersten Demonstration am 30. April 2013 aufgetreten. Und ich bin dann am 15. Mai auf dem Uniplatz als Redner aufgetreten, ich habe dann in Magdeburg dem Kollegen Strackeljan den Vortritt gelassen. Und bei der gemeinsamen Demonstration mit den Kultureinrichtungen in Halle war ich mit in der ersten Reihe der Demonstranten.

Nun plant das Land auch – anders als andere Bundesländer – seine Zuschüsse für die Studentenwerke massiv zu reduzieren. Das Ergebnis werden sicherlich höhere Semestergebühren sein. Dazu auch Kürzungen im Kulturbereich, die sich wohl nicht milde abfassen lassen. Verliert Halle hier nicht gerade zu massiv an Attraktivität?

Das ist natürlich ein starkes Argument für den Erhalt der Wissenschafts- und Kultureinrichtungen. Die sind im Grunde das Pfund, mit dem wir wuchern können. Und die machen viel von der Attraktivität von Halle und auch der anderen Städte in Sachsen-Anhalt aus. Hier sind massive Kürzungen fehl am Platz. Was die Studentenwerke anbelangt – da müssen wir weiter reden. Jetzt ist der Haushalt des Landes für 2014 verabschiedet, aber der Doppelhaushalt 2015/16 muss erst noch verhandelt werden.

Foto: gynti_46 (Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Foto: Demo auf dem Markt am 11.11.2013; gynti_46 (Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Sind Sie denn optimistisch, dass man zum Beispiel bezüglich der Zuschüsse für die Studentenwerke noch etwas abmildern kann?

Hier wird man sich aus dem gesamtdeutschen Vergleich nicht verabschieden können. Das heißt, Sachsen-Anhalt wird kaum als erstes und einziges Land die Zuschüsse komplett streichen können.

Auf der Senatssitzung im Dezember hatte man den Eindruck gewonnen, dass zwar eine strukturelle Neuordnung gefordert wird, aber auch, dass die Bereitschaft dafür nicht unbedingt vorhanden ist. Ist es überhaupt realistisch, dass man hier jetzt über eine wirkliche Neuausrichtung beraten kann?

Wir müssen hier unterscheiden: einmal zwischen der gesamten Hochschulstruktur des Landes Sachsen-Anhalt und den Profilen der einzelnen Hochschulen. Die erste Aufgabe, die zu lösen ist, ist, die Hochschulstruktur des Landes zu bestimmen. Das soll in den ersten Monaten dieses Jahres passieren, und dafür macht das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft den Aufschlag. Hier gibt es sicher einige Möglichkeiten zu justieren, aber große Veränderungen kann es insofern nicht geben, als es für alle Standorte Standortgarantien des Ministerpräsidenten gibt. Zudem hat sich der Landtag für den Erhalt der Studienplätze ausgesprochen. Was die einzelnen Hochschulen angeht, gibt es sicher einige Möglichkeiten, die Profile zu schärfen. Das wird aber auch nichts völlig Neues sein. Wir haben hier zum Beispiel seit Jahren vier etablierte Forschungsschwerpunkte, die wird man nicht gegen andere austauschen. So etwas muss über Jahre wachsen. Wir werden auf diesen Linien weiterarbeiten.

Aber wird über die Schließung von Fakultäten, die im Bereich Forschung vielleicht nicht herausragen, nachgedacht?

Die Schließung von ganzen Fakultäten ist überhaupt nicht im Gespräch. Es wird über verschiedene Institute nachgedacht beziehungsweise Untereinheiten von Instituten, die Seminare. Aber die Schließung kompletter Fakultäten ist nicht im Blick.

In Jena soll nun auch massiv gespart werden. Ist der Gesellschaft Bildung für die kommende Generation zu wenig wert?

Das würde ich mal die zuständigen Politiker fragen, die Kürzungspläne entwickeln. Tatsache ist, dass nicht nur in Sachsen-Anhalt gespart wird. Sondern es gibt Kürzungspläne in Sachsen und Thüringen. Und auch das ist ein Grund für die drei mitteldeutschen Universitäten Halle, Jena und Leipzig, hier im engen Kontakt miteinander zu bleiben.

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.