Apr 2014 hastuUNI 0

Schon wieder Kürzungen?

Die nächste Demo steht vor der Tür, der Hochschulprotest geht weiter. Aber welche Studiengänge genau stehen jetzt auf der Streichliste? Ein kleiner Überblick über die Kürzungsdebatte in Vorbereitung der Demo am Dienstag

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Aufruf zum Bildungsstreik: Der Flyer zur Demo am kommenden Dienstag.

Vor einem Monat hatte Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) das neue Konzept der Landesregierung für die Hochschulen, den Hochschulstrukturplan, vorgestellt. Darin erläutert die Regierung, wie sie mit den Hochschulen im Land in den nächsten Jahren verfahren will. Dabei sollen vor allem Schwerpunkte an jedem Standort gesetzt werden. An der MLU will Möllring „die Profilierung in den Natur- und Geisteswissenschaften, bei der Lehrerbildung und in der Hochschulmedizin». Diese Forschungsschwerpunkte haben aber zur Folge, dass jede Uni bestimmte Studiengänge verliert.

Auf der Streichliste

In Halle sollen konkret die Medien- und Kommunikationswissenschaften, der Bereich der Psychologie und die Informatik wegfallen. Ebenso steht das Studienkolleg vor dem Aus, welches bisher die internationalen Studierenden in Halle betreut. Bei den Musikwissenschaften ist die Lehre schon jetzt im Bereich des Instrumentalunterrichts ausgesetzt.

Gleichzeitig sollen die Unis in Leipzig, Jena, Magdeburg und Halle stärker miteinander kooperieren. Die Idee dahinter ist, dass an der einen Uni Studiengänge geschlossen werden und diese Studenten dann an der anderen Uni weiter studieren. Mit dieser fragwürdigen Begründung sollen die Geo- und Sportwissenschaften in Halle geschlossen werden. Diese Studenten könnten nach Möllrings Vorstellung dann in Leipzig weiter studieren.

Mit dieser Streichliste will die Landesregierung Geld einsparen. Doch bleiben die Pläne höchst fragwürdig, da es für die geplanten Schließungen keinerlei inhaltliche Begründungen gibt. Diese Willkür zeichnet sich besonders bei den Medien- und Kommunikationswissenschaften (MuK) ab: Hier war bisher Halle als Medienstandort vorgesehen, daher wurde auch das Multimediazentrum (MMZ) gebaut und gefördert. Fallen jetzt die MuKler weg, wäre auch die Idee vom Medienstandort Halle dahin. Ähnlich begründete Kürzungen bei den Ingenieurwissenschaften im Jahr 2006 haben aus heutiger Sicht kaum finanzielle Einsparungen für die Uni gebracht.

Schon wieder eine Demo?

Nach der großen Protestwelle im letzten Jahr fragen einige Studenten, ob eine weitere Demo überhaupt etwas bringt. Auf der Vollversammlung der Studierenden am letzten Mittwoch im Audimax wurde dieses Thema heftig diskutiert. Sebastian Lüdecke, Landesvorsitzender der Grünen im Landtag, ermutigte aber zu weiterem Protest. „Die großen Demonstrationen letztes Jahr haben die Landesregierung beeindruckt. Der Ministerpräsident lenkte aus Angst vor weiteren Protesten ein und macht im ›Bernburger Frieden‹ Kompromisse», sagte er.

Das „Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten» plant für kommenden Dienstag zunächst die hallische Demo »Strei(k)t für vielfältige Bildung«. Dabei sollen die Demonstranten um 15 Uhr vom Neuwerk/Burgstraße über die Leopoldina zum Uniplatz gehen und für eine „Wende in der Landespolitik» streiken. Der Personalrat der MLU unterstützt diese Demo, indem er alle Lehrkräfte dazu angehalten hat, ihre Veranstaltungen in dieser Zeit ausfallen zu lassen.

Bei einem Aktionstag auf dem Marktplatz am 7. Mai sollen die Folgen der Kürzungen für die Hallenser greifbar gemacht werden. Die betroffenen Fachschaften werden sich an Ständen präsentieren und die Möglichkeit bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der nächstgrößere Schritt ist auch schon geplant: Für den 20. Mai planen die Aktionsbündnisse verschiedener Universitäten einen bundesweiten Bildungsstreik. Schließlich betrifft die Kürzungspolitik nicht nur Sachsen-Anhalt, sondern zahlreiche Bundesländer, in denen ähnliche Kürzungen bevorstehen. Bei diesem Bildungsstreik sollen in allen betroffenen Universitätsstädten gleichzeitig Demos stattfinden und auf die allgemeine Problematik hinweisen.

Die zweite Protestwelle 2014 soll ein quantitativer und vor allem ein qualitativer Protest werden: „Wir wollen nicht nur sagen, dass wir gegen Kürzungen sind, sondern auch warum», sagte Anne Geschonneck, hochschulpolitische Referentin im Stura, bei der Vollversammlung. Ob die Proteste gegen die Kürzungsvorhaben helfen werden, bleibt unklar. Jetzt gilt es, möglichst viele Leute für die Demos zu mobilisieren. Starten wir in die zweite Protestwelle 2014.

  • 29. April: Demo „Strei(k)t für vielfältige Bildung» https://www.facebook.com/events/1424833244438719/
  • 7. Mai: Aktionstag auf dem Marktplatz der von den Kürzungen betroffenen Fachschaften
  • 20. Mai: Bundesweiter Bildungsstreik (Infos folgen)

Aktionsbündnis MLU: http://www.stura.uni-halle.de/aktionsbuendnis/

Über Markus Kowalski

studiert Politikwissenschaften und Germanistik, hält aber wenig von den alltäglichen Politik-Nachrichten. Meistens ist er mit einem coffee-to-go auf dem Uniplatz anzutreffen.

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Erstellt: 26.04. 2014 | Bearbeitet: 27.04. 2014 11:33