Jun 2014 hastuPAUSE Nr. 54 0

Schöne Anstrengung

Das Collegium Musicum der Martin-Luther-Universität bietet nicht nur musikalische Entfaltungsmöglichkeiten, sondern auch ein Studententheater. Wir haben eine Probe besucht.

Foto: Josefine Farkas

Foto: Josefine Farkas

Durch den Raum gehen. Rennen. Sich in die Augen sehen. Urlaute rufen. Einen kleinen gelben Ball fangen. Wenn der zu Boden rollt, liegen plötzlich alle seufzend auf dem Boden. Und wieder aufgestanden und das ganze von vorne.
Ein ganz normales Erwärmungsspiel, bevor es ans Schauspielen und Textlernen geht. Knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, fast jeder studiert ein anderes Fach an der MLU, haben sich an diesem Freitagabend im großen Saal des »Luchs Kino am Zoo« an der Seebener Straße zusammengefunden, um als Studententheater zu proben. Draußen kann man die Gehege des Zoos erblicken, ein paar letzte Besucher schlendern Richtung Ausgang, und zwei Pfauen schauen neugierig durch eine Glastür in den Probenraum hinein.

Das Studententheater unter der Leitung von Tom Wolter, studierter Schauspieler und seit 1994 aktiv und engagiert in Halle, gibt es seit dem Wintersemester 2013/14, also noch gar nicht so lange. Geplant ist eine vollständige Inszenierung pro Semester, bis zur großen Aufführung, mit bis zu 25 Studierenden.

Letztes Semester wurde am 5. Dezember das erste und letzte Mal bisher »Die Kunst ist ein Schrank« mit Texten von Daniil Charms im Urania 70 aufgeführt. Das Projekt, das es diesmal zu inszenieren gilt, nennt sich »Die Chinesische Mauer. Eine Farce«, ein Drama des Schweizers Max Frisch. Grob gesagt geht es um den zynischen, herrschsüchtigen chinesischen Kaiser Tsin Sche Hwang Ti und den Bau der Chinesischen Mauer. Während des Stückes tauchen immer wieder Persönlichkeiten der Geschichte sowie der »Heutige«, ein Mensch der Gegenwart, der Krieg und Gewalt ablehnt, auf. Es ist ein Spiel zwischen Krieg und Frieden, Gut und Böse, Hass und Liebe. Die Premiere soll am Mittwoch, den 16. Juli stattfinden.

An diesem sonnigen Freitag wuselt einmal nicht Tom Wolter durch und um die Theaterwütigen herum, sondern die Stimmbildnerin Sabine Eichberg, die ihn an diesem Tag vertritt und vor allem an Stimme und Artikulation arbeiten möchte. Unterstützende Workshops von Tanzpädagogen, Choreographen, Stimmbildnern, Schauspielern oder Sängern gehören mindestens einmal pro Semester zum Probenablauf dazu. Bei den Aufwärmübungen geht es nicht nur um Stimme und Lautstärke, sondern auch um Körperhaltung und Körperausdruck. Wie stehe ich? Wie wirke ich auf der Bühne? Wie werde ich präsenter? Jeder darf mitmachen, sich einbringen, alle werden befragt, und alle sind wach und kreativ. Bei einer Übung im großen Kreis geht es darum, eine bestimmte Haltung anzunehmen, diese mit einem Gefühl oder einer Situation zu verknüpfen, und alle anderen müssen diese Haltung exakt nachahmen. Jeder kommt mindestens einmal dran. Niemand schämt sich oder hat Angst. Alle sind spielfreudig, jeder hat Lust am Theater und aufs Schauspielern und niemand hat Angst mal laut herumzubrüllen oder alberne Bewegungen zu machen. Man schlüpft in eine ganz neue Rolle. Einfach mal den stressigen Unialltag, langweilige Vorlesungen, aufwändige Hausarbeiten und das Lernen vergessen und in eine andere Welt abtauchen. Und wenn es nur für zwei oder drei Stunden ist. Theaterspielen ist Erholung und Anstrengung zugleich. Aber auch schöne Anstrengung.

Gerade ist Entspannung dran, als kleine Erholung von den Aufwärmspielchen, bei denen durchaus voller Körpereinsatz gefragt ist, das heißt nun also: dehnen, strecken, räkeln. Alle zukünftigen Schauspieler scheinen ziemlich versunken zu sein. Und träumen vielleicht vom großen Spiel. Und der großen Bühne.

Premiere »Die Chinesische Mauer«:
Mittwoch 16. Juli, Donnerstag, 17. Juli, Freitag, 18. Juli, (Änderungen vorbehalten)

Zum Studententheater der Uni darf jeder kommen, der Zeit und Lust zum Theater spielen hat, egal ob große Bühnenerfahrung oder völliger Laie. Es trifft sich meistens donnerstags von 20 bis 22 Uhr, neue Mitglieder werden zu Beginn des Semesters aufgenommen. Auch Studierende anderer Hochschulen in Halle sind willkommen.

Über Josefine Farkas

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Erstellt: 17.06. 2014 | Bearbeitet: 11.06. 2014 15:35