Jun 2014 hastuUNI 0

Rektor Sträter ist brüskiert und muss nun Farbe bekennen

Ein Kommentar zu Möllrings neuen Plänen

akut

Akut ist die Sparkrankheit wie nie – chronisch dagegen die Bildungsfeindlichkeit der Landesregierung.

Foto: Tobias Grasse (CC BY-NC-SA)

Vor ein paar Monaten haben die Uni-Rektoren und die Regierung von Sachsen-Anhalt Frieden geschlossen. Zugegeben, die Formulierung „Bernburger Frieden» kam damals aus den Medien, dennoch erschien es damals, als seien die Rektoren sehr zufrieden mit dem erzielten Kompromiss. Der Rektor der Universität Prof. Dr. Sträter sagte damals im hastuzeit-Interview, das Ergebnis sei die „Eröffnung neuer Verhandlungen».

Diese Verhandlungen scheinen nun grandios gescheitert zu sein. Wie sonst ist der Vorstoß von Wissenschaftsminister Möllring, der nun öffentlich wurde, zu erklären? Da soll nun der Landtag über Strukturen an den Universitäten entscheiden können. Der Senat der Universität soll nicht mehr gefragt werden. Wo gekürzt würde, entschiede dann das Land bzw. der Minister, nicht mehr die Universität selbst. Rektor Sträter und sein Magdeburger Kollege sind brüskiert. Sie werden entmachtet, das Land möchte nicht mehr auf universitäre Strukturen Rücksicht nehmen. Dies zeigt einerseits, dass der Druck auf die Landesregierung zunimmt, man möchte endlich kürzen. Dafür ist man sogar bereit das Gesetz zu ändern. Es zeigt aber auch, dass Möllring und die Landesregierung die Universitäten und Rektoren nicht als Verhandlungspartner ernst zu nehmen scheinen. Dies kann den Rektoren nicht gefallen. Möllring scheint zu glauben, dass er die Rektoren nicht mehr braucht.
Aber der Vorgang zeigt noch etwas:

Das Land ist nicht gewillt, die durch die BAföG-Reform frei werdenden Mittel an den Universitäten zu investieren. Andernfalls wäre diese Verschärfung des Tonfalls nicht nötig gewesen. Dies wiederum ist schon eine ziemliche Dreistigkeit, wenn man bedenkt, dass Bundesministerin Wanka die Länder aufforderte, die Mittel den Universitäten zur Verfügung zu stellen. Rektor Sträter muss jetzt Farbe bekennen und klar machen, wo er in dieser Debatte steht. Es ist seine Pflicht, die freiwerdenden Mittel einzufordern.

Im hastuzeit-Interview sagte Sträter damals auch, der Protest habe Wirkung gezeigt. Damit scheint er indes richtig gelegen zu haben. Nur hat er eben nicht bewirkt, dass die Landesregierung ihr striktes Sparvorhaben überdenkt oder in logisch, nachvollziehbare Strukturen verpackt, sondern dass man nun den Knüppel herausholt. Es macht fast den Eindruck, als wolle man lästige Wespen von einem Erdbeerkuchen schnell und mit einem Wisch vertreiben. Ob sich die Landesregierung hier nicht vertut, ist abzuwarten. Wespen neigen dazu aggressiv zu werden, wenn sie verscheucht werden sollen. Von den Wespen unterscheidet die hallischen Studierenden freilich, dass ihnen ein Gutteil des Erdbeerkuchens zusteht.

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 21.06. 2014 | Bearbeitet: 21.06. 2014 02:05