Dez 2014 hastuUNI Nr. 57 0

Rechtslage: ungeklärt

An der MLU wurden Studierende von Dozenten sexuell belästigt – Eine Darstellung

Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

An der Philosophischen Fakultät I war schon seit längerem bekannt, dass ein dort tätiger Dozent »schwierig« sei. Gezielt soll sich dieser Studentinnen aus dem ersten und zweiten Semester auf eindeutige Weise genähert haben. Im Juni 2013 dann reichen einige Studentinnen Beschwerde ein. Diese wird von der Beschwerdestelle AGG (allgemeines Gleichstellungsgesetz) und vom Personalrat der Uni geprüft, beide kommen zu dem Schluss, dass hier ein Fall sexueller Belästigung vorliegt.

Dem betroffenen Dozenten wird gekündigt. Dieser erhebt daraufhin eine Kündigungsschutzklage, der vom Arbeitsgericht Halle im Mai 2014 stattgegeben wird. Hier zeigt sich: Die Kündigung ist rechtswidrig, da die nötige Rechtsgrundlage fehlt. Konkret heißt das: Maßnahmen gegen Dozenten, denen sexuelle Belästigung nachgewiesen werden kann, müssen ausbleiben, da das Gesetz das rechtliche Verhältnis nicht eindeutig festlegt. Es bezieht sich momentan nur auf Arbeitnehmer der Universität. Tatsächlich ist bisher nur der umgekehrte Fall, also die sexuelle Belästigung von Dozenten durch Studierende geklärt. Studierende werden hier nur als Täter definiert. Obwohl die MLU Betroffenen zum damaligen Zeitpunkt Anlaufstellen wie das Gleichstellungsbüro, den Stura oder den Arbeitskreis »Sexuelle Belästigung« bietet, haben diese aufgrund der unklaren Gesetzeslage keine wirkliche Einflussmöglichkeit.

Zehn Fälle insgesamt

Daher wird im Juni dieses Jahres das Bündnis gegen sexuelle Diskriminierung gegründet (Bündnis gsD). Dieses fordert politische Änderungen für mehr Klarheit und Transparenz zum Schutz von Betroffenen. Im Juli 2014 veröffentlicht der Stura einen offenen Brief zum Thema.

Im August bringt Radio Corax schließlich einen Beitrag, in dem auch Opfer zu Wort kommen. An den Richtlinien zum Umgang mit geschilderten Fällen hat sich derzeit jedoch nichts geändert, wenn auch dem Thema mehr öffentliche Präsenz zugebilligt wird. Einige Hochschulen in Niedersachsen und Baden-Württemberg sind der unseren da schon ein Stück voraus und haben in ihrem Hochschulgesetz klar Stellung für den Schutz Studierender bezogen.

Bekannt sind momentan acht Fälle sexueller Belästigung an der Philosophischen Fakultät I sowie zwei an einer der Naturwissenschaftlichen Fakultäten.

Das langfristige Ziel des Bündnisses gsD ist es, »das Bewusstsein an dieser Universität so zu verändern, dass [das] Forum nicht mehr benötigt wird«. Konkrete Maßnahmen zur Klärung der Rechtslage werden hierzu unabdingbar sein.

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

Erstellt: 17.12. 2014 | Bearbeitet: 10.05. 2015 01:59