Apr 2014 hastuPAUSE Nr. 53 0

»Dezentrale, unorganisierte Rapcrew«

Eine hallesche Hiphop-Crew, die sich gerne montagabends zum Rappen trifft.

Der Probenraum für Graffiti und zum Proben.

Der Probenraum für Graffiti und zum Proben.

An diesem Freitagabend (21. März) ist die Spontanität der Montagsmaler gefragt, da bei ihrem Auftritt auf der 7. Jubiläumsfeier des Postkult-Vereins zunächst die Technik noch nicht aufgebaut ist. Kein Problem für die Jungs – sie überbrücken die Wartezeit auf der Bühne einfach mit einer zwanzigminütigen Freestyle-Einlage, bis der »Beatmacher« und seine Technik schließlich bereit sind, die einstudierten Tracks musikalisch zu begleiten. Die Jungs der Hip-Hop-Gruppe aus der Landsberger Straße 16 bezeichnen sich selbst als »dezentrale, unorganisierte Rapcrew« und meinen damit ihre spontane, oft chaotische Art zu musizieren. Doch nicht nur Rappen, Freestylen und Beatboxen gehören zum Programm der Montagsmaler. Ursprünglich stammt der Name der Gruppe von der Leidenschaft einiger der Jungs, Graffitis zu sprayen und zu plakatieren. »Anfangs drehte es sich viel ums Malen, aber weniger ums Musikmachen«, erklärt Boogie, Gründungsmitglied der Montagsmaler. Der Freundeskreis traf sich vor über zwei Jahren schon immer montags bei Boogie oder Hendrik, dem zweiten Mitbegründer der Hip-Hop-Gruppe, zu Hause, um sich dort künstlerisch auszutoben. Anfang 2013 zogen die Jungs dann in das Gebäude der Freiraumgalerie in der Landsbergerstraße, um sich endgültig der Musik zu widmen. Dadurch kamen schließlich immer mehr Rap-Begeisterte hinzu. Ihre ersten öffentlichen Auftritte hatte die achtköpfige »Moma«-Gruppe folglich auch im Rahmen einer Filmpräsentation der Freiraumgalerie im April desselben Jahres sowie bei der Künstlerveranstaltung »Kunst gegen Bares« des HALternativ-Vereins. Auch in Leipzig, Bernburg und Göttingen standen die Rapper zusammen auf der Bühne.

Angefangen mit dem Hip-Hop hat es bei fast allen Moma-Mitgliedern in der frühen Teenagerzeit. Pete, der seit einem Jahr bei den Montagsmalern mitrappt, fand erst später zum Hip-Hop. »Bis ich 17 war, habe ich noch viel Rock gehört und E-Gitarre gespielt.« Boogie hingegen gehörte vor den Montagsmalern der hallischen Reagge-Band »Ohja« an und macht seit 17 Jahren Freestyle. »Es geht darum kreativ zu sein, und am besten klappt das mit Worten«, erzählt Pepe, der seit seinem 13. Lebensjahr Hip-Hop-Fan ist. Bei Rap handle es sich um ein Lebensgefühl. »Es bedeutet viel es ist ein Ausdrucksmittel für mich selbst und für die Kommunikation mit dem Publikum«, meint Pete. Georgios, der auf Hip-Hop 2005 durch das »All for one«-Album von Kool Savas und Azad aufmerksam wurde, ist vor allem von dem Druck und der Härte, die man durch Rap vermitteln kann fasziniert. »Rap begleitet einen das ganze Leben«, sagt der Politikstudent. Dem stimmt auch Tom zu, der schon seit der Schulzeit Spaß daran hat, Texte auswendig zu lernen und seit seinem 15. Lebensjahr beatboxt. »Außerdem habe ich schon immer Musik gesammelt, ob CDs oder Platten« sagt Tom, der in Halle Sprechwissenschaften studiert, und zeigt ein paar seiner neuerstandenen Schallplatten unter anderem von den Betty Ford Boys, Beatvadda und Suff Daddy.

Ihr technisches Equipment finanziert sich die Moma-Crew zwar teils durch ihre Auftritte, die Startinvestition stammt aber größtenteils aus den privaten Töpfen der Mitglieder. »Wir finanzieren uns selbst und überlegen uns selbst, was wir sein wollen«, erklärt Pete. Allerdings brauchen sie auch die nötigen finanziellen Mittel, um ihren Traum von einer »Moma-EP« (Vinyl Platte) zu verwirklichen. Boogie kann sich sogar vorstellen, mit den Montagsmalern in Zukunft eine Konzert-Tour durch Deutschland zu starten. Außerdem ist es der Rap-Gruppe wichtig, eine offene Runde zu bleiben. Deshalb sind begeisterte Rapper, Beatboxer, Mischer und Rapfans herzlich eingeladen, sich montags von 18.30 bis 23.00 Uhr am dezentralen, unorganisierten Musikmachen in der Landsberger Straße 16 zu beteiligen. Wer gerne den Klängen des deutschen Raps der Momas lauschen möchte, kann dies bei der Burg-Party im Hühnermanhattan am 11. April tun oder sich zu der einen oder anderen Freestyle-Session anheizen lassen.

Über Mirjam Hruby

Mirjam hat ihr ASQ bei der hastuzeit absolviert. Da ihr das Texten und Interviewen sehr viel Spaß macht, macht sie auch weiterhin bei der hastuzeit mit.

, , , ,

Erstellt: 05.04. 2014 | Bearbeitet: 21.05. 2014 17:12