Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

»Nicht nur Arme und Beine trainieren«

Lars Holtmann, Masterstudent Sportpsychologie und Trainer des Fußballvereins VfL Halle 96, über die herausragende Rolle der Psychologie im Sport.

Lars Holtmann, hier mit Basecap am Spielfeldrand.  Foto: Markus Czarnetzki

Lars Holtmann, hier mit Basecap am Spielfeldrand. Foto: Markus Czarnetzki

Lars Holtmann wurde am 11.12.1982 in Osnabrück geboren. Nach dem Bachelorstudium der Sportwissenschaft an der »Deutschen Sporthochschule Köln« wechselte er 2010 nach Halle, um den Masterstudiengang Sportpsychologie draufzulegen. Seine Abschlussarbeit befasst sich mit »sportpolitischer Expertise im Fußball«. Seit 2011 trainiert Holtmann zudem den Fußball-Oberligisten VfL Halle 96.

Lars, du bist bereits 31 Jahre alt, hast aber erst vor Kurzem deine Masterarbeit abgegeben. Fühlst du dich schon als altes Eisen?

Nein, ich war ja nie an der Uni (lacht). Spaß beiseite. Ich habe alle Veranstaltungen in der Regelstudienzeit abgeschlossen und nur für die Masterarbeit länger gebraucht, insgesamt zweieinhalb Jahre. Ich bin jetzt im 15. Semester.

Was hat dich dazu bewegt, Sportpsychologie zu studieren?

Ich hatte während meines Bachelorstudiums einen Dozenten, Günter Klein, der sagte einmal, dass gutes Training aus 25 Prozent Technik, 25 Prozent Taktik, 25 Prozent Kondition und 26 Prozent Psychologie bestehe. Er meinte, Psychologie sei das Wichtigste für einen Trainer. Deshalb habe ich den Masterstudiengang Sportpsychologie angehängt.

Du bist neben dem Studium seit etwa drei Jahren Trainer des Fußballvereins VfL Halle 96. Wie kam es dazu?

Ich war bereits Coach der zweiten Mannschaft des VfL. Nachdem mein Vorgänger Thomas Diedrich entlassen worden war, fragte man mich, ob ich den Job übernehmen könne. Da habe ich zugesagt.

Gibt es Studieninhalte, die du in deine Arbeit als Trainer einfließen lassen konntest?

Eigentlich ist das Studium auf die spätere Tätigkeit als Sportpsychologe ausgelegt. Aber insbesondere die Frage, wie man innerhalb einer Mannschaft ein gutes Klima schafft, war sehr nützlich für mich. Außerdem habe ich erkannt, dass Psychologie sehr wichtig ist, um gute sportliche Leistungen zu erzielen. Deshalb haben wir beim VfL jetzt auch eine Psychologin, die manchmal auf der Tribüne sitzt und sich die Körpersprache der Spieler anschaut. Mit ihr arbeite ich auch persönlich zusammen, um für den Kopf die richtigen Schlüsse aus Siegen oder Niederlagen zu ziehen. Auch einzelne Spieler suchen den Kontakt zu ihr.

Welche Vorteile hat es, Sport akademisch zu betrachten?

Wenn man selbst Sportwissenschaftler ist, dann hat man einen Plan, ein Konzept, wie man vorgehen kann. Ich habe alles selbst im Studium gelernt, kann mich auf wissenschaftliche Quellen berufen. Deshalb muss ich mich nicht auf irgendeinen Idioten verlassen, der für mich die Trainingspläne erstellt.

Dein Dozent aus Köln betonte die herausragende Rolle der Psychologie im Sport. Welche Meinung hast du dazu?

Ich teile diese Auffassung. Es geht darum, bei den Spielern die richtige Mentalität zu entwickeln. Um ein Beispiel zu nennen: Donis Avdijaj, ein Nachwuchstalent des FC Schalke 04, hat sich vor Kurzem einen Mercedes gekauft und den zu Schrott gefahren. Vielleicht hatte der Junge irgendein Problem, welches man mit psychologischer Hilfe hätte beseitigen können. Denn es geht schließlich nicht nur darum, die Arme und Beine zu trainieren.

Sowohl das Institut für Sportwissenschaft als auch das Institut für Psychologie sollen nach den Kürzungsplänen der sachsen-anhaltischen Landesregierung aus CDU und SPD geschlossen werden. Zwar weigern sich das Rektorat und der Senat der Universität, die Pläne umzusetzen, doch die Regierung beharrt auf ihren Forderungen. Wie die Kürzungsdebatte endgültig ausgeht, ist noch nicht erkennbar.

Über Max Zeising

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Erstellt: 27.12. 2014 | Bearbeitet: 28.12. 2014 01:14