Mai 2014 hastuINTERESSE Nr. 53 0

Mit den Augen stolpern

Zwei studentische Filmemacherinnen sprechen über ihre Animations-Doku für Kinder

Szene aus dem Film

Szene aus dem Film „Wozu ein Stein?»

Im Kino Zazie liefen am 27. Januar fünf Filme von Studierenden des Masterstudiengangs Multimedia und Autorschaft. Alle behandelten ein Thema: die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. In der Animations-Doku »Wozu ein Stein?« von Claudia Brüggemann und Anne Pannecke wird das Thema für Kinder ab neun Jahren aufbereitet. Erzählt wird die Geschichte der Familie Schwab aus Halle. Doch welche Gedanken stehen hinter dem Projekt? Ein Gespräch mit den Macherinnen gibt Antworten.

Claudia: Am Anfang wussten wir nur eins: Wir wollen etwas Neues ausprobieren und anders an die Aufgabe herangehen als unsere Vorgänger. Bereits die Jahrgänge vor uns haben Stolperstein-Filme gedreht. Also haben wir die Per­spektive gewechselt.
Anne: Die Idee, das Thema für Kinder auf den Punkt zu bringen, hat uns beide sofort begeistert. Es ist regelrecht zur Herzensangelegenheit geworden.
Claudia: Mit der Entscheidung für unsere Idee und Zielgruppe standen wir vor vielen Herausforderungen. Letztlich haben wir das dokumentarische Filmen mit einer freieren Form des Erzählens verbunden. In »Wozu ein Stein?« erklären wir nicht nach »Peter-Lustig-Art« das Thema Nationalsozialismus. Wir vermitteln vielmehr eine Einstellung, den Grundgedanken der Toleranz.
Anne: Uns war wichtig, eine Balance zwischen geschichtlicher und emotionaler Ebene zu finden. Nach monatelanger Vorbereitung haben wir dann an nur zwei Tagen gedreht.
Claudia: Für den Film haben wir recherchiert, eine Rahmenhandlung entworfen, Charaktere gezeichnet, Storyboards und Drehpläne gemacht. Den Text haben wir immer wieder überarbeitet. Das Schwierigste war, den richtigen Ton zu finden.
Anne: Wir mussten so präzise wie möglich arbeiten, um das Thema zielgruppengerecht zu vermitteln. Jedes Wort sollte stimmen.
Claudia: Uns war wichtig, dass der Film Fragen beantwortet und nicht neue aufwirft. Immer wieder haben wir in der Seminargruppe bei Dr. Sebastian Pfau unsere Ideen besprochen.
Anne: Dabei haben wir uns nie mit dem erstbesten Gedanken zufrieden gegeben. Jeder Fehler war ein Schritt in die richtige Richtung. Der ständige Austausch mit den Kommilitonen war ein wichtiges Element in diesem Prozess. Wir haben erlebt, dass Filmarbeit Teamarbeit ist: Text, Bild, Ton, Musik, Schnitt –man kann nicht alles allein machen, muss seine Grenzen ausloten und sie manchmal auch überschreiten.
Claudia: Unsere Ambition hat uns mutig gemacht und uns angetrieben, Ängste über Bord zu werfen. Wir haben Profis kontaktiert und um Mithilfe gebeten. Darum konnten wir so großartige Partner finden: Den Stolperstein hat der
Schauspieler Robert Heinle gesprochen. Außerdem hat uns ein befreundeter Musiker eine eigenständige Filmmusik entworfen.
Anne: Das größte Geschenk war jedoch die Unterstützung von Prof. Max Schwab, welcher an der MLU lange Zeit als Geologe tätig war. Er ist außerdem der Sohn des jüdischen Kaufmanns und Viehhändlers Julius Schwab aus Halle. Für mich ist es ein Privileg, dass wir mit ihm reden und arbeiten konnten. Für uns ist der Zuspruch durch Herrn Schwab die größte Anerkennung.
Claudia: »Wozu ein Stein?« erzählt die Geschichte seiner Familie. Wir danken ihm sehr, dass er seine Gedanken und Erfahrungen so offen mit uns geteilt hat.

Die Stolpersteine …

 … starteten als Kunstprojekt von Gunter Demnig (*1944) und entwickelten sich rasch zu einem europaweiten Vorhaben des Gedenkens. Die in den Bürgersteig eingelassenen Betonquader mit einer Messingplatte, geben Opfern des NS-Regimes ein Gesicht, einen Namen und markieren die Tatorte des Verbrechens. Angebracht an ihrem letzten selbst gewählten Wohnort symbolisieren sie eine Verbeugung vor den Opfern.

Die Verlegung der Steine in Halle (Saale) wird durch den Verein Zeit-Geschichte(n) e. V. organisiert (http://www.zeit-geschichten.de/index.htm). Spenden und Patenschaften (ein Stein kostet 120 Euro) machen das Projekt möglich.

Wer den Film sehen möchte folgt diesem Link: http://vimeo.com/85372268

Text: Claudia Brüggemann, Anne Pannecke

Über Gastbeitrag

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Erstellt: 01.05. 2014 | Bearbeitet: 30.04. 2014 18:24