Mai 2014 hastuUNI 0

Mehr Mut und Solidarität

Am Dienstagabend diskutierten Vertreter der Hochschulgruppen mit Rektor Udo Sträter und Personalrat Rainer Herter über die Kürzungspolitik der Landesregierung.

Zur Diskussionsrunde war das Audimax gut besucht.

Zur Diskussionsrunde war das Audimax gut besucht.

Aus Protest gegen den Hochschulstrukturplan der Landesregierung hatte das Aktionsbündnis seit dem Morgen des 20. Mai das Audimax-Gebäude besetzt. Am selben Abend stellten sich dort Hochschulrektor Udo Sträter, Maria Genschorek, Senatorin der Grünen Hochschulgruppe, Rainer Herter, Mitglied des Personalrats, sowie Daniel Möbus von der SDS-Hochschulgruppe einer Podiumsdiskussion. Zum Einstieg spielte das Aktionsbündnis eine Audio-Botschaft über die Wünsche der Studenten und die aktuellen Studienverhältnisse vor. Hier wurde vor allem mehr Mitbestimmung der Studenten gefordert und die Intensivierung der Lerninhalte, die durch die Kürzungspläne gefährdet oder gar nicht mehr existent sind.

Auf dem Podium: Daniel Möbus (SDS), MLU-Rektor Udo Sträter, Rainer Herter (Personalrat) …

Auf dem Podium: Daniel Möbus (SDS), MLU-Rektor Udo Sträter, Rainer Herter (Personalrat) …

Auch die Diskussionsteilnehmer sprachen sich alle für die seit 2012 stattfindenden Proteste aus, da die Regierung in Magdeburg genau höre, was an der Universität in Halle passiert. „Der Finanzminister manipuliert die Zahlen, um die Kürzungen durchzusetzen, komme was wolle», sagt Rainer Herter. „Er gehört aus der Regierung rausgeschmissen.» Daniel Möbus bewertet die Proteste als „gutes Zeichen für ganz Deutschland, da Bildung der zentralste gesellschaftliche Wert ist, den wir haben.» Nach zustimmendem Applaus der circa 250 Zuhörer erklärt Möbus, dass die Schließung der Institute wie Sportwissenschaft und Psychologie schon seit 2004 trotz guter Lehre und Forschung diskutiert werde. „Das ist eine Konzeptlosigkeit auf ganzer Linie», so Möbus.
… und Maria Genschorek (GHG).

… und Maria Genschorek (GHG).

Universitätsrektor Sträter weist jedoch darauf hin, dass aktuell kein Institut und kein Studiengang sicher seien, da die Landesregierung der MLU die Verantwortung für die Kürzungen übergeben hat. „Der Regierung ist es am Ende egal, an welchen Stellen gespart wird. Hauptsache, die Summe stimmt», sagt Sträter. „Aber zum Glück haben wir die Hochschulautonomie noch», wendet Genschorek ein. „Denn da möchte die Landesregierung auch ran.» Doch diese Verantwortungszuschiebung dürfe die Hochschule nicht akzeptieren, meint Herter, denn dieser Kampf gehöre nicht in die Uni, sondern in die Entscheider-Hände der Regierung.

Einige Studenten im Publikum üben aber auch scharfe Kritik am Hochschulrektor und fordern, dass sich Sträter endlich klar vor die Institute stellen und der Regierung gegenüber einen Schlussstrich unter die Kürzungen ziehen solle. Ihnen erwidert Sträter, dass eine solche Verweigerungshaltung auf keinen Fall bedeute, dass dann mehr Geld fließe. „Wir müssen den Politikern aber klarmachen, dass wir ihnen nichts vom Pferd erzählen», so der Rektor. Auf die Frage von Moderator Uwe Heinecke, was die Diskussionsteilnehmer voneinander erwarten, antwortet Möbus, mehr Solidarität von den Studenten und mehr Mut vom Rektor. „Es braucht Mut zu sagen, diesen Irrsinn tragen wir nicht mehr mit.» Am Ende der Diskussion teilt ein Student mit, dass die Besetzung des Audimax fortgeführt wird, und ruft die Studenten auf, auch über Nacht im Gebäude zu bleiben.

Musikalische Abendbegleitung. Fotos: Markus Kowalski

Musikalische Abendbegleitung.

Fotos: Markus Kowalski

Nach der Veranstaltung hielten sich noch viele Studenten auf dem Campus auf, eine Band spielte Jazz-Musik, und im Audimax diskutierten um die 40 Studenten das weitere Vorgehen bei den Streiks. Am nächsten Tag war das Audimax noch immer besetzt, es gab Kaffee und Kuchen.

Über Mirjam Hruby

Mirjam hat ihr ASQ bei der hastuzeit absolviert. Da ihr das Texten und Interviewen sehr viel Spaß macht, macht sie auch weiterhin bei der hastuzeit mit.

Erstellt: 21.05. 2014 | Bearbeitet: 22.05. 2014 03:24