Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Studiengeflüster

263 Studiengänge bietet die MLU an zehn Fakultäten an, eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 6: Alarmierender Medikamentenkonsum unter StudentInnen

Illustration: Anne Walther

Illustration: Anne Walther

Schätzungen zufolge gibt es rund 1,9 Millionen Menschen mit Medikamentenabhängigkeit in Deutschland. Das sind vergleichsweise so viele wie Alkoholabhängige.

Aktuelle Studienlage

Zurzeit zählen Schmerzmittel (Analgetika) mit Abstand zu den am meisten verordneten und gekauften Medikamenten. Sie werden deutlich öfter von Frauen als von Männern konsumiert. Im Alter zwischen 25 und 39 Jahren werden Schmerzmittel laut Statistik am häufigsten eingenommen. Damit lässt sich bei StudentInnen, aufgrund ihres jungen Alters, eine erhöhte Analgetika-Einnahme vermuten. Im deutschsprachigen Raum ist im Moment nur eine Studie über den Medikamentenkonsum von Studierenden verfügbar. Sie berücksichtigt nur verordnete Medikamente und gibt keinerlei Auskunft über die hohe Zahl an Selbstmedikation, besonders in Bezug auf Schmerzmittel.

Untersucht wurde die Anzahl an Tagen im Monat, in denen Medikamente der folgenden Substanzgruppen eingenommen wurden: Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Abführmittel und Appetitzügler. Dabei nahmen zwei Drittel der befragten Studenten in den letzten 30 Tagen mindestens ein Medikament aus einer der fünf genannten Substanzgruppen ein. 69,3 % der Studentinnen griffen im Untersuchungszeitraum zu Schmerzmitteln, und das an durchschnittlich sechs Tagen im Monat. Männliche Studierende nahmen hingegen nur zu 46,6 % schmerzlindernde Medikamente, und das im Schnitt an vier Tagen im Monat. Der erhöhte Konsum von Analgetika unter Frauen lässt sich unter anderem mit vermehrter Migräne und Regelbeschwerden in Zusammenhang bringen. Weitaus weniger Bedeutung scheinen den anderen vier untersuchten Medikamentengruppen zuzukommen: 13 % der Studierenden gaben an, im letzten Monat Schlaf- und Beruhigungsmittel eingenommen zu haben. Antidepressiva wurden von 3,8 % genutzt, Abführmittel wurden von etwa 2 % und Appetitzügler von weniger als 1 % konsumiert.

»Zu Risiken und Nebenwirkungen …«

Allein die ellenlange Liste an Nebenwirkungen eines Standard-Schmerzmittels wie Ibuprofen zeigt die zweite Seite der Medaille: Sodbrennen, Übelkeit, Durchfall, Magen-Darm-Blutungen, Magenschleimhaut-Entzündungen sowie Magendurchbrüche, auch mit tödlichem Ausgang, werden gelegentlich beobachtet – in Abhängigkeit von Dosis und Einnahmedauer. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen können Schmerzmittel Schub auslösend wirken. Eine längere Einnahme von Ibuprofen gilt als lebertoxisch und schädigt gleichzeitig die Nieren. Darüber hinaus sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Stoffen wie ASS, Antikoagulantien (beeinflussen Blutgerinnung), Lithium und Zink bekannt. Erschreckend ist vor allem die hohe Zahl des Schmerzmittelverbrauches bereits unter jungen Menschen. Häufig fehlt ihnen das Wissen über die schädliche Langzeitwirkung oder über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Deshalb sollte jeder Einzelne seinen Medikamentenkonsum kritisch hinterfragen, Beipackzettel lesen, Medikamente in Absprache mit dem Hausarzt einnehmen und Alternativen bei leichten bis mittelstarken Beschwerden in Betracht ziehen. Bei mäßigen Schmerzen kann zum Beispiel bereits ein warmes Kirschkernkissen für Symptomlinderung sorgen. Gegen Schlafstörungen helfen beispielsweise Lavendelbäder, körperliche Aktivität am Tag oder pflanzliche Baldrian-Dragees.

Fazit

Bisher wurde beispielsweise noch nicht das Einnahmeverhalten von Aufputschmitteln unter Studierenden während der Prüfungszeit untersucht. Es lässt sich nur vermuten, dass in Studienrichtungen wie Medizin oder Pharmazie, bei denen ein leichterer Zugang zu Medikamenten möglich scheint, auch vergleichsweise häufiger Arzneimittel konsumiert werden. Deshalb wären zusätzliche Studien über den Medikamentenkonsum einzelner Fachrichtungen sowie bundesweite Untersuchungen sehr hilfreich.

  • K. Lohmann, B. Gusy und J. Drewes: Medikamentenkonsum bei Studierenden. In: Prävention und Gesundheitsförderung, Band 5.3/2010, S. 276–281
  • Laura studiert Gesundheits- und Pflegewissenschaften.
  •  

Über Laura Winkler

, ,

Erstellt: 31.12. 2014 | Bearbeitet: 20.12. 2014 23:39