Okt 2014 hastuPAUSE Nr. 56 0

Herbst auf dem Saaleradweg

Wenn einem zu Hause mal wieder die Decke auf den Kopf fällt, gibt es nichts Schöneres als rauszugehen und fremde Landschaften zu erkunden. Denn Abwechslung tut immer gut.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

In der letzten Woche war es mal wieder so weit, ich musste raus aus der erdrückenden Stadt und ab in die Natur. Also habe ich mal wieder mein Fahrrad geschnappt und mich mit der Bahn auf den Weg nach Thüringen gemacht. Auf dem Programm stand diesmal der Saaleradweg. An der Grenze von Bayern zu Thüringen, genauer in Blankenstein, habe ich mich auf den Drahtesel geschwungen, um die Natur an der Saale im Herbst zu erkunden. Ein besonders schöner Abschnitt des Saaleradweges führte mich also durch den Frankenwald, von Blankenstein nach Saalfeld.

Ich mag das Reisen im Herbst, weil man unterwegs überall frische Nahrungsmittel finden kann. Unmengen an Steinpilzen, Maronen und andere Leckereien aus dem Wald haben meinen Speiseplan etwas gepimpt, sodass ich ein wenig Gewicht beim Proviant sparen konnte. Denn allzu viel Gepäck bei längeren Touren mit sich rumzuschleppen, wird auf die Dauer lästig. Äpfel, Birnen und Pflaumen gab es in Massen am Wegesrand.

Allein und unabhängig

Das Reisen allein mag ich mittlerweile ganz gern, da man so häufiger mit den Leuten unterwegs ins Gespräch kommt. Fährt man in einer kleinen Gruppe, so beschäftigt man sich doch eher mit seinen Freunden. Fremde haben zudem auch Hemmungen, eine Gruppe anzusprechen. Mit einem alleine Reisenden in Kontakt zu kommen ist da schon einfacher. Und ich finde, wenn man schon eine Reise in fremde Regionen unternimmt, dann sollte man auch mit den dort ansässigen Menschen Kontakt aufnehmen. Schon allein um den Weg zu den schönsten Ecken erfragen zu können oder um Besonderheiten der Region besser verstehen zu können.

Am Anfang der Tour war es zwar etwas verregnet, zum Fahrrad fahren jedoch gutes Wetter. Man kommt bergauf nicht allzu sehr ins Schwitzen. An vielen Streckenabschnitten im Frankenwald musste ich das Bike jedoch bergauf schieben. Steigungen bis 19 % mit dem Fahrrad zu erklimmen, ist man als Flachlandtiroler dann doch nicht gewöhnt. Der erste Abschnitt endete kurz vor Saalburg an einem ruhigen Waldstück. Dort wurde das Zelt aufgebaut und eine Pilzpfanne mit Nudeln gekocht. Ich finde es interessanter, meinen Schlafplatz selbst wählen zu können, statt in irgendeinem Hotel zu übernachten. Beim Aufstehen hat man gleich die beste Aussicht auf die Natur statt auf einen Parkplatz in einer Stadt wie bei den meisten Hotels. Zelt, Gaskocher, Schlafsack und Isomatte sind daher bei meinen Reisen immer im Gepäck, um möglichst unabhängig bleiben zu können.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Pilze als Proviant und schöne Plätze in Paska

Nachdem ich mich ordentlich ausgeschlafen, das Zelt eingepackt und gefrühstückt hatte, fuhr ich weiter flussabwärts. An den Berghängen kurz vor Saalburg gab es viele Pilze. Also nutzte ich die Gelegenheit, meinen Proviant aufzustocken und die Gegend ein wenig, ohne Fahrrad zu erkunden. Der zweite Tag brachte auch ein bisschen mehr Sonne, durch die man natürlich gleich die Landschaft um sich herum ganz anders wahrnimmt. Gegen 16 Uhr kam ich in Paska an. Ein kleines Dorf auf einem Bergkamm mit vielen Fachwerkhäusern. Auf der Suche nach einem geeigneten Rastplatz zum Kochen sah ich ein kleines unscheinbares Schild, welches auf einen Aussichtsplatz hinwies. Etwa 500 Meter weiter kam ich dort an und fand einen Traumplatz an einer unbewohnten Saaleschleife. Kein Haus, keine Straße, einfach nichts, was die Aussicht störte. Diese unberührte Saaleschleife erinnerte mich stark an die Saar-Hunsrück-Schleife. Nur noch viel größer, abgelegener und dadurch wenig belaufen. Etwas abseits des Saaleradwegs gelegen kam dort den ganzen Nachmittag auch kein anderer Wanderer entlang. Ich beschloss, dort mein Nachtlager aufzuschlagen und mein Abendbrot zu köcheln.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Ein ungestörtes Naturerlebnis

Tags darauf freute ich mich schon auf die steilen Abfahrten, welche mir auf dem Weg nach Saalfeld bevorstanden. Von Paska nach Saalfeld ging es dank der guten Straßen auch sehr schnell. Auf etwa der Hälfte der Strecke kann man in Drognitz in der alten Flößergaststätte »Zum Wolf« noch ordentlich zu Mittag essen, wirklich sehr zu empfehlen, wenn man unterwegs einmal nicht selbst kochen möchte. Dort gegenüber gibt es auch einen kleinen Minimarkt, wo man das Nötigste zum Leben einkaufen kann. Meine Vorräte neigten sich langsam dem Ende zu, so dass ich wieder etwas Nudeln, Nüsse und Schokolade nachkaufen musste. Der Abschnitt zwischen Blankenstein und Saalfeld ist also bei gutem Wetter in zwei bis drei Tagen mit dem Fahrrad gut machbar. Landschaftlich ist es auch mit Abstand der schönste Teil des Saaleradweges. Wenige Menschen, nur kleinere Dörfer und so gut wie keine großen Straßen stören das Naturerlebnis. Die Saale wird dort in mehreren Seen aufgestaut, um Trinkwasser zu speichern. Die daraus resultierenden Buchten erinnern ein bisschen an die Fjordlandschaften Norwegens. Auch gibt es dort kaum Brücken über die Saale, stattdessen muss man des Öfteren eine Fähre benutzen, um auf die andere Seite des Flusses zu gelangen. Diese kosten in der Regel nicht mehr als zwei Euro.

Durch die teils sehr steilen Anstiege ist der Radweg dort auch nicht so stark frequentiert wie beispielsweise der Abschnitt Bad Kösen – Weißenfels, welcher aber trotz der Touristenmassen wegen des Weinanbaus sehr empfehlenswert ist. Hervorzuheben ist auf diesem Teil des Radweges die alte Klosterschule »Schulpforta«. Dort werden mit den Schülern im Rahmen des Unterrichts selbst Reben angebaut, welche im klostereigenen Weinladen angeboten werden. Einige der besten Weine des Saale-Unstrut Gebiets kann man dort verkosten und natürlich auch erwerben.

Wenn Euch das Reisefieber gepackt hat und Ihr mehr über die Landschaft der anderen Etappen wissen wollt, fahrt den Saaleradweg doch einfach mal selbst entlang! Viel Spaß …

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Über Christian Schön

Erstellt: 31.10. 2014 | Bearbeitet: 06.12. 2014 16:30