Dez 2014 hastuPAUSE 0

Gegen Rechts

An meiner Heimatstadt Halle (Saale) gefällt mir nicht, dass hier so viele Nazis leben.

Am 5. Dezember fand in der Silberhöhe am Gesundheitszentrum  eine Demo gegen Rechts statt.

Am 5. Dezember fand in der Silberhöhe am Gesundheitszentrum eine Demo gegen Rechts statt.

Es stachen mir schon immer diese Wahlplakate der NPD ins Auge. Gut so, dass es noch Menschen gibt, die diese, zwar illegal, wieder abgerissen haben. Und dennoch haben am 25. Mai bei der Kommunalwahl insgesamt 2775 Einwohner die NPD gewählt. Nun haben wir seitdem wieder einen NPDler im Stadtrat sitzen. Während der Kommunalwahl hat eine Freundin von mir festgestellt, dass ihre Arbeitskollegin sich als Kandidatin für die NPD gestellt hat. Dabei war das doch so eine vernünftige Frau. Nach der Kommunalwahl im Mai habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass auch welche aus meinem Wahlkreis die NPD gewählt haben.

In der Oleariusstraße 3, wenige Meter vom Hallmarkt entfernt, finden sich auf den Scheiben noch Rückstände von Schmierereien.

In der Oleariusstraße 3 fünf Meter vom Hallmarkt entfernt finden sich auf den Scheiben noch Rückstände von Schmierereien.

Dann gehe ich neulich über den Weihnachtsmarkt und darf mir Menschen ansehen, die die Marke Thor Steinar tragen. Eine Modemarke, die von Nazis sehr gerne getragen wird. Und wo kriegt man so was in Halle her? Aus dem Nazi-Laden am Hallmarkt! Groß und breit steht dort Thor Steinar dran. Da hilft auch nicht, dass da einige versuchen die Plexiglasscheiben mit Unrat zu bewerfen. Der Laden ist leider immer noch da.

Es ist nicht nur eine Sauerei, dass wir einen Laden haben, in dem sich gerne Faschisten einkleiden, sondern dass der an einem Platz steht, der alleine von der Historie aus gesehen gegen Nazis ist. Ein paar Meter daneben ist neben dem Edeka ein goldenes Schild befestigt, worauf zu lesen ist, dass die Hallenser am 30. Januar 1933 gegen die Hitlerdidaktur auf dem Hallmarkt demonstriert haben.

Leider gibt es heute immer noch Nazis in Halle.

Eine andere Freundin hat mir sogar neulich erzählt, wie sie aus dem Fenster in der Straßenbahn heraus zwei Leute beobachtet hat, die sich mit einem Hitlergruß begrüßt haben. Sie dachte, sie gucke nicht richtig, und ich dachte, ich höre nicht richtig.

Dann darf ich seit Neustem immer wieder hören und lesen, wie rassistische Übergriffe und Gewalttaten gegenüber Flüchtlingen in meiner Heimatstadt verübt werden. Am schlimmsten sei es sogar in der Silberhöhe.

Vor Kurzem hieß es noch, dass diesen Freitag Nazis gegen Asylheime, Flüchtlinge und Asylbewerber demonstrieren wollten. Angemeldet von einem Hallenser! Zum Glück fiel die aus.

Ich wollte dennoch ein Zeichen gegen Rechts setzen und war am 5.12 in der Silberhöhe, am Gesundheitszentrum gegen Nazis demonstrieren. Anfangs war ich ein wenig eingeschüchtert durch die Masse an Polizisten, denn ich habe einfach nicht mit so einem großen Polizeiaufgebot von 300 Beamten gerechnet. Auf der Anfangskundgebung um 15.30 Uhr lief alles gut, aber als wir uns dann in Bewegung setzten, beschützt von allen Seiten, passierte es. Grob geschätzt 50 Nazis versuchten Radau zu machen. Alle dunkel gekleidet, einige mit Thor-Steinar-Kleidung und Bierflaschen in der Hand. Ihre Schreie habe ich nicht gehört, sondern nur gesehen, wie sie vergebens versuchten die Polizisten zurückzudrängen. Junge Menschen und Erwachsene wurden von uns ferngehalten.

Wir, 300 Demonstranten, haben unser Bestes gegeben, dem braunen Abschaum mal die Meinung zu geigen: »Ihr habt den Krieg verloren, ihr habt, ihr habt, ihr habt den Krieg verloren.« und „Nazis, jetzt wird’s bitter, hier sind die autonomen Jedi-Ritter.»

"Keine Mauer um Europa, alle her und auf Dauer."

„Say it loud and say it clear, refugees are welcome here.»

Auch wenig später trafen wir wieder auf Nazis, wir sind aber stehen geblieben und haben mit unseren Rufen nicht nachgegeben. Während die Nazis versucht haben, ihre Hymnen besoffen zu grölen, und wieder versuchten, zu uns zu gelangen, hatte fast jeder eine Bierflasche in der Hand. Wieder einmal war es super, dass sich die Polizisten dazwischenstellten. Unser Protestwagen zeigte mit dem Cover-Song »Schrei nach Liebe« von den Toten Hosen Stellung. Wir gaben Sprüche wie »Bleiberecht für alle und auf Dauer, ein Europa ohne Mauer« zum Besten.

Es waren viele Studenten, politische Hochschulgruppen, Vereine und Stadträte anwesend.

Es waren unter anderem viele Studenten, politische Hochschulgruppen, Vereine und Stadträte anwesend. Fotos: Johanna Sommer.

Die Polizisten baten uns dann aber nach einer Weile weiterzuziehen. Vor dem Gesundheitszentrum hat sich noch das Bündnis Halle gegen Rechts für die Teilnahme bedankt.

Als ich dann an der Haltestelle S-Bahnhof Silberhöhe auf die Bahn gewartet habe, ließ mich noch das Graffiti »Stoppt die Zigeunerflut« wieder wütend werden. Was wäre das wohl für ein Deutschland, das stattdessen nur Nazis eine Heimat bieten würde? Dann würde ich lieber das Graffiti mit »Nazis raus!« übersprühen.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 09.12. 2014 | Bearbeitet: 30.01. 2015 03:05