Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Geburtstagsfete offiziell

Am 3. Juni 2014 feierte der Stura sein 25-jähriges Bestehen mit Film, Musik und Sektempfang.

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Geladen und gemischt: Das Festakt-Publikum

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Eigentlich hätte das Geburtstagskind sich noch bis Dezember gedulden müssen, denn der Stura an der Martin-Luther-Universität wurde natürlich erst nach der Wende ins Leben gerufen. Doch zum Feiern eignet sich der Sommer besser, und das Wetter spielte an diesem Dienstag mit. Bevor am Nachmittag die Geburtstagsparty auf dem Uniplatz startete, fand um 11.00 Uhr im kleineren Kreis ein offizieller Festakt zum 25-jährigen Gründungsjubiläum des Studierendenrats an der MLU statt. Neben universitärer und politischer Prominenz waren auch ehemalige Stura-Angehörige eingeladen. Das Publikum in der Aula des Löwengebäudes war – dank bewusst gestalteter Sitzordnung – im wahrsten Wortsinn gemischt, das abwechslungsreiche Programm ließ keine steife Grußwortatmosphäre aufkommen.

Für die Einstimmung sorgte ein kleiner Film. Eva Frenz und Eva Fabian waren durch die Innenstadt gezogen und hatten den Hallensern das Mikrofon vor die Nase gehalten: »Was macht unser Studierendenrat so?« fragten sie. Einige der Studenten, Schüler und Rentner hatten jedoch keine Ahnung. »Einen Rat geben?« riet eine Studentin. »Hochschulpolitik«, warf ein Student ein. Eine andere war sich sicher, dass der Stura ihre Interessen vertritt. Im Film fragten Eva und Eva auch danach, wie der typische Student ist. »Alternativ«, »barfuß« und »mit viel Bier« unterwegs. Schließlich gewährte das Video noch einen kleinen Blick ins Stura-Gebäude.

Foto: Markus Kowalski

Sebastian führte durchs Programm.

Foto: Markus Kowalski

Der Stura-Öffentlichkeitsreferent Sebastian Rhein führte durch die Veranstaltung und kündigte den »Big Boss der MLU, Herrn Rektor Sträter« an. Dieser habe sich nicht lange bitten lassen, einen Redebeitrag beizusteuern, und auch sonst habe das Rektorat die Geburtstagsfeierlichkeiten unterstützt, etwa mit einem lehrveranstaltungsfreien »Dies Academicus« ab 14.00 Uhr. Sträter fand in seiner Ansprache lobende Worte für den Studierendenrat »als Ansprechpartner und Vermittler« studentischer Interessen. Seit einiger Zeit finde ein monatliches Gespräch mit Stura-Vertretern im Rektorat statt, nach eigenem Bekunden schätzt der Rektor diesen »direkten Kanal« sehr. In der Haushalts- und Kürzungsdebatte lobte er die »konstruktive Zusammenarbeit«.

Die gastgebenden Stura-Vorsitzenden hatten ihren Redebeitrag und somit auch die Begrüßung unkonventionell ans Ende der Veranstaltung gesetzt. Daher bat Sträter in seiner Rede das Publikum um Nachsicht, dass Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Möllring (CDU) den Festakt vorzeitig verlassen müsse, weil er noch einen Termin bei einem Aufsichtsrat habe. Möllring selbst ergriff nicht das Wort, ehe er eine knappe Stunde später tatsächlich entschwand. Als er die Treppen hinunterging, um aus dem Löwengebäude hinaus zu gehen, wurde er mit einem Protest-Flashmob verabschiedet.

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Begrüßung zum Abschied: Die Stura-Vorsitzenden

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Von leichter Verwirrung im Universitätsarchiv wusste Moderator Sebastian zu berichten, wo Stura-Mitglieder zu hören bekamen: »Wir finden nichts über den Studierendenrat … aber wir haben was vom Studentenrat.« Im Archiv der Hochschule findet er sich also noch unter dem alten, nicht gegenderten Namen. Die Verwirrung hielt bei den Archivarinnen noch eine Weile an: »Was ist denn Gendern?«

Bereits ab 1945 gab es an der Uni Halle einen Studentenrat. »Er war sehr präsent, aber mit Gründung der DDR 1949 verschwand er schlagartig«, erzählte Sebastian. 1947 jedoch hatte der damalige Stura zu einer Konferenz mit Studierenden und Professoren aus allen deutschen Ländern eingeladen mit dem Ziel, die deutsche Teilung zu verhindern. 6000 Reichsmark wurden alleine für die Versorgung der Teilnehmer mit Zigaretten ausgegeben.

Im folgenden Intermezzo kam die Orgel der Aula zu seltenen Ehren. Eine Studentin der Kirchenmusik entlockte dem Instrument jazzige Töne.

Sebastian kündigte »eine kleine Programmänderung« an, da Oberbürgermeister Wiegand am Tag zuvor kurzfristig zugesagt hatte und »nun eine Rede halten wird.« Zunächst nutzte der OB die Gelegenheit und versuchte, sich für die verspätete Stellungnahme der Stadt zum Hochschulstrukturkonzept zu rechtfertigen. Wiegand, der in der Vergangenheit Verständnis für die Sparmaßnahmen geäußert hatte, lehnte nun die Kürzungen an der Martin-Luther-Universität ab, da sie der regionalen Wirtschaft schadeten. Darin sei er sich mit dem Stadtrat einig. Allerdings nannte er nur zwei der gefährdeten Studiengänge ausdrücklich: die Informatik sowie die Medien- und Kommunikationswissenschaften. Lob hatte er für die Proteste der Studierenden übrig: »Noch ist nichts passiert, Gott sei Dank, dank euch.« Kürzungen im Landeshaushalt seien zwar prinzipiell sinnvoll, nicht jedoch im Bildungsbereich – »aber das ist nur meine persönliche Meinung.«

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Zuckerwatte für alle auf der Geburtstagsparty am Nachmittag

Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Mit einem Sketch von Loriot sorgte die studentische Theatergruppe »malTHEanders« für gute Laune. Sie sind eines der vielen Projekte, die vom Stura gefördert werden. Im Juni führen sie »Die Physiker« im La Bim auf.

Mit einer weiteren historischen Anekdote leitete Sebastian zum Geschäftsführer des Studentenwerkes Dr. Volkmar Thom über. Nach dem zweiten Weltkrieg sollten in den Mensen Lebensmittel an Bedürftige verteilt werden, wobei die Professoren als Bonus Kaffee, Kartoffeln und Zigaretten erhalten sollten. Der Stura verteilte die raren Güter aber lieber an die Studierenden – »den Professoren geht es gut genug«. Diverse Beschwerdebriefe von Professoren führten damals zur Exmatrikulation der beiden Vorsitzenden.

Dr. Thom bedankte sich für die bisherige Zusammenarbeit mit dem Stura. So gebe es regelmäßige Treffen, man bespreche Probleme und entwickle neue Strategien, wie zum Beispiel kürzlich die Verhandlungen mit dem MDV zum neuen Semesterticket. Der Studierendenrat setze sich auch für geringe Essenspreise in der Mensa und einen stabilen Semesterbeitrag von 60 Euro ein. Das Land habe seine Zuschüsse immer weiter zurückgefahren und zahle pro Jahr und Student noch umgerechnet 40 Euro zu.

Dann wurde zur Entspannung eine Fortsetzung des Filmes von Eva und Eva gezeigt. Mit denselben Fragen und einer weiteren: Was wünschst du dem Stura zum Geburtstag? Die Bürger Halles reagierten mit »Kreativität«, »Freude an der Arbeit«, »gute Ideen«, »gute Erfolge«, »Bier« und »Joghurt«.

Heute sind die Großen dran: Hüpfburg auf dem Uniplatz, Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Heute sind die Großen dran: Hüpfburg auf dem Uniplatz,
Foto: Ronny Grütze (Stura MLU)

Der Landtagsabgeordnete Hendrik Lange (Die Linke) war der nächste Redner. Von 1998 bis 2003 war er im Stura aktiv und zeitweise im Vorstand, daneben engagierte er sich auch im Fachschaftsrat Biologie, dem Senat und dem Konzil (einem mittlerweile aufgelösten Gremium der Universität). Seine Rede begann er mit einem leicht abgewandelten Zitat von Bülent Ecevit: »Wer die Demokratie voranbringen will, darf nicht auf die Erlaubnis warten.« Für Lange ist das wesentliche Merkmal eines demokratischen Entscheidungsprozesses, dass in Gesprächen miteinander Argumente ausgetauscht und dabei auch die eigenen Argumente geschärft würden. Das sei im Stura besser verwirklicht als in Studierendenvertretungen nach dem AStA-Modell, da im Stura auf jeden Fall alle Fachschaften vertreten seien und Diskussionen im großen Kreis stattfänden. (Der »Allgemeine Studierendenausschuss« (AStA) ist an vielen Unis die vom Studierendenparlament gewählte »Regierung« der Studierendenschaft, Anm. d. Red.) An den Hochschulen insgesamt würden demokratische Strukturen leider oft als Hindernis für effiziente Entscheidungswege betrachtet. Den Trend zur »Management-Uni« gelte es zu stoppen.

Ein Pianostück eines Musikstudenten rundete die Veranstaltung ab. Er gab ein improvisiertes Jazzstück zum Besten.

Sabrina Schiffner und Charlotte Klauser, die Vorsitzenden Sprecherinnen des Sturas, begrüßten am Ende alle Gäste, gaben einen kleinen Einblick in die aktuelle Arbeit des Gremiums und sprachen bei der Gelegenheit die Kürzungspläne des Landes an, die sich »wie ein roter Faden durch die 25 Jahre ziehen«. Als Vorsitzende wollten sie ihre Kräfte »für eine moderne, vielfältige, inklusive, familienfreundliche, partizipative, nachhaltige und nicht zuletzt fordernde Universität« einsetzen.

Bei einem großen Sektempfang und Büffet kamen die Anwesenden noch ins Gespräch. Um 14 Uhr wurden dann auf dem Uniplatz Stände von Fachschaftsräten aufgebaut. Zur Unterhaltung gab es unter anderem eine Schachecke, eine Hüpfburg, Zuckerwatte, Knüppelkuchen und eine Bühne für die Bands, damit auch die anderen Studierenden das 25-jährige Jubiläum feiern konnten.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Momentan unterstützt sie die hastuzeit als Freiwillige Mitarbeiterin.

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Erstellt: 26.06. 2014 | Bearbeitet: 01.11. 2014 19:23