Dez 2014 hastuPAUSE Nr. 57 0

Für zwei, drei Bier

Ein Gespräch mit einem Musiker über die niedrigen Eintrittspreise der hallischen Rockkonzerte

Foto: Elisabeth Kulla

Foto: Elisabeth Kulla

Zwanzig Minuten vor Beginn des Konzertes beschwert sich eine junge Dame darüber, dass 50 Cent für die Garderobe bei den Eintrittspreisen – in diesem speziellen Fall 15 Euro an der Abendkasse – nun wirklich zu viel verlangt seien.

Diese Bemerkung ist der Anlass für ein Gespräch mit dem musikalischen Leiter besagten Konzertes, Frithjof Eydam (*1985). Er ist freischaffender Musiker und Komponist, Lehrer für Kontrabass und Klavier und Gründungsmitglied der Krautrockband Fake Blanche.

Was kostet die Durchschnittseintrittskarte für ein Konzert?

Gefühlt würde ich sagen … maximal fünf Euro.

Wer entscheidet über diesen Preis?

Das macht der Veranstalter. Wenn ein Club ein Konzert veranstaltet, dann bestimmen die auch den Eintrittspreis.

Was anderes ist es, wenn wir als »Band« selber ein Konzert veranstalten – was nicht ganz stimmt, weil meistens sind es entweder Friedemann (Sänger von Fake Blanche, Anm. d. Red.) oder ich. Da haben wir uns nicht immer daran gehalten. Meistens ja, aber es gab auch schon Ausnahmen. Gerade wenn wir internationale Acts hatten, haben wir auch bisweilen schon mehr genommen.

Und wer bekommt das Geld am Ende?

Normalerweise ist es so, dass das Geld, das an der Tür eingenommen wird, nach Abzug der Kosten für das Konzert an die Bands geht. Das ist der sogenannte Door-Deal.

Kommen zum Konzert zweihundert Leute, dann kriegt die Band viel Geld. Kommen nur zwanzig Leute, kann es manchmal auch sein, dass gar nichts übrig bleibt. Inzwischen ist es üblich, dass selbst Bands von weit her – also internationale Acts aus Polen, Russland – auch Door-Deals eingehen, und dass das unter Umständen schon bedeuten kann, die Band kriegt nicht mehr als fünfzig Euro. Damit hat natürlich eine Band aus New York noch nicht ihre Ausgaben gedeckt, das ist klar.

Woran kann man nun festmachen, dass fünf Euro wenig sind?

Erstens daran, dass es sich wirtschaftlich nicht rechnet, sprich, dass ein Konzert eigentlich mehr kostet. Rein aus professioneller Sicht, wenn man Profimusiker ist, würde man sagen: »Ich investiere Zeit, und in der Zeit kann ich nirgendwo anders Geld verdienen.«

Das ist das eine.

Wenn man vergleicht, was andere verdienen – zum Beispiel ein DJ oder jemand in der klassischen Musik – da ist der Eintritt doch häufig etwas höher. Wir reden hier von fünf Euro als Höchstgrenze. Das heißt, es gibt auch Konzerte, wo weniger Eintritt genommen wird. Und wenn man dann überlegt, dass ein Bier zwei Euro kostet …

Wenn nur eine Band spielt, dann wären fünf Euro durchaus schon eher viel, wenn drei oder vier Bands oder gar – was ich auch schon erlebt habe – acht Bands an einem Abend … naja.

In Halle weiß ich meistens nicht, kriege ich für den Preis eine qualitativ gute oder eine schlechte Band, weil ich das vom Preis nicht ablesen kann. Das kostet alles gleich viel.

Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass die Preise so niedrig sind?

Erstens sind die Preise schon seit einigen Jahren so, das heißt, das Publikum ist daran gewöhnt, recht wenig Geld zu zahlen für Bands, auch wenn sie aus dem Ausland kommen.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Letztendlich geht das sicherlich auch ein bisschen auf die Nachfrage zurück – wenn man in Halle hundert Leute zusammenkriegt, ist das schon viel. Und dementsprechend ist man froh, wenn man wenigstens ein bisschen Unkosten deckt. Das wird teilweise auch so gemacht, dass man einen Preis anbietet und sagt: »Ihr dürft aber auch gern mehr zahlen und damit Bands unterstützen.«

Das zweite ist, es gibt sehr viele Bands, die ein Interesse haben, auf der Bühne zu stehen. Einfach um überhaupt erst mal wahrgenommen zu werden. Da gibt es immer wieder welche, die für gar nichts spielen.
Und die Location kalkuliert einen Gewinn an der Bar ein. Deswegen ist es für die Veranstalter vielleicht sogar fast besser, wenn die Leute das Geld nicht an der Tür lassen, sondern eben eher an der Bar.

Was kann man denn dagegen machen?

Als Band kann man sagen, man spielt nur, wenn es eine Gage gibt. Wenn ich selber Veranstalter bin, kann ich selber den Preis bestimmen, dann muss ich natürlich davon ausgehen, dass wenn ich den höher ansetze, nicht alle Leute bereit sind, das zu bezahlen. Oder ich kann die Veranstalter zwingen, die Preise zu heben, indem ich eine hohe Gage ansetze. Das geht aber nur, wenn es alle machen. Wenn ich das als einzelne Band mache, dann bucht mich keiner.

Man muss sich nicht am Dumping beteiligen. Die Nachfrage leidet auch darunter. Obwohl die Preise so günstig sind, sind teilweise Konzerte schlecht besucht. Da könnte man sagen: »Der Eintritt kostet doch aber nur drei Euro.« Nur, wenn man fünfmal irgendwo war und die Musik scheiße fand, überlegt man sich das vielleicht beim sechsten Mal.

Über Friederike Eydam

, , ,

Erstellt: 22.12. 2014 | Bearbeitet: 21.12. 2014 01:22