Mai 2014 hastuPAUSE 0

»Ein Held sein«

Am Dienstag, den 27.5.2014 konnten sich alle von 10 bis 18 Uhr im Hallischen Saal über der Tulpe für eine Knochenmarkspende registrieren lassen. Unter anderem war auch Jeff Klemm dabei.

Jeff Klemm

Jeff studiert im 8. Semester an der MLU Politik und Wirtschaftswissenschaften, betreibt regelmäßig Unisport, wie Floorball und Volleyball. Foto: Johanna Sommer

Spendest du generell Blut, Blutplasma oder nur Knochenmark?

Meine erste Sache war in meiner Heimat die Blutspende. Seit Ende des ersten Semesters gehe ich alle zwei Wochen zum Blutplasmaservice in Halle.

Ist das für dich körperlich belastend, oder bist du daran gewöhnt, so dass sie alles abzapfen können, was sie wollen?

Eigentlich können sie wirklich alles abzapfen, was sie möchten. Die machen bei mir auch die maximale Menge aufgrund meiner Größe und meines Gewichtes. Ich habe damit auch keine Probleme. Besonders die Blutplasmaspende ist sehr schonend. Da sollte man höchstens mal kurz ein paar Minuten innehalten, man trinkt vielleicht etwas, aber man kann sofort wieder nach Hause gehen. Dass man sich irgendwie müde fühlt oder sowas, das ist dann mehr bei der Blutspende der Fall, weil dann bestimmte Stoffe entzogen werden, die dann erst mal kompensiert werden müssen in derselben Zeit.

Was spendest du denn am liebsten?

Blutplasma, weil man das regelmäßiger machen kann.

Und dann kommt auf Platz Zwei die Knochenmarkspende und dann zuletzt die Blutspende?

Wenn man das jetzt platzieren möchte, würde ich natürlich sagen, dass eher die Knochenmarkspende Platz eins hat. Einfach nur, weil man damit wirklich weiß, dass man damit direkt einem Menschen helfen kann. Bei dem Plasmaservice weiß man nie, wofür es genau verwendet wird. Als letztes sag ich mal die Blutspende, weil man es nur alle acht Wochen ungefähr machen darf.

Wie läuft denn die Knochenmarkspende ab?

Das ist relativ einfach. Man geht hin, da werden vielleicht vier kleine Kanülen von Blut entnommen, die Hälfte von dem, was man normalerweise spendet. Man gibt dann einfach an, dass man sich registrieren lassen möchte, dann kriegt man ein kleines Formular, das wird dann ausgefüllt, und der Rest erledigt sich dann bei den Laboruntersuchungen. Dann wird einem später zugetragen, ob es geklappt hat oder ob noch mal Blut entnommen werden muss. Es hängen keine großen formalen Sachen dahinter. Das Meiste machen die Mediziner, die das Blut untersuchen.

Wie soll man sich auf die Spende vorbereiten, viel Wasser trinken und nicht fettig essen?

Das ist der grundsätzliche Ansatz bei der Blutspende und Blutplasmaspende. Ich denke aber, dass das weniger relevant ist bei so einer kleinen Blutentnahme. Da sollte jetzt nicht großartig die Wertigkeit verloren gehen, da geht es ja darum, dass man herausfindet, wie das Blut aufgebaut ist, welche Art von Blut, und da muss man auch nicht großartig viel trinken.

Bekommst du dann eine SMS oder einen Anruf, dass du sofort Knochenmark spenden sollst, wenn ein Patient es braucht, weil dieser sonst stirbt?

Nein, überhaupt nicht. Ich weiß nicht, wie weit im Voraus ich angerufen wurde, es waren dann aber auch mehrere Wochen, wenn nicht sogar über einen Monat locker Zeit.

Jeff Klemm in Dresden

Jeff Klemm spendete 2013 seine Stammzellen, die sich in seinem Knochenmark bilden, in Dresden. Foto: Jeff Klemm

Wo hast du gespendet?

Ich hab in Dresden gespendet, weil dort eine Klinik ist, die extra darauf spezialisiert ist.

Waren denn in Dresden noch andere, die gespendet haben?

Das kann ich nicht so genau sagen, es gibt ein extra Zentrum, wo dann die jeweiligen Patienten auch liegen, aber ich hab keinen weiter gesehen. Es war ziemlich leise und still, also denke ich nicht, dass da großartig die Betten belegt waren hinsichtlich weiterer Spender. Aber es sind schon mehrere Spenden am Tag, und da kann es dann auch sein, dass in Dresden ein weiterer Spender dabei war.

Wie ist die Knochenmarkspende bei dir abgelaufen, wie eine normale Blutplasmaspende?

Da wäre die periphere Stammzellenentnahme, die trifft meistens auch zu. Das heißt, man liegt auf einem Stuhl, und mehrere Stunden wird dann das Blut entnommen beziehungsweise wieder was zugefügt, damit man auch wach bleibt. Bei mir war das aber nicht der Fall. Sie haben gleich gesagt, dass ich die Stammzellen aus dem Knochenmark entnehmen lassen müsste. Das heißt ganz einfach, dass mit einer ziemlich große Kanüle, die man natürlich nicht mitbekommt, weil man unter Vollnakose steht, einem ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch entnommen wird. Das dauert ungefähr eine bis anderthalb Stunden, und dann ist das ganze Prozedere auch schon wieder vorbei.

Wann bis du denn wieder aufgewacht?

Nach der Operation bin ich das erste Mal ungefähr drei Stunden später kurz aufgewacht, und man schläft dann gleich wieder ein. Man ist dann noch ziemlich benommen, und dann sechs oder sieben Stunden nach der OP wacht man vollständig auf. Dann ist man wieder bei Sinnen und will dann irgendetwas machen.

Dann bist du gleich nach Hause gegangen?

Man bleibt dann noch einen Tag da. Es wird noch mal ein neues großes Pflaster auf die Wunde geklebt. Der Arzt spricht mit dir, da wird sich auch jeweils noch mal bedankt, dass man gespendet hat.

Wie hast du dich nach der Entlassung gefühlt? War alles wie immer, oder hattest du Rückenschmerzen?

Es gibt auf jeden Fall eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die sie dir geben, wenn du das möchtest. Eine Woche ungefähr soll man nichts tun, auch keine sportlichen Aktivitäten und auch nicht schwere Lasten heben. Ich habe auch gemerkt, dass ich immer noch etwas im Rücken spüre. Man darf sich auch nicht normal bücken, man muss in die Knie gehen. Es zieht halt so ein bisschen, das ist wie ein Muskelkater. Ich habe bewusst zwei Wochen auf Sport verzichtet, und dann ging es wieder problemlos.

Hast du den Patienten mal kennengelernt oder den Namen erfahren wer deine Spende kriegt?

Das ist sehr kompliziert mit der Kontaktaufnahme, vor allem hier in Deutschland. Ich habe im Nachhinein nur erfahren, dass es eine spanische Frau war, so um die 50 Jahre alt. Und das einzige, was bisher kam, ist ein Brief von der Patientin selbst, und ich kann auch einen Brief zurückschreiben, allerdings anonym.

Würdest du sagen, dass sich die Spende gelohnt hat? Manche spenden lieber für ein kleines Kind.

Das ist natürlich eine schwierige Frage, aber prinzipiell würde ich sagen, natürlich erst mal Leben retten, unabhängig davon, welches Alter der Patient hat.

Wie hat denn dein Umfeld auf das viele Spenden reagiert? Waren sie besorgt oder bist du kritisiert worden?

Meine Eltern haben es auf jeden Fall sehr positiv aufgenommen und das Umfeld auch. Man prahlt ja auch nicht damit herum.

Hast du auch einen Organspendeausweis, wärst du auch für sowas bereit?

Ja, habe ich und gar keine Einschränkungen eingetragen. Organe werden natürlich erst im Todesfall entnommen.

Lohnt sich denn eine Knochenmarkspende finanziell?

Man bekommt reichlich zu essen und zu trinken, den Spender darf man nicht bezahlen. Es gibt auch Sachgeschenke. Ich habe auch einen Mediamarkt-Gutschein erhalten und gleich verwendet, um mir eine Kamera zu kaufen.

Warum soll man sich typisieren lassen?

Ich finde, es ist die beste Möglichkeit, um auch mal Leben zu retten, auch mal selber ein Held zu sein, nur ohne Superkräfte, einfach nur mit einer Spende. Man selbst hat etwas hergegeben, das sich regeneriert, und man bekommt auch keine Folgeprobleme. Man merkt auch, man hat irgendetwas richtig gemacht.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Momentan unterstützt sie die hastuzeit als Freiwillige Mitarbeiterin.

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Erstellt: 26.05. 2014 | Bearbeitet: 04.06. 2014 00:47