Feb 2014 hastuPAUSE Nr. 52 0

Die Wiege des Plastiks

Ein Konzept zur umweltschonenden Kreislaufwirtschaft nennt sich »Cradle to Cradle«.

Foto: Kulturlabor Trial u. Error

Foto: Kulturlabor Trial u. Error Flickr CC BY-NC-SA 2.0

Plastikkügelchen in der Zahnpasta, Weichmacher im Shampoo und Aluminium im Deospray. Klingt befremdlich, doch das sind nur ein paar der giftigen Stoffe, mit denen unser Körper tagtäglich in Kontakt kommt. Viele der Inhaltsstoffe in unseren Kosmetika und Lebensmitteln kennen wir noch nicht einmal. Zwar gibt es noch keine Langzeitstudien zu den körperlichen Folgen des Gebrauchs solcher Artikel, doch das Gerücht, dass aluminiumhaltige Deos Brustkrebs erregen und sich das Plastik der Verpackungen auf unsere Lebensmittel übertragen soll, hat bestimmt jeder schon einmal gehört. Wenn wir den Kunststoff nicht mehr brauchen, landet er schließlich in Müllverbrennungsanlagen, durch die er wieder in den ursprünglichen Kreislauf gelangt. Um diesen schädlichen Kreislauf zu durchbrechen, hat Professor Dr. Michael Braungart, wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts, das sogenannte »Cradle-to-Cradle«-Konzept (C2C) entwickelt.
Umwelt- und menschenfreundliche Materialien können recycelt werden und dadurch in einem konstanten Rohstoffkreislauf verbleiben. Es wird also nicht von der »Wiege zur Bahre« produziert, sondern von der »Wiege zur Wiege«. Im Gegensatz zum herkömmlichen Recycling wird beim C2C-Konzept, das in den Niederlanden bereits angewandt wird, von Anfang an darauf geachtet, Produkte zu verwenden, die nach ihrer Nutzung recycelt werden können. »Am Ende weiß man, wie man die Materialien voneinander trennen kann«, erklärt Tim Janßen, Geschäftsführer des Vereins »Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege« in Hamburg.

Beim sogenannten Upcycling geht es darum, trennbare Materialien zu verwenden, welche in Rohstoffqualität zurückgewonnen und aus denen schließlich wieder neue Produkte hergestellt werden können. Beispielsweise könnte der Verbraucher eine spezielle Waschmaschine bei C2C-Firmen erwerben, die er, wenn sie nicht mehr funktionstüchtig ist, wieder zurückgibt. Dadurch können die Materialien weiter verbaut werden. Bei dem Prinzip wird also auf kompostierbare oder wiederverwendbare Materialien geachtet, die die Umwelt nicht verschmutzen. »Die Umweltverschmutzung ist kein Problem der Überbevölkerung, sondern ein Problem des Umgangs mit den Materialien«, so Janßen. »Das Shampoo muss genauso für die Umwelt abbaubar sein wie der Autoreifen.« Allerdings stelle die C2C-Idee keinen Universalansatz dar, da der Einsatz und die Verfügbarkeit von Materialien regional abhängig sind. »Das Wichtigste ist, Materialien zu verwenden, die keinen Müll verursachen und den Menschen nicht krank machen.«

Im Auftrag des 2012 gegründeten Vereins »Cradle to Cradle« hält Tim Janßen zahlreiche Seminare und Vorträge, um die Gesellschaft für die Themen Umwelt und Recycling zu sensibilisieren. In den letzten Monaten haben sich viele Menschen zusammengefunden, die selbst bei C2C aktiv werden wollen und unter anderem in Berlin, Hannover und Stuttgart erste Regionalgruppen gegründet haben. Auch im Raum Leipzig / Halle hat sich eine Regionalgruppe des Vereins zusammengefunden, die unter der Adresse zu erreichen ist. Aktuell wird der Verein noch von verschiedenen Fördervereinen finanziert, möchte jedoch auch Wirtschaftsunternehmen zur Unterstützung gewinnen.

Foto: Chris Schön

Projektkoordinatorin der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt. Foto: Christian Schön

Auch die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, die Janßen im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe »Szenarien für eine ökologische Wende« zu einem Vortrag im Dezember eingeladen hat, zählt Ökologie und nachhaltige Entwicklung zu ihren Schwerpunktthemen. Für die grün-nahe Stiftung stellt die politische Bildungsarbeit einen wichtigen Baustein dar, um mit interessierten Menschen in Verbindung zu treten und politische Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Mit Buch und Filmvorstellungen wie »Kampf um Strom« oder »T-Shirts als Pflanzendünger« versucht die Stiftung Menschen von jung bis alt zu erreichen. Aber auch Menschenrechte, Globalisierung und Geschlechtergerechtigkeit zählen unter anderem zu den zentralen Themen der Veranstaltungen. »Ein Großteil der Besucher sind natürlich Studierende, aber auch Berufstätige«, erzählt Daniela Zocholl, Projektkoordinatorin der Stiftung, »Leute, die etwas in der Welt verändern wollen.« Ziel der politischen Bildungsarbeit sei es, die Menschen zum Nachdenken anzuregen, aber es würde die Stiftung natürlich immer freuen, wenn man jemanden dazu bewegen kann, selbst aktiv zu werden«, so Zocholl.

Über Mirjam Hruby

Mirjam hat ihr ASQ bei der hastuzeit absolviert. Da ihr das Texten und Interviewen sehr viel Spaß macht, macht sie auch weiterhin bei der hastuzeit mit.

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Erstellt: 17.02. 2014 | Bearbeitet: 03.04. 2015 15:33