Jun 2014 hastuPAUSE Nr. 55 0

Diäten im Selbstversuch

Brigitte-Diät, Weight Watchers oder die Dukan-Diät. Drei von unzähligen Möglichkeiten, die Pfunde loszuwerden, aber wie alltagstauglich sind sie? Ben hat die drei Ernährungsformen für je fünf Tage getestet.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Von all diesen Diäten hat man vielleicht schon einmal gehört. Jede verspricht eine möglichst schnelle Gewichtsabnahme in einer bestimmten Zeit. Doch funktionieren diese Diäten wirklich bei jedem, oder muss man sich eine suchen, die genau auf einen persönlich abgestimmt ist?

Ist es schwierig, diese Diäten im Alltag zu machen, oder muss man seine Semesterferien dafür opfern? Hat man ein enormes Hungergefühl und will am liebsten die Diät abbrechen oder wird man satt, weil man essen kann, was man will? All diese Fragen haben mich als studierenden Ernährungswissenschaftler so sehr beschäftigt, dass ich mich dazu durchgerungen habe, sie selbst einmal aus­zu­pro­bieren. Wie soll ich fremden Leuten, die mich nach einer optimalen Diät fragen, etwas empfehlen, ohne dass ich eigene Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt habe? So habe ich mir vorgenommen, parallel zu den Ernährungs- und Diätvorlesungen, in denen ich auch die nötigen Informationen zu den drei Diätformen erhielt, den Selbstversuch zu wagen.

Dukan-Diät

Die Dukan-Diät ist eine Form der Low-Carb-Diäten. Dabei geht es grundsätzlich darum, möglichst wenige Kohlenhydrate zu verzehren und eher auf Proteine zu setzen. Das heißt: weniger Nudeln, Kartoffeln, Brot und dafür lieber mehr Obst, Gemüse, Fisch und Fleischprodukte. Ein Vorteil dieser Diät ist, dass auf Kalorienzählen verzichtet werden kann, da man die vorgegebenen Lebensmittel ohne Einschränkung genießt. Problematisch wird es für Vegetarier, die keine Fisch- und Fleischprodukte verzehren.

Meine Erfahrung mit der Dukan-Diät war nicht besonders positiv. Die ersten zwei Tage war alles kein Problem. Ich hatte keinen besonders großen Hunger und fühlte mich gut. Doch ab Tag 3 schmeckte der Salat in der Mensa überhaupt nicht mehr, und auch das Hungergefühl war unerträglich. Mein Mitbewohner fragte des Öfteren, ob es mir gut gehe, da ich sehr blass und schwach aussähe. Genauso habe ich mich auch gefühlt. Mit Sport war nicht mehr allzuviel los, und auch zum Lernen hatte ich keine Lust. Ich habe ständig daran gedacht, mal wieder eine dicke Portion Nudeln oder einen überragenden Kartoffelauflauf zu essen. Durch die geringe Kohlenhydratzufuhr war mein Serotoninspiegel so niedrig, dass ich schlechte Laune bekam. Serotonin ist das Glückshormon, welches durch kohlenhydratreiche Nahrung ausgeschüttet wird. Nach fünf Tagen war dann die erste Diät beendet, nun konnte ich immer mehr Kohlenhydrate essen. Schlagartig hatte ich gute Laune und konnte auch mal wieder unter Leute gehen. Für mich stand ohnehin fest, diese Diät möchte ich niemandem empfehlen. Natürlich habe auch ich drei gesunde Kilo abgenommen, aber dieses enorme Hungergefühl ist es nicht wert. Da muss es noch etwas anderes geben.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Brigitte-Diät

Jetzt da mein Ehrgeiz geweckt war, stand fest, ich werde eine weitere und hoffentlich bessere Diät finden. In der Vorlesung kamen wir dann auf die Brigitte-Diät zu sprechen, die mir sofort sympathisch erschien. Die Brigitte-Diät ist die bekannteste und älteste Diät in Deutschland und verspricht eine fettreduzierte, ausgewogene Ernährung, und sättigend soll sie auch sein. So beschloss ich diese Diät zu machen und erst einmal dafür einzukaufen. Da die Zutaten ein ausgewogenes Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettverhältnis haben, brauchte ich beim Einkauf nicht auf viel zu achten. Ich musste einfach nur die Lebensmittel kaufen, die in den Rezepten stehen. Auch für Vegetarier gibt es eine Menge an Kochanleitungen, so dass es für viele Ernährungstypen die Möglichkeit gibt, abnehmen zu können.

Die Ernährung bei der Brigitte-Diät besteht aus einer ausgewogenen Mischkost, und man kann alles essen, was man möchte. Lediglich die Menge ist klar definiert. Täglich sollten ca. 1200 kcal verzehrt werden. Die Rezepte dieser Diät sind vielfältig und einfach, egal ob für Frühstück, Mittag- oder Abendessen. Im Internet kann jeder seine drei Tagesmahlzeiten selbst zusammenstellen und nach Belieben einkaufen. Daraus stellt sich jeder ganz nach Geschmack seinen Tages-Menüplan zusammen. Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Diäten. Ein Nachteil ist jedoch das tägliche Zubereiten und Kochen der Rezepte. Auch von Freunden eingeladen zu werden ist schwierig, weil man dann keine Kontrolle darüber hat, wie viele Kalorien man zu sich nimmt. Demzufolge konnte ich immer nur zu Hause meine selbst zubereiteten Mahlzeiten verspeisen. Ich wurde jeden Tag satt und hatte eine bessere Laune als bei der Dukan-Diät.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine einfache Diät ist, wenn man Zeit für die Zubereitung der Mahlzeiten hat oder es in Gemeinschaft ausprobiert.

Weight Watchers

Um aber noch eine dritte Diät kennenzulernen, wollte ich mich an die berühmte Weight-Watchers-Reduktions­diät wagen. Einfach jeder kennt diese Diät aus der Werbung. Doch worum geht es dabei? Die Idee, die dahinter steckt, ist das Abnehmen in einer Gruppe mit Gleichgesinnten. Es werden wöchentliche Sitzungen gehalten, um eine Art Teamgeist zu wecken. In den Sitzungen werden dann der Bauchumfang und das Gewicht protokolliert. Jede Woche werden die neuesten Erfolge besprochen, und es wird diskutiert, was man verbessern kann. Es werden von jedem Teilnehmer individuell die Punkte ermittelt, die er täglich maximal aufnehmen darf, um abzunehmen. In diese Berechnung fließen das Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht und körperliche Aktivität mit ein. Am Ende dieser Berechnung hat jeder eine Punktzahl, die er am Tagesende erreichen darf.

Foto: Christian Schoen

Foto: Christian Schoen

Mit einer Liste, in der definiert ist, welches Lebensmittel wie viele Punkte hat, kann man frei entscheiden, was man isst und wie viel man davon verzehrt. Es wird also kein Lebensmittel explizit verboten, was ein großer Vorteil dieser Diät ist. Wenn man eine starke körperliche Aktivität ausübt, darf man auch mehr essen. Da ich viel Sport mache, hat mir diese Diät gefallen. Ich war eine halbe Stunde joggen und konnte zum Abendessen eine Scheibe Brot mehr essen. So war ich nie wirklich hungrig und immer ganz zufrieden mit meinem Speiseplan. Nebenbei darf man immer viel Obst und Gemüse essen, welches sehr wenig bis gar keine Punkte hat und die ganze Diät noch einmal erheblich erleichtert. Für mich persönlich hat die Weight-Watchers-Diät aus diesen Gründen gesiegt, und ich würde sie jedem weiterempfehlen. Zu den Gruppensitzungen braucht man nicht zu gehen, da diese mit hohen Kosten verbunden sind und man die Punkteliste der Lebensmittel auch selbst besorgen kann. Nach mehreren Tagen hat man die jeweilige Punktevergabe auch im Kopf, so dass man diese nur noch addieren muss und so auf nichts weiter achten braucht.

Nach meinem Selbstversuch kann ich sagen, dass jede Diät ihre Vor- und Nachteile hat. Wenn man wirklich abnehmen möchte, sollte man viel Obst und Gemüse essen und reichlich körperliche Aktivität ausüben. Wenn mehr Kalorien verbraucht werden, als dem Körper zugeführt werden, nimmt man automatisch ab. Und da viele Leute nichts an ihrer Ernährung ändern wollen, kann ich ihnen nur mehr Sport für eine optimale und gesunde Gewichtsreduktion empfehlen.

Über Ben Rothe

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Erstellt: 29.06. 2014 | Bearbeitet: 19.07. 2014 23:08