Apr 2014 hastuINTERESSE 0

Der Aluhut gegen die Verschwörung

Die »Montagsdemo« ist nun auch in Halle angekommen. Ein breites Bündnis der Hochschulgruppen organisierte am Montag eine Gegendemo, linke Jugendliche störten den Protest.

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Linke Gegendemonstranten drängten in die Menge der Montagsdemo.

Die Protestwelle aus Berlin, die »Montagsdemo«, ist in Halle angekommen. Besorgte Bürger demonstrierten am Montagabend auf dem Marktplatz für Frieden, eine ehrliche Presse und soziale Gerechtigkeit. Bereits in anderen Städten, darunter zuletzt Leipzig, hatten die Montagsdemos für kontroverse Diskussionen gesorgt. Der Grund dafür ist die Annahme, dass rechtsradikale Gruppen die friedlichen Proteste instrumentalisierten und damit einen strukturellen Antisemitismus verbreiteten.

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Fotos: Markus Kowalski

Nachdem die Facebook-Seite der Montagsdemo mit über 1000 Likes die Veranstaltung angekündigt hatte, rief ein breites Bündnis kurzerhand zur Gegendemo auf. Die fünf Hochschulgruppen RCDS, Jusos, Liberale, GHG und SDS sowie die hallischen Jugend-Parteiorganisationen Junge Union, Jusos, Grüne Jugend, Junge Liberale und solid-Linksjugend waren mit ca. 50 Personen an der Gegendemo beteiligt. Unter dem Motto »Frieden ohne Aluhut« trugen einige Studenten aus Alufolie gebastelte Hüte auf dem Kopf. Der Aluhut steht laut dem Bündnis symbolisch für Verschwörungstheorien. Inhaltlich mahnten die Studierenden die rund 200 Montagsdemonstranten mit Flugblättern, nicht »mit vereinfachten Lösungen nach Sündenböcken« zu suchen.

Das Bündnis der politischen Jugendverbände aus Halle und der Hochschulgruppen. (Linksjugend nicht auf Foto)

Das Bündnis der politischen Jugendverbände aus Halle und der Hochschulgruppen.

Die Montagsdemonstranten dagegen waren verärgert über die Gegendemo. »Alles gekauft«, meinten einige. »Hier geht es doch um Frieden!« stellten andere fassungslos fest. Um einen Wartburg mit Lautsprechern versammelten sich die Bürger. Einige verlasen Reden, in denen sie über die Verursacher der Krim-Krise spekulierten. Eine Security-Firma bewachte die Montagsdemo zusätzlich zu den Polizisten.

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Plötzlich stehen Gegendemonstranten von der Rathaustreppe auf.

Plötzlich stehen einige Jugendliche von der Rathaustreppe auf, rufen »Keinen Frieden mit Antisemiten«. Mit einem Banner und einer Israelflagge fordern sie »Kommunismus statt Antisemitismus«. Einige Studenten mit Aluhut stellen sich spontan zu ihnen, in großer Euphorie klatschen die anderen Studierenden der Gegendemo Beifall. Dann versuchen die vermummten Jugendlichen, in die Menge der Montagsdemo zu drängen und damit zu stören. Dort hält sie die Polizei auf und schiebt sie zurück. Nach kurzer Zeit beschimpfen sich die Demonstranten beider Seiten gegenseitig. Ein alkoholisierter Mann grölt von der Rathaustreppe. Im Vorbeigehen sagt ein Mann auf Seite der Montagsdemo entnervt: »Irgendwie haben doch alle recht«. Nach einer Stunde ist die Luft raus und die Demo verläuft sich.

Versuchen, miteinander zu reden: Ein Redner der Montagsdemo (links) und ein Gegendemonstrant (rechts).

Versuchen, miteinander zu reden: Ein Redner der Montagsdemo (links) und ein Gegendemonstrant (rechts).

Was bleibt? Das ungewisse Warten auf das, was nächsten Montag kommt.

Über Markus Kowalski

studiert Politikwissenschaften und Germanistik, hält aber wenig von den alltäglichen Politik-Nachrichten. Meistens ist er mit einem coffee-to-go auf dem Uniplatz anzutreffen.

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Erstellt: 28.04. 2014 | Bearbeitet: 11.06. 2014 14:56