Jun 2014 hastuPAUSE Nr. 55 0

»Euphorie gepaart mit Panik«

»Cutliesthroat«, so nennen sich die fünf Hallenser, die deftigen Deathcore für ihr Publikum zubereiten.

Foto: Cutliesthroat

Foto: Cutliesthroat

Dem einen oder anderen werden die Nackenhaare zu Berge stehen vom harten Sound der jungen Band, die es erst seit einem Jahr gibt. Aus den Worten »cut« (schneiden), »lies« (Lügen) und »throat« (Kehle) setzt sich ihr Name zusammen. Die Bedeutung ist nicht minder zu bewerten: »Wir können Leute nicht ausstehen, die sich in ihren Lügen verstricken und damit andere Menschen in die Irre führen«, berichtet Stephan, der Schlagzeuger der Band. Obwohl es die Deathcore-Band erst seit April letzten Jahres gibt, sind sie in Halle eine echte Berühmtheit und haben sich bis zum Rockpool-Contest durchgeschlagen. »Wir wollen einfach dabeisein und ein paar fette Klänge aus unseren Instrumenten raushauen«, erzählen die fünf Jungs.

Doch nicht nur in Halle standen sie auf der Bühne und konnten das Publikum begeistern. Leipzig, Eisleben und Dresden sowie Dessau sind alles Städte, in denen die fünf Rocker schon unterwegs waren; und sie hoffen, es werden noch mehr. Doch wie läuft so ein Bandleben eigentlich ab? Die hastuzeit war zum Interview bei den Jungs.

Wie lange braucht ihr ungefähr, um einen neuen Song zu schreiben?

Stephan (drums): Das ist eine gute Frage. Das ist immer unterschiedlich und bewegt sich zwischen Wochen und Monaten. Generell ist jedoch zu sagen, dass, wenn eine Idee oder ein Konzept da ist, es relativ schnell gehen kann, bis der Song dann auch fertig wird. Hier ist es auch sehr hilfreich, dass unser Gitarrist Vince sich sehr tief in das Thema »Aufnehmen und Editieren« eingearbeitet hat.

Wer schreibt bei euch die Texte?

Marius (vocals): Die Texte auf der Anoia-EP stammen allesamt von mir. Bei dem Song »Harbour« hat mir Stephan geholfen und eine txt-Datei geschickt, deren Kernidee ich dann übernommen habe. Das ist eigentlich ziemlich cool und umgeht, dass mir mal die Ideen ausgehen.

Stephan: Ja, so läuft das, aber ab und an sind die Texte auch Gemeinschaftsprojekte. Einer von uns hat eine Idee oder einen Text und gibt das dann an Marius weiter. Der setzt sich dann meistens hin und schreibt den Text um oder nutzt diesen als Idee für einen komplett neuen Text. Zudem werden die Texte von jedem von uns noch einmal gesichtet, bevor wir sie nutzen.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Stephan: Da der Großteil der Band noch mit ihrer schulischen Karriere zu tun hat, steht die natürlich erst einmal im Fokus. Fabian hat mit seinem Musikstudium auch schon den Weg in Richtung Berufsmusiker eingeschlagen. Wo das Ganze hingeht, ist noch offen. Der Plan ist aktuell, mit dem Projekt Spaß zu haben, Leute zu begeistern, Menschen kennenzulernen und herumzukommen.

Wenn man euch nicht kennt, wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Stephan: Abwechslungsreich würde es sicher am besten treffen. Wir machen die Musik, weil sie uns Spaß macht. Da wir alle genretechnisch ein sehr weites Spektrum an Bands hören und selbst gern rumexperimentieren, schwankt es immer zwischen Deathcore, Hardcore und progressivem Metal. Progressiver Deathcore trifft es wohl noch am besten.

Marius:
Tief gestimmte Gitarren, Breakdowns, Bassdrops, Solos, Bleghs.

Welches Gefühl verspürt ihr auf der Bühne?

Stephan: Meistens Euphorie gepaart mit Panik. Gelegentlicher Adrenalinausstoß ist da sicherlich auch ein Faktor.

Wart ihr bisher mit allen Veranstaltungen zufrieden?

Stephan: Nicht mit allen. Es gibt immer gute Shows und schlechte Shows. Wir besprechen jede Show und suchen die Pros und Kontras, um das Ganze im Nachhinein besser zu machen. Mit den zehn gespielten Shows können wir jedenfalls sagen, dass wir nicht besser werden, wenn wir nach sechs Stunden Warten nachts um eins endlich auf die Bühne dürfen.

Wenn du damit jedoch auf die Veranstaltungen selbst eingehen willst, gibt es auch hier starke Unterschiede. Nicht jedem Veranstalter liegt der Künstler am Herzen. Dies fängt beim Catering an, geht über die Betreuung an sich und hört bei der Vergütung auf. Von keinem Catering bis hin zu einem Traumbuffet war bis jetzt alles dabei.

Was war euer verrücktester Auftritt und warum?

Stephan: Als verrückt könnte man die Show in Dresden bewerten. Nachts halb zwei vor 16 zahlenden Gästen nach sechs Stunden warten ohne Catering zu spielen, um dann mit sieben Personen in einem 15-Quadratmeter-Zimmer auf dem Teppich ohne Decke zu schlafen. Das Beste war: Der Kofferraum am Auto war nicht richtig zu und unsere Backline theoretisch für jedermann zugänglich. Aber zum Glück hat es niemand versucht. Das ist echt verrückt. Aber so sammelt man Erfahrungen.

Wenn ihr die Wahl hättet: mit welchen Bands würdet ihr gerne zusammen spielen?

Stephan: Da gibt es so einige. Wir hatten auch bereits das Glück, mit The Green River Burial, Vitja und unseren Freunden von Livyah zusammen zu spielen. Sicher dürfen sich dort auch noch weitere Bands einreihen. Jede Show, egal mit welcher Band, bringt uns Kontakte, neue Freunde oder einfach einen netten Abend. Wenn wir die Wahl hätten, würden wir gern mit allen zusammen spielen. Ausgeschlossen hiervon sind natürlich Bands, welche sich im rechten Sektor bewegen, welche glaubhafte Gewalt androhen und Katy Perry.

Über Ben Rothe

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Erstellt: 30.06. 2014 | Bearbeitet: 29.06. 2014 01:50