Okt 2014 hastuINTERESSE Nr. 56 0

Brief an die neuen Erstsemester

Nützliche Hinweise für den Sprung ins kalte Wasser

Foto: Thomas Hoffmann

Schwimmen in der Saale.

Foto: Thomas Hoffmann


Hallo und herzlich willkommen in Halle, bestimmt habt Ihr diese Worte zuletzt recht häufig gehört: im Ratshof beim Ummelden, von älteren Semestern, vielleicht von Eurem Vermieter und natürlich vom geschätzten Herrn Rektor, wenn ihr denn an der Immatrikulationsfeier teilgenommen habt.

Letztes Jahr hatten wir in der hastuzeit einen Text mit dem Titel »Warum Halle richtig ist«, um die neuen Studierenden zu begrüßen. Wir haben damals viele Gründe, mal ernsthaft, mal scherzhaft, gefunden.

Sicherlich ist auch dieses Jahr nicht jeder von Euch sicher, ob er oder sie die richtige Wahl getroffen hat. Die Universitätsumgebung ist neu, die Stadt möglicherweise völlig unbekannt, und ob das Studium wirklich zusagt, kann man auch noch nicht wissen.

Ich persönlich glaube, Ihr habt eine gute Wahl getroffen. Für mich sind die ersten vier Jahre sehr schnell vergangen. Nach dem Bachelor hatte ich nicht das Gefühl, von Halle bereits alles gesehen zu haben. Nicht zuletzt darum bin ich noch hier. Euch erwartet also einiges.

Deshalb auch gleich der Aufruf an Euch: Verkriecht euch nicht hinter euren Büchern, die bleiben lange genug eure Begleiter. Bleibt das eine oder andere Wochenende in der Stadt, auch wenn Ihr erst mal keine festen Pläne habt. Lasst Euch auf die Stadt ein!
Wusstet Ihr zum Beispiel, dass es in Halle legal ist, im Sommer kostenfreie Open-Air-Partys stattfinden zu lassen?

Oder habt Ihr schon mal von der Freiraumgalerie gehört, wo dutzende kunstvolle Wandgraffitis zu finden sind? Von der Peißnitz wurde Euch sicher schon berichtet, aber auch von den zahlreichen anderen Parks, die Halle zur grünsten Großstadt Deutschlands machen? Und dass wir hier einen Badestrand an der Saale haben, wusste sicher auch noch nicht jeder.

Graffiti von DASK in Halle. Foto: Christian Schoen

Graffiti von DASK in Halle.

Foto: Christian Schoen

Student sein in Halle bedeutet aber auch noch etwas anderes. Man kann ganz aktiv daran teilnehmen, dass Ost/West-Klischees abgebaut werden können. Hier kommen Studenten aus allen Teilen der Republik. Sicherlich ist vieles mittlerweile Vergangenheit, aber hier und da hört man beiderseits der früheren Grenze doch noch Verächtlichkeiten und Unwissen. Ich jedenfalls bekam den einen oder anderen Spruch damals zu hören, als ich aus dem westlichen Niedersachsen herzog. Für manche Menschen ist »der Osten« immer noch irgendetwas Undefiniertes zwischen Platte, Soli und rechts. Da kann man als hallischer Studierender in Halle dann doch etwas Aufklärungsarbeit leisten. Genauso übrigens auch die vielen Erstis aus den »neuen Bundesländern«, die hier ebenso mit »Wessis« in Kontakt kommen und neue Erfahrungen nach Hause tragen und die Begriffe in Anführungszeichen beerdigen helfen.

Heimspiel beim HFC. Foto: Tobias Hoffmann

Heimspiel beim HFC.

Foto: Tobias Hoffmann

Aber auch die Stadt Halle hat nicht überall das beste Image. Ungerecht und unnötig eigentlich. Ihr könnt als Studenten aus Halle auch Botschafter für Halle sein, ladet Freunde und Familie ein, gebt eine Stadtführung, zeigt ihnen Eure neue Umgebung.

Zuletzt aber auch noch eine etwas ernstere Angelegenheit. Viele von Euch werden es wissen. Die Universität hat – wie so viele Unis – Finanzprobleme und sieht sich obendrein Sparzwängen von Seiten der Landesregierung ausgesetzt. Ich möchte Euch daher auch bitten, nicht teilnahmslos von Hörsaal zu Hörsaal zu laufen. Informiert Euch, seid aktiv und nehmt teil am Universitätsleben. Vielleicht müssen wir bald wieder Oberbürgermeister und Landeshauptstadt daran erinnern, warum Halle als vollwertiger Universitätsstandort wichtig ist. Vielleicht wird dann für eine Demo die eine oder andere Vorlesung dran glauben müssen. Ich denke aber, diese Stadt ist es wert, auch damit Halle eine so vielseitig bleibt und auch Ihr und kommende Studenten mehrere Jahre etwas zu entdecken haben.
Aber jetzt genießt erst einmal Eure Erstsemesterparties, die ersten Wochen und die neue Freiheit des Studentenlebens. Vielleicht verliebt Ihr Euch ja nach einer Weile genau wie ich in diese Stadt!

P. S.: Apropos an der Universität einbringen, wenn Du Lust hast bei der hastuzeit mitzumachen, schau doch mal Mittwoch 19.00 Uhr im Sturagebäude bei uns vorbei!

Eher unbekanntes Geheimplätzchen in Giebichenstein. Foto: Tobias Hoffmann

Eher unbekanntes Geheimplätzchen in Giebichenstein.

Foto: Tobias Hoffmann

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 21.10. 2014 | Bearbeitet: 07.06. 2015 22:59